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Staatstheater Augsburg

27.07.2020

Konzertmeisterin und Staatstheater einigen sich vor dem Arbeitsgericht

Konzertmeisterin Agnes Malich wehrte sich vor Gericht gegen die schriftliche Ermahnung des Staatstheater-Intendanten.
Bild: Stadt Augsburg (Archiv)

Plus Eine Spendensammlung für freie Künstler gab den Anstoß für eine schriftliche Ermahnung. Unterhaltsam wurde der Streit zwischen Intendant und Geigerin beigelegt.

Ende gut, alles gut. Eigentlich lief alles klasse vorm Arbeitsgericht Augsburg in der Causa Agnes Malich gegen André Bücker. Man lernte den Richter Markus Nieberle-Schreiegg erstaunlich gut kennen, weil er – „ich bin da ganz ehrlich“ – von seiner Lektüre und seiner Familie, von Fußball und Konzertbesuchen sprach; weil die beiden sich beharkenden Parteien durch Formulierungsvorschläge an einem gütlichen Vergleich professionell mitwirkten; weil der Chronist der Verhandlung Unterhaltsames zu berichten hat und seine Leser Unterhaltsames zu lesen bekommen.

Richter bezeichnet Fall als Streit um des Kaisers Bart

So richtig verstand es Markus Nieberle-Schreiegg nicht, warum dieser Fall überhaupt auf seinem Schreibtisch landete: „Ein Streit um des Kaisers Bart“ befand er zweimal. Dieser Streit war erst richtig ausgebrochen, als Staatstheaterintendant André Bücker der Konzertmeisterin Agnes Malich eine „Ermahnung“, eine Rüge zustellen ließ, nachdem sie als Orchestervorstand im Zuge der Spendenaktion „Kultur hält zusammen“ künstlerische Kooperationen angekündigt hatte und Orchestermitglieder auch bei Sponsoren vorgefühlt hatten, ob diese für notleidende freie Künstler zu spenden bereit sind. Das eine wie das andere jedoch missfiel dem Intendanten. Und so flatterte bei Agnes Malich besagte Ermahnung samt Verbot solcher Aktivitäten ins Haus – was wiederum die Geigerin empörte, die zusammen mit einem Justiziar der deutschen Orchestervereinigung zur Klage schritt. Rücknahme der Rüge war ihr Begehr.

Dafür, dass all dies richterlich als ein Streit um des Kaisers Bart betrachtet wurde, war die Verhandlung mit 45 Minuten ausgreifend. Aber so, wie Markus Nieberle-Schreiegg viermal nach dem Namen des Staatstheaterintendanten fragte, so bekannte er auch mehrfach, dass ihm – „ich bin da ganz ehrlich“ – das Gefühl für diese ganze, ihm verschlossene Theaterwelt fehle. „Da sind mir die Regeln nicht so bekannt.“

Konzertmeisterin und Staatstheater einigen sich vor dem Arbeitsgericht

Dem halfen ab vor allem Robin von Olshausen als Rechtsanwalt für die anwesende Agnes Malich sowie Friedrich Meyer, der geschäftsführende Theaterdirektor, in Vertretung für den abwesenden André Bücker. Sachlich, höflich erklärten sich die Parteien, während Markus Nieberle-Schreiegg auch mal Vergleichsausflüge zur MAN oder in die Fußball-Branche unternahm – und durchaus mit Begründung die Lektüre von Dürrenmatts Hörspiel „Der Prozess um des Esels Schatten“ empfahl, später auch Franz Kafkas „Der Prozess“. Mal jovial, mal angedeutet ironisch („kein Streit von weltpolitischen Gewicht“), mal gütig („Sie sind doch eine sympathische Person, Frau Malich!“) manövrierte Nieberle-Schreiegg auf hoher See.

Konträre Ansichten zum Thema Orchesteraufstockung

Zweimal dann blitzte auf, dass es hinter der Klage noch um etwas ganz Anderes, Tieferes gehen könnte, nämlich darum, dem Orchestervorstand per Ermahnung Rechte zu nehmen, und darum, dass es stark konträre Ansichten zum Thema Orchesteraufstockung gibt. Aber Friedrich Meyer ließ es sich angelegen sein zu erklären, dass niemand an der Theaterspitze die Interessen des Orchesters unterlaufen wolle.

Mit weiteren Erklärungen trennten sich dann auch die Parteien gütlich – nachdem Markus Nieberle-Schreiegg schon mal fallen gelassen hatte, dass auch er der Meinung sei, es habe das Schreiben des Intendanten nicht unbedingt gebraucht. Von Intendanten-Seite wird zugesagt, dass die Ermahnung keiner der beiden Personalakten von Agnes Malich hinzugefügt wird und dass an den formulierten Vorwürfen nicht weiter festgehalten wird.

Von Seiten des Orchestervorstands wird erklärt, dass man fürderhin keine künstlerischen Kooperationen eingehen werde und keine Sponsoren akquirieren wolle. Und auf Nieberle-Schreieggs Frage, ob sie, Frau Malich, auch bereit sei zu der Aussage, dass sie die Autorität des Staatsintendanten nicht anzweifle, erklärte die Geigerin so knapp wie lapidar: „Natürlich“. Es war sehr schön, es hat uns sehr gefreut.

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