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Augsburg

16.12.2019

Augsburger Brechtfestival 2020 setzt auf Prominente

Die beiden neuen künstlerischen Leiter des Brechtfestivals 2020 haben dem Programm eine Frischzellenkur verpasst. Das Regie-Duo Tom Kühnel und Jürgen Kuttner ballt die großen Veranstaltungen an zwei Festivaltagen. Schon die Pressekonferenz zur Programmvorstellung hat einigen Unterhaltungswert.
Video: Richard Mayr

Das Regie-Duo Tom Kühnel und Jürgen Kuttner krempelt das Brechtfestival-Programm um. Sie wollen mit vielen bekannten Künstlern ein Feuerwerk zünden.

Eine ganze Reihe bekannter Namen, ein neues Konzept und sehr viele Eigenproduktionen – mit diesen Zutaten verpassen die neuen künstlerischen Leiter Tom Kühnel und Jürgen Kuttner dem Brechtfestival eine Frischzellenkur. Wenn alles so kommt, wie es die beiden Theaterregisseure bislang geplant haben, werden unter anderem Lars Eidinger, Corinna Harfouch, Charly Hübner, Martin Sonneborn und Martin Wuttke das Festival-Programm mitgestalten. Und das nicht über die ganzen zehn Festivaltage vom 14. Februar bis zum 23. Februar verteilt, sondern konzentriert an zwei Spektakel-Tagen, die am 14. Februar und am 22. Februar im Martinipark stattfinden.

Brechtfestival 2020 in Augsburg setzt auf bekannte Namen

Kühnel und Kuttner möchten an diesen beiden Tagen nicht nur viele verschiedene Eigenproduktionen, sondern auch unterschiedliche Publikumsgruppen zusammenbringen, also diejenigen, die eher zu Konzerten gehen, zum Beispiel mit denjenigen, die ein Faible für Berühmtheiten oder das Schauspiel haben. „Es soll ein Festival für alle sein“, sagte Kuttner bei der Programmpräsentation, die dieses Mal im 34. Stock des Augsburger Hotelturms stattfand.

Ein weiteres großes Motiv der "Baal"-Inszenierung: Eine Rockband tritt auf.
17 Bilder
Die Eindrücke des Brechtfestivals 2019
Bild: Jan-Pieter Fuhr

Wenn sich der Esprit, mit dem Kuttner dort das Programm vorgetragen hat, auch im Festival wiederfindet, könnte das nicht nur anspruchsvoll, sondern gleichzeitig auch noch ein großer Spaß werden. „Vielleicht wird es auch ein totaler Flop“, schob Kuttner gleich noch ein. Denn: Beide Regisseuren seien nicht als Kuratoren durchs Land gereist und hätten an anderen Theatern nach Gastspielen gesucht, nein, sie gingen Brechts Texte durch und wählten die aus, die sie spannend fanden und die ihnen etwas bedeuteten. Im zweiten Schritt sprachen sie Kollegen an, ob diese nicht für das Brechtfestival die Texte auf die Bühne bringen wollten.

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Höhepunkt des Brechtfestivals in Augsburg sind zwei Spektakel-Abende

Was genau da also zu sehen sein wird, wenn Lars Eidinger Brechts Hauspostille auf die Bühne bringen wird (22. Februar, 22 Uhr) oder wenn Corinna Harfouch und Die Tentakel von Delphi sich Brecht im Exil zuwenden (14. Februar, 23.30 Uhr), können Kühnel und Kuttner nicht sagen. Nur so viel: Dass es gar nicht so leicht ist, Martin Wuttke eine Mail zu schreiben oder ihn telefonisch zu erreichen. „Versuchen Sie das mal!“ Nein, da müsse man eben eine Premiere am Deutschen Theater Berlin abpassen, um dort im Anschluss den Schauspieler daran zu erinnern, dass er am 14. Februar fürs Festival eingeplant sei.

Aus der Not, dass es für diese Produktionen nicht so viel Zeit zum Proben gebe, machte Kuttner ruckzuck eine Tugend. „Das Brechtfestival 2020 wird kein Versicherungstheater“, sagte er. Damit meint er einen in sechs Wochen wohl erprobten Brecht, der dann mit tagesaktuellen Bezügen wie Flüchtlingskrise versehen werde, um auch noch im Hier und Jetzt verankert zu werden. Stattdessen werde es „roughe, schnelle Produktionen“ zu sehen geben. Die beiden Hauptzugänge dafür seien „Spaß und Neugier“. Mit Geld allein hätten sie die Künstler nicht überzeugen können, dafür sei das Budget zu klein.

Tom Kühnel und Jürgen Kuttner sind die neuen Leiter des Augsburger Brechtfestivals.
Bild: Fabian Schreyer

Was die beiden Festivalmacher unter Spaß und Neugier verstehen, lässt sich dem von der Augsburger Agentur KW Neun gestalteten Programmheft entnehmen, das wie ein Groschenheft ausschaut. Wer es in den Händen hält, findet dort nicht nur einen Überblick über die Veranstaltungen, sondern die volle Ladung Humor à la Kuttner und Kühnel (im Anzeigenteil).

Programm wird es auch jenseits der beiden Spektakel-Tage geben, etwa die von Girisha Fernando kuratierte Lange Brechtnacht, die erstmals im Kongress am Park stattfinden wird und als Headliner mit Gisbert zu Knyphausen und The Notwist“ aufwartet (15. Februar). Von der freien Augsburger Theaterszene haben sich Bluespots Productions und das Theter Ensemble bereit erklärt, mit Regisseuren aus den USA und Russland via Internettelefonie zusammenzuarbeiten und Brechts Lehrstück „Die Horatier und die Kuriatier“ sowie Heiner Müllers „Der Horatier“ zu inszenieren.

Das Staatstheater Augsburg, das sich mit kleineren Produktionen auch stark an den Spektakel-Tagen beteiligt, arbeitet für „(S)vejk/Schwejk“ mit den Städtischen Bühnen Prag zusammen. Regie führt dabei der Regisseur Armin Petras (Premiere am 21. Februar, 19.30 Uhr im Martinipark).

Termin Das Brechtfestival 2020 findet vom 14. bis zum 23. Februar statt. Der Kartenvorverkauf hat begonnen. Tickets gibt es im Internet auf brechtfestival.de oder in Touristinformation am Rathausplatz sowie beim Ticketservice des Staatstheaters Augsburg.

Lesen Sie dazu auch: In diesem Jahr ging das Festivalkonzept auf

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