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Ateliers

06.12.2019

Die Antonspfründe, eine Klause für die Künstler

Hier hausen kreative Köpfe hinter grünen Türen. Jedes Atelier in der historischen Antonspfründe, wie im Bild das von Ulo Florack, empfängt mit einer individuellen künstlerischen Visitenkarte.
Bild: Ulrich Wagner

Schon 600 Jahre schmiegt sich die Antonspfründe an das Butzenbergle. Einst ein Altenheim, sind dort seit 1965 Maler und Bildhauer am Werk. Am Samstag erwarten sie Besuch.

Wer sich im Künstlerhaus Antonspfründe umschauen will, braucht eigentlich den Faden der Ariadne, um wieder hinauszufinden. Denn wie Theseus im Labyrinth des Königs Minos, so irrt man durch die mit Bildern geschmückten Gänge, treppauf, treppab, gelangt um mehrere Ecken herum in verwinkelte Gänge, wähnt sich noch im Vorderhaus, ist aber längst schon im Hinterhaus – und in welchem Stockwerk man sich gerade befindet, das ist sowieso nicht so ganz eindeutig. Das alte Haus mit Eingang in der Dominikanergasse liegt am Berg. Das heißt, wer auf der Rückseite am Hunoldsgraben steht, nimmt Kellerfenster ebenerdig wahr. Es ist eben alles eine Frage der Perspektive, und bei Künstlern sowieso.

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Die Feste in der Antonspfründe waren legendär

Viele, die Rang und Namen in der Kunstszene Augsburgs hatten, arbeiteten hier in den Räumen mit den vielen kleinen Fenstern und den Gewölbedecken: Fons Dörschug, Traudl Glogger-Prechtl, Hermann Fischer, Otto Geiß, um nur einige zu nennen. Und natürlich wurde nicht nur gearbeitet. Die Künstlerfeste in der Antonspfründe waren legendär. Ebenso die Aufräumaktionen danach: „Da kamen die Leute, um die Reste auszutrinken“, erinnert sich Elisabeth Wiesmann. Die Malerin, viele Jahre als Fotografin am Stadttheater beschäftigt, ist eine der Frauen der ersten Stunde im Künstlerhaus.

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18 Ateliers gibt es in dem traditionsreichen Haus aus dem Jahr 1410, das mit der kleinen Kapelle daneben als privates Spital für alte, arme und gebrechliche Männer erbaut wurde, gestiftet von dem Kaufmann Lorenz Egen. Seit 1813 befindet es sich im Besitz der Stadt und als es 1965 endgültig nicht mehr als Altenheim betrieben wurde, verschaffte sich die Augsburger Künstlerschaft um Ernst Berschet und Christoph Bechteler Gehör mit dem Wunsch nach Ateliers. Die Stadt willigte allerdings nur unter der Bedingung ein, dass die neuen Bewohner sich das Haus selbst herrichteten.

„Das war eine Aktion“, erinnert sich Elisabeth Wiesmann noch und zeigt Fotos aus dem Jahr 1966, als sich im Innenhof der Antonspfründe Mobiliar, Holzlatten und anderes Gerümpel stapelten. Auf einigen Bildern sind auch Totenschädel und Knochen zu sehen. „Auf die sind wir hinter einer der Mauern zur Antoniuskapelle in einem Hohlraum gestoßen“, erzählt sie. In Wiesmanns Atelier mit den zwei Räumen tritt man durch eine dicke Holztüre, an der noch die massiven Beschläge aus früherer Zeit angebracht sind. An den Wänden hängen ihre Aquarelle, die vor Ort in freier Natur entstehen. „Bin im Außendienst, weil ich draußen male“, steht dann auf einem Aushang mit einem Foto von ihr vor der Staffelei im Grünen.

Die Statik der Antonspfründe macht Sorgen

Einer, der auch viel unterwegs ist, aber die Antonspfründe als sein „Basislager“ sieht, ist Klaus Zöttl. Der ehemalige Kunsterzieher machte sich unter anderem einen Namen durch seine Forschungen zu Erdfarbvorkommen, die er zu Pigmenten aufbereitet und mit ihnen malt. Sein Reich liegt im Untergeschoß, „Er ist unser Kellergeist“, sagt Elisabeth Wiesmann beim Gang durch das Haus. In Zöttls Räumen sieht man in Form von dicken Stützpfeilern deutlich, dass das Flair des historischen Gebäudes auch seine weniger schönen Seiten hat. Risse im Mauerwerk, abbröckelnder Putz – die Statik des Gebäudes ist nicht mehr in Ordnung und die Gefahr, dass die Antonspfründe genauso geschlossen werden muss wie die Dominikanerkirche in unmittelbarer Nähe, droht immer wieder. „Das ist wie bei den Kelten“, sagt Klaus Zöttl lakonisch, „die hatten auch immer Angst, dass ihnen der Himmel auf den Kopf fällt.“

Dennoch, der Andrang auf ein Atelier in der Antonspfründe ist groß. Die Künstlervereinigung Ecke verwaltet die Vermietung und führt eine Warteliste. „Man ist mitten drin in der Stadt und hat immer Austausch mit den Kollegen“. Das schätzt die Kinderbuchillustratorin Daniela Kulot, die ihr Atelier im ehemaligen Speisesaal des Altenheims hat. Die Einbauschränke mit vielen Türchen und Schubladen sind davon noch übrig und dienen Kulot heute als Aufbewahrungsort für Broschüren, Stifte und Farben.

Offene Ateliers in der Antonspfründe am heutigen Samstag, ab 13 Uhr

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