Sensemble Theater

11.08.2019

Es funkte an der Obsttheke

Jörg Schur und Beatrix Brunschko improvisieren im Martinipark, was das Zeug hält.
Bild: Michael Hochgemuth

Zum Abschluss der Saison veranstaltet das Sensemble Theater ein Improfestival im Martini-Park. Im Publikum löst der Abend einige Lachanfälle aus.

Die Regeln sind einfach. Jeder der Schauspieler schlüpft bei „seinem“ Stück in die Rolle des Regisseurs. Dann darf er zwar selbst nicht mitspielen, aber Anweisungen vor und während der jeweiligen Szene geben. Die Anweisungen sollen ihm spontan einfallen, es gibt keine Absprachen. Das Konzept nennt sich „Best Scene – Improvisationstheater“. Ziel ist es, einen Gewinner zu küren. Dabei bestimmt das Publikum mit der Lautstärke des Applauses, welche Szene des jeweiligen Regisseurs fortgeführt werden darf. Es kann nur einen Sieger geben. Heißt im Umkehrschluss: Die Geschichten der anderen scheiden nach und nach aus und werden nicht zu Ende erzählt. Das Regelwerk sieht auch vor, dass gelacht werden soll.

Der letzte Abend des Internationalen Impro-Festivals des Sensemble-Theaters entwickelt sich rasch zu einem lustigen und genialen Theaterabend. Am Freitag und Samstag sind im Martinipark unter freiem Himmel nicht nur die in Augsburg bestens bekannten Schauspieler Birgit Linner und Jörg Schur zu Gast. Auch die Österreicherin Beatrix Brunschko und der Kanadier Jacob Banigan sind geladen. Wie seit vielen Jahren untermalt Marc Schmolling aus Berlin den Theaterabend musikalisch. Steht der Freitag unter dem Motto „Theatersport“ – dort treten die Schauspieler in Zweiergruppen gegeneinander an –, folgen am Samstagabend die Best Scenes.

Los geht es mit einem Thriller-Horror

Den Beginn macht Linner mit einer Horrorgeschichte, genauer gesagt einem Thriller-Horror – das Publikum kann mitentscheiden. Es ist ein kalter Februartag. Ein Sir, gespielt von Schur, setzt sich auf die Veranda und schaut in die Ferne. Banigan alias Butler James tritt hervor, bringt dem Sir Tee. Plötzlich ertönt aus dem nahegelegenen Moor eine Stimme: „Ich bin da!“ Der Sir steht auf und sagt zum Buttler: „James?“ Der Buttler entgegnet mit einem zögerlichen „Ja“. Sir: „Es ist kalt!“ Licht aus.

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Banigans Story handelt von einer Alltagsheldin. Alkoholberaterin Beate, dargestellt von Brunschko, übernimmt einen neuen Klienten: Einen cholerischen Finanzbeamten, gespielt von Schur. „Bei mir in der Behörde werde ich gemobbt“, klagt dieser. Nach und nach scheint sich Beate von dem Finanzbeamten angezogen zu fühlen – per Handzeichen kann eine Zuschauerin Beates Gedanken per Mikrofon laut aussprechen und so die Geschichte lenken. Die beiden Protagonisten verabreden sich zu einem Spaziergang im Park beim Ententeich. „Soll ich Krümel mitbringen?“, fragt der Finanzbeamte. Die Zuschauerin artikuliert Beates Gedanken: „Jetzt brauche ich einen Schnaps!“

Großes Kino mit einem fiktiven Tarantino-Film

Schur bringt einen fiktiven Film von Quentin Tarantino auf die Bühne – mit dem Titel „Der Perfekte“. In mehreren Erzählsträngen geht es um einen Eisverkäufer, einen Mafiosi, eine Jazzsängerin und einen Mann, der in einem Riesenrad steht, nach unten blickt und einen Zettel in der Hand hält. Auf diesem steht: „Spring du Sau!“ Schurs Film bringt alles mit, was ein klassischer „Tarantino“ auch enthält: Kampf-, Blut-, Musik- und Duschszenen. Das ist großes Kino!

Brunschkos Erzählung handelt von zwei Männern, die sich zufällig im Supermarkt treffen. Der eine ist alleinerziehender Hausmann mit drei Kindern, der andere Balletttänzer, der im Übrigen Kinder hasst. Der Hausmann seufzt: „Meine Frau hat mich verlassen und ist mit einem Tänzer durchgebrannt.“ Die beiden Männer kommen sich näher, als sie sich an der Obsttheke gegenseitig die Früchte reichen. Der Hausmann fragt sein Gegenüber, ob er ihn zum Obstsalat einladen dürfe. Das Publikum kugelt sich förmlich vor Lachen. Zwischendurch ertönt eine Durchsage: „Heute im Angebot – Kalbsleberwurst aus Tofu!“

Bereits in der ersten Runde zeichnet sich ab, die Gewinnergeschichte kann nur eine sein – nämlich die Romcom von Beatrix Brunschko. Eigentlich hätte es aber jede Story verdient, zu Ende erzählt zu werden. Aber genau das macht Best Scenes eben aus. Der Zuschauer kann die Filme in seinem eigenen Kopfkino zu Ende führen. Ein großartiger Improvisationstheater-Abend, der – angesichts zahlreicher Lachanfälle im Publikum – bei einigen noch lange in Erinnerung bleiben wird.

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