Jubiläum

22.11.2019

Die Wiener, immer wieder

Tatendurstig wie eh und je: Dirigent Bruno Weil.
Bild: Fred Schöllhorn

Der Dirigent Bruno Weil feiert runden Geburtstag. Mit Augsburg ist er besonders verbunden

Anruf bei Bruno Weil. Der Maestro ist gleich selbst am Apparat, klingt tatendurstig wie eh und je und ist schon nach wenigen Wendungen mittendrin in der Musik. Ja, er komme voran mit seinem Buchprojekt, einer Stilkunde zur Musik des 18. Jahrhunderts, speziell der Wiener Klassik, denn von der Stilistik jener Epoche hätten so viele seiner Studenten keine Ahnung, Mozart etwa sei ohne Johann Christian Bach überhaupt nicht zu verstehen …

Die Wiener Klassik, sie ist so etwas wie das Lebensthema des Dirigenten Bruno Weil. Eingehend hat er sie und ihre Grundlagen studiert, und das hat merklich Niederschlag gefunden in seinen Interpretationen der Haydn, Mozart, Beethoven wie auch jener, für die wiederum die Klassiker Voraussetzung waren, für Schubert und all die anderen Komponisten des 19. Jahrhunderts. Vor allem aber war und ist es Joseph Haydn, dem Weil sich herzinnigst verbunden fühlt. Diesem Haydn, dessen Musik immer als etwas altväterlich galt, hat Weil schon vor Jahrzehnten den Zopf abgeschnitten – und plötzlich kam der Ahnvater der Klassik nicht mehr täppisch daher, sondern begann regelrecht das Tanzbein zu schwingen.

Er gründete das Festival Klang & Raum

Es war nur konsequent, dass der eifrig Quellen studierende Dirigent irgendwann ein Faible für Originalinstrumente entwickelte, eine Wendung, die bei ihm eine besondere Note besaß. Denn der junge Weil war eigentlich ein Protegé des Klang-Mystagogen Karajan, für den er sogar in Salzburg einspringen durfte. Karajan war dann auch sein Fürsprecher, als Augsburg zu Beginn der 80er Jahre einen neuen Generalmusikdirektor suchte – Weil erhielt die Stelle als damals jüngster GMD Deutschlands und blieb acht Jahre lang.

Die Wiener, immer wieder

Augsburg wurde dem gebürtigen Rheinländer zum Lebensmittelpunkt. Der Region Schwaben blieb er auch verbunden, als seine internationale Karriere Fahrt aufgenommen hatte. 1993 gründete er im Kloster Irsee das Festival Klang & Raum, bei dem er fast zwei Jahrzehnte lang mit dem kanadischen Tafelmusik Orchestra seinen geliebten Wiener Klassikern in maßstabsetzenden Aufführungen huldigte.

Längst ist Weil, selber einst Schüler des legendären Hans Swarowsky, ein gefragter Dirigierlehrer. Seine Professur am Mozarteum hat er zwar in diesem Jahr beendet, doch bleibt er der Sommerakademie der Salzburger Musikhochschule mit einer Dirigierklasse verbunden. An Anfragen für Gastdirigate mangelt es ihm nicht. Im Dezember führt er Beethovens Neunte mit dem Philharmonischen Orchester Helsinki auf, im Januar leitet er ein Haydn-Programm der Dresdner-Staatskapelle; weitere Stationen in den ersten Monaten des kommenden Jahres sind Stuttgart, Graz und Wien – „Ich brauch’ mich wirklich nicht zu beklagen“, lacht er ins Telefon.

Ohne Musik geht es bei ihm auch an diesem Sonntag nicht, da allerdings wird fürihn gespielt: Am 24. November feiert Bruno Weil seinen 70. Geburtstag.

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