Newsticker

Merkel betont Notwendigkeit weiterer Corona-Beschränkungen

Mozart@augsburg

20.11.2018

Auf Walfang mit Ulrich Tukur

Ismael und Ahab, die berühmten Protagonisten aus „Moby Dick“, vereinte Ulrich Tukur in Mimik und Gestik.
Bild: Fred Schöllhorn

Der bekannte Schauspieler las mit musikalischer Unterstützung von Sebastian Knauer in Gersthofen aus „Moby Dick“

„Wal in Sicht!“, schrie der großartige Schauspieler Ulrich Tukur wie wahnsinnig mitten in Gersthofens Stadthalle hinein und den Zuhörern gellte dieser Schrei lange in den Ohren. Keiner, der in dieser mozart@augsburg-Veranstaltung dabei gewesen war, wird die musikalisch-szenische Lesung von Herman Melvilles Romanklassiker „Moby Dick“ (nach einem Konzept des im Januar 2018 verstorbenen Wolfgang Knauer) mit Ulrich Tukur und Pianist Sebastian Knauer vergessen.

Mit Scott Joplins Ragtime-Rhythmen und Frédéric Chopins „Revolutionsetüde“ hatte Sebastian Knauer eine passende Auswahl getroffen, um die Geschehnisse an Amerikas Ostküste und die aufbrausende See musikalisch zu illustrieren. Ulrich Tukur spiegelte in Mimik und Worten die Aufregung der Walfänger, wurde in manchen Augenblicken fast leibhaftig zum Matrosen Ismael, der des Festlandes überdrüssig aufs Meer hinaus will. Zu diesem Glück (oder Unglück, wie sich im Lauf des Romans herausstellen wird) verhilft ihm in der Geschichte der reich tätowierte ehemalige „Kannibale“ Queequeg, den Pianist Knauer treffend charakterisierte mit „Wach auf, du verrotteter Christ“, dem Morgenchoral des Peachum aus der Dreigroschenoper. Kennengelernt hatten sich Ismael und Queequeg in Coffins Herberge in New Bedford. War, so fragte sich wohl manch einer, Ulrich Tukur selbst schon in solcher Spelunke gewesen? Denn perfekt beherrschte der Schauspieler den Slang und die aggressiv-verquollene Sprechweise des Wirts.

Gleiches gilt im Verlauf der Erzählung auch für Ahab, jenen vernarbten, einbeinigen Kapitän auf dem Schiff Pequod, wo Queequeg und Ismael zur Mannschaft zählen. Tukur vervielfältigte Ahabs schier unbeschreiblichen Hass auf Moby Dick, der dem Kapitän das Bein abgerissen hatte. Mit Ahab und den Walfängern tauchte im weiteren Verlauf Sebastian Knauer mit Modest Mussorgskis „Katakomben“ musikalisch hinab in die Meerestiefen. Und immer wenn die Sprechwogen des grandiosen Tukur schwer zu besänftigen waren, ereiferte auch er sich in seinem virtuosen Spiel.

Die Zuhörer kamen erst wieder zur Ruhe, als sie am Ende der „Moby Dick“-Erzählung in Knauers Interpretation von „Das alte Schloss“ (Mussorgski) eintauchen konnten, um danach mit wogendem Applaus den Künstlern Beifall zu zollen.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren