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Konzert

24.01.2020

Ein hübsches Pop-Desaster der Düsseldorf Düsterboys

Düsterboys in Augsburg (v. l.): Peter Rubel und Pedro Crescenti.
Bild: Siegfried Kerpf

Es hätte alles so schön sein können: Mit The Düsseldorf Düsterboys machte wieder mal eine veritable Indie-Sensation auf ihrer Tournee in der intimen Soho Stage Station. Bloß leider, leider …

Oh, glückliches Augsburg! Denn es lässt sich zwar mit Recht einiges Bedenkliche über den mitunter nicht mal zweitklassigen Konzertstandort sagen, vor allem wenn es um Prominenz geht, in deren Präsenz und Frequenz man hier doch deutlich hinter kleineren Städten wie Neu-Ulm oder Kempten zurücksteht. In der Sparte aber lauert verlässlich das Glück. So sind etwa im kuschligen Keller der Soho Stage regelmäßig Künstler, die im Indie für Furore sorgen, in intimem Rahmen zu erleben – wie zuletzt etwa der Schweizer Chansonnier Dagobert oder die Gitarrenlady Ilgen-Nur.

Pedro Goncalves Crescenti und Peter Rubel spielen ziemlich weit oben in dieser Liga. Das Debüt ihrer Band mit dem ungoogelbaren Namen International Music und einer Mischung aus Melancholie und Krautrock wurde ausgiebig gefeiert und nicht nur vom Musikexpress zur Platte des Jahres 2018 gewählt. Ohne den sie dabei ergänzenden Schlagzeuger Joel Roters, ohne Wucht, aber mit der gleichen kargen Poesie und Edis Ludwig an den Drums und Fabian Neubauer am Keyboard sind sie nun auch noch im Namen unverwechselbar The Düsseldorf Düsterboys – und verzückten auch hier mit dem vor knapp drei Monaten erschienen Debütalbum „Nenn Mich Musik“.

Psychedelische Harmonien mit Plingpling

Also war Augsburg an diesem Donnerstagabend in der freilich längst ausverkauften Soho Stage mal wieder glücklich. Eigentlich. Denn welchen besseren Rahmen könnte es geben, um zu Lo-Fi-Perlen wie „Teneriffa“ und „Mittendrin“, „Kaffee aus der Küche“ und „Es geht mir gut“ schmunzelnd zu schunkeln? Psychedelische Harmonien mit Plingpling, folkiger Zweistimmengesang und Texte zwischen brüchiger Alltagsromantik und Dada. Herrlich – eigentlich. Wären da nicht diese Unbilden gewesen …

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Geschenkt ja noch das erste Genuss-Hindernis. „Wenn ihr wüsstet, was wir heute schon alles erlebt haben“, setzte Pedro Crescenti immer wieder an, um es schließlich doch irgendwann zu erzählen: Die knapp einstündige Verspätung des Konzertbeginns war einer Autopanne auf dem Weg aus der Schweiz nach Augsburg geschuldet. Die daraus folgende Unbill aber beeinträchtigte das ganze Konzert vom Einstieg mit „Kneipe“, das es von International Music wie von den Düsterboys gibt und damit die Unterschiede der Bands verdeutlicht, bis zum A-capella-Finale gut eine Stunde später mit einer Sehnsuchtshymne nach zumindest welligen, wenn schon nicht vertikalen Horizonten.

Die verspätete Anreise bedeutete nämlich: kein Sound-Check, Spontan-Einspringen am Mischpult – und damit unendliche Probleme mit Mikro-Lautstärken, Verstärker-Dröhnen … Und so sehr die Musik des Quartetts betont retro-produzierte Lo-Fi ist, so hart sie manchmal am schlicht Schiefen und Verstimmten entlangschrammt, so sehr – das wird an diesem Abend deutlich – bleibt sie doch auf Exaktheit all der Löchrigkeit angewiesen.

Mit Charme und Ironie, mitunter dann lieber ohne alle elektronische Verstärkung versuchten die Düsterboys zu retten, was zu retten war. Was ihnen immerhin gelang: das Desaster sehr hübsch zu gestalten.

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