Maximilianmuseum

17.04.2019

Ein 500 Jahre alter Glücksfund

Erstmals seit Jahrhunderten wieder in Augsburg: Das Tranchierbesteck Kaiser Maximilians I. wird eines der Ausstellungshighlights der Sonderausstellung im Sommer sein. Christof Trepesch (r.), Christoph Emmendörffer und Heidrun Lange-Krach haben als die wertvollen Objekte in Augenschein nehmen können.
Bild: Michael Hochgemuth

Das Maximilianmuseum zeigt ab Juni eine Sonderausstellung zu Kaiser Maximilian I. Das wertvollste Stück, das durch Zufall gefunden wurde, ist jetzt in Augsburg.

Christof Trepesch, der Direktor der Kunstsammlungen und Museen Augsburg, geht unruhig auf und ab. Christoph Emmendörffer, der Leiter des Maximilianmuseums, wartet mit verschränkten Armen in einer Ecke. Kuratorin Heidrun Lange-Krach wippt aufgeregt auf der Stelle. Die drei beobachten jeden Handgriff des Restaurators, als er seine Handschuhe anzieht und sein Werkzeug in die Hand nimmt. Die Stimmung ist angespannt.

Zielstrebig geht er auf eine Kiste zu, auf die alle im Raum gespannt blicken. Aus hellem Holz, etwa einen Meter hoch, die Einzelteile fest miteinander verschraubt. Von außen sieht sie unscheinbar aus, fast so als könnten auch Bananen oder Ananas darin angeliefert werden. Nur die Aufschrift und die Aufkleber auf der Box verraten, wie wertvoll der Inhalt im Inneren ist.

Die Mitarbeiter des Museums haben seit Wochen darauf gewartet

„Zerbrechlich“ steht in schwarzen Großbuchstaben auf der Seitenwand, vier silberfarbene Sigel verschließen die Öffnungen. Einzig Klaus Wiedenbauer, dem Restaurator, ist es erlaubt, sie zu brechen und den wertvollen Inhalt auszupacken, auf den die Mitarbeiter des Maximilianmuseums in Augsburg seit Wochen warten: das Tranchierbesteck von Kaiser Maximilian I. aus dem Jahr 1515.

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Ab und zu werfen sich der Direktor, der Museumsleiter und die Kuratorin unruhige Blicke zu, als der Restaurator den Deckel abschraubt und die Seitenwand herausnimmt. Im Inneren befinden sich Styroporplatten, darunter eine braune Pappkartonschachtel. Das Bild eines Reisetrolleys ist darauf abgedruckt. Die Wartenden lachen nervös.

Ein längliches, rundes Päckchen kommt zum Vorschein

Immer weiter arbeitet sich Restaurator Klaus Wiedenbauer vor. Von Schicht zu Schicht. „Ein Überraschungsei ist ja ein Witz dagegen“, kommentiert Museumsleiter Emmendörffer die Arbeiten. In dem Karton steckt tatsächlich ein silberner Rollkoffer, der ein fest mit Klebeband umwickeltes Schaumstoffpaket enthält. Vorsichtig durchtrennt der Restaurator mit dem Teppichmesser die Klebestreifen und wickelt die Schutzfolie ab. Klappt die Schaumstoffhülle auseinander und holt ein längliches, rundes Päckchen heraus. „Huuuuuuch“, ruft Kuratorin Heidrun Lange-Krach schrill aus, sofort treten alle näher an den Tisch, wo der Restaurator die letzte Schicht weißen Schutzpapiers aufschlägt.

Auf dem Tisch liegt ein rotes Futteral aus Leder, mit goldenen Symbolen geprägt und mit grünen Kordeln verschnürt. „Ahhh, sehr schön“, seufzt Direktor Christof Trepesch erleichtert. Als der Restaurator das Tranchierbesteck einzeln herauszieht, wird es still im Zimmer.

Die Museumsleute schwärmen

Alle blicken gespannt auf die fünf historischen Stücke: ein Tranchiermesser, mit dem das Fleisch geschnitten wurde, eine zweizackige Haltegabel, zwei Spachtel, mit denen das Fleisch gereicht wurde, und ein Essmesser von Maximilian. Goldene Einfassungen, die Griffe aus Bergkristallen gefertigt, darin eingefasst Pergamentstreifen, die das Wappen des Kaisers zeigen. Die Museumsleute schwärmen: „Toll“, „Es ist tadellos in Schuss“, „perfekt“, „eine ganz, ganz tolle Qualität“.

Kuratorin Heidrun Lange-Krach ist erleichtert: „Es ist wirklich umwerfend, wie gut es erhalten ist. Es gibt nicht viele Dinge aus dieser Zeit, die in so hervorragendem Zustand sind.“ Sei sei unfassbar froh, dass das Museum die Objekte ausleihen und in der neuen Ausstellung über Kaiser Maximilian I., die im Juni beginnt, zeigen dürfe.

Die Suche nach dem Objekt war schwierig

Dabei sei das Tranchierbesteck gar nicht so leicht aufzuspüren gewesen, sagt Direktor Christof Trepesch. „Unsere Kuratorin hier hat richtige Detektivarbeit geleistet.“ Denn nur durch einen Zufall ist Heidrun Lange-Krach auf das Besteck gestoßen: Das britische Auktionshaus Hessink’s veröffentlichte fälschlicherweise das Besteck in einem Katalog. Der Privatsammler aus Wales, dem das Besteck gehörte, wusste davon jedoch nichts und wollte es auch nicht verkaufen. So wusste Heidrun Lange-Krach nur, dass die Stücke in England waren, den Namen und den Kontakt wollte Hessink’s jedoch nicht preisgeben.

Doch sie wollte das Besteck unbedingt für die anstehende Ausstellung über Maximilian I. finden. Dieser hatte das Tranchierbesteck zu Lebzeiten an seinen Vertrauten, den gebürtigen Augsburger und Salzburger Kardinal, Matthäus Lang von Wellenburg, verschenkt. Kuratorin Lange-Krach googelte auch nach ihm – doch kein Hinweis auf das Besteck. Als sie den Namen bewusst falsch in das Suchfeld eingab, stieß sie auf einen Eintrag der Universität Salzburg, der falsch buchstabiert war.

Er führte sie zu einem Experten, von dem sie wiederum den Namen des Privatsammlers aus Wales bekam. „Er möchte anonym bleiben, aber er freut sich sehr, dass er uns das Objekt ausleihen kann. Und ich bin mir sicher, dass er von Wales aus auch nach Augsburg zu unserer Ausstellung kommen wird.“

Das Tranchierbesteck von 1515 wird erstmals in der Sonderausstellung „Maximilian I. Kaiser. Ritter. Bürger von Augsburg“ gezeigt. Sie eröffnet am 15. Juni im Maximiliansmuseum in Augsburg und endet am 15. September 2019.

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