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Konzert

30.09.2019

Carmina Burana: Das Schicksal hat das letzte Wort

Mit halsbrecherischen Koloraturen krönte Sopranistin Cathrin Lange die Aufführung der „Carmina Burana“ in der Stadthalle Gersthofen.
Bild: Marcus Merk

In Gersthofen singt der Philharmonische Chor Carl Orffs „Carmina Burana“ – mit unkonventionellem Vorprogramm.

Wer den kurzen Hinweis auf dem Programmzettel übersehen hatte, glaubte sich wohl im falschen Film. Nicht der Chor betrat zuerst das Podium der Stadthalle Gersthofen, vielmehr ganz allein die Instrumentalgruppe, die danach bei der Carmina-Aufführung den instrumentalen Part übernehmen sollte: Das Klavierduo „imPuls“ mit Barbara und Sebastian Bartmann sowie das Percussion-Trio „Schlag3“ mit Sebastian Hausl, Florian Reß und Fabian Strauß.

Sie spielten, als Uraufführung, „minimalBach“, eine von Bartmann komponierte Folge von Bearbeitungen bzw. Paraphrasen von Präludien aus J.S. Bachs „Wohltemperiertem Klavier“. Und diese zwischen Jazz und Minimal Music pendelnden Stücke, sind so originell und einfallsreich und wurden so brillant vorgeführt, dass man den etwas unkonventionellen Einstieg in das Chorprogramm gerne verzieh.

Der Schwan klagt mit Fistelstimme

Ähnlich souverän präsentierte Wolfgang Reß seinen Philharmonischen Chor, zu dessen Basisprogramm die „Carmina“ schon lange gehören. Das Publikum genoss sichtlich und hörbar Rhythmus, Klänge und Melodien, die seit dem Entstehungsjahr 1937 offenbar problemlos in der Schatztruhe jedes Musikfreundes angekommen sind. Und mit ihrer Ostinato-Rhythmik, ihrer abwechslungsreichen, gleichwohl entwicklungslosen Statik, ihrer knappen, ständig wiederholten Melodik ist sie gar nicht so weit weg von Rock und Pop unserer Tage.

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Klanglich bemerkenswert differenziert waren die einzelnen Abschnitte gestaltet, etwa der Frühling: Ein noch fahler, gleichsam farbloser Vorfrühling („Veris leta facies“ im Chor, Jan Friedrich Eggers’ Baritonsolo „Omnia sol temperat“), ausbrechende Frühlingslust im „Ecce gratum“ des Chores, volkstümlich derber Tanz mit dem Zwiefachen „Uf dem Anger“, wunderbar weich schwingender Werbetanz der Mädchen und Burschen (Chume, chum, geselle min). In der Schenke (In taberna) musste dann der todgeweihte Schwan mit herzzerreißendem Fisteltenor von Ulrich Reß sein Schicksal beklagen, während sich die Männer wechselseitig in eine Orgie des Saufens hineinsteigern durften.

Die zart-künstliche Atmosphäre eines ritterlichen Liebeshofes bildete einen starken Kontrast, vor allem dank Cathrin Langes betörendem Solosopran (Stetit puella, In trutina). Im Chor „Tempus est iocundum“ verbanden sich in steter Steigerung Chor und beide Solostimmen im ständig wiederholten Liebesbekenntnis „O, o, o, totus floreo“, ehe Cathrin Lange mit der halsbrecherischen Koloratur „Dulcissime“ den Liebeszauber krönte. Das letzte wie auch erste Wort hatte aber das ständig wechselnde Schicksal, dessen Anrufung „O Fortuna“ dank heftigem Schlussjubel wiederholt werden musste.

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