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Kunstauktion: Im Auktionshaus Rehm gibt es eine besonderen Nachlass

Kunstauktion

Im Auktionshaus Rehm gibt es eine besonderen Nachlass

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    Bei den Silberarbeiten besticht ein Augsburger Vierersatz vergoldeter Prunkleuchter (1750er Jahre, Höhe 27 cm) des Emanuel Abraham Drentwett.
    Bei den Silberarbeiten besticht ein Augsburger Vierersatz vergoldeter Prunkleuchter (1750er Jahre, Höhe 27 cm) des Emanuel Abraham Drentwett.

    Wenn es stimmt, dass Sammler glücklichere Menschen sind, dann muss der Münchner Kunst- und Antiquitätenhändler Florian Forchhammer (1965-2019), Sohn erfolgreicher Geschäftsleute für Herrenmode, ein glücklicher Mensch gewesen sein. Die 350 Objekte, die im Jahr nach seinem Tod den Weg von seiner Grünwalder Villa nach Augsburg genommen haben, sind nur gut die Hälfte seines Nachlasses, aber gleichwohl überwältigend in der Summe ihrer Qualität.

    Georg Rehm hat sich den Zugriff gesichert. Kaum Besseres hätte er sich zum 40-jährigen Jubiläum seines Kunstauktionshauses wünschen können. Allerdings waren die Rehms lange zuvor in dieser Branche tätig – schon seit den 1960er Jahren mit Georg Rehm senior in der Augsburger Altstadt. Seit 1994 ist Georg Rehm junior alleiniger Chef. Zwei Jahre später erwarb er seinen jetzigen Standort in der Provinostraße, der zuvor wie auch das benachbarte Textil- und Industriemuseum (tim) und das Stadtarchiv zum Gebäudekomplex der Augsburger Kammgarnspinnerei (AKS) gehörte. Hier, in der Provinostraße 50 1/2, sind ungezählte Offerten unter den Hammer gekommen, darunter auch Schlossinventare wie das aus dem provenzalischen Roquefort; 2004 gelangte es gegen Konkurrenz aus München und Stuttgart nach Augsburg. Anno 2006 versteigerte Rehm das reichliche Inventar des Höhmann-Hauses zugunsten der Städtischen Kunstsammlungen.

    In Rehms Auktionsräumen wird es eng

    Auch diesmal dient die Auktion einem gemeinnützigen Zweck, nämlich der von Florian Forchhammer testamentarisch verfügten Stiftung zur Förderung von Kunst, Kultur und Denkmalschutz. Letzterer zielt vor allem auf Forchhammers Wasserkraftwerk Stalleg im Schwarzwald, das ein Museum für Wasserkraft werden soll. Als Grundstock der Stiftung wird in der Grünwalder Villa ein kleinerer Teil der Forchheimer-Sammlung bleiben und dort zum Rahmen kultureller Veranstaltungen gehören. In Rehms Auktionsräuem allerdings wird es eng. Wange an Wange stehen kapitale Barockschranke, darunter ein typisch Augsburger Fabrikat und marketierte Exemplare aus Frankfurt, Mainfranken, Österreich.

    Ebenso reihen sich Tabernakel- und Aufsatzsekretäre sowie über 20 Kommoden aneinander – diese auch als ein reich intarsiertes und beschnitztes Paar mit zwei Schubladen. Dass dieses süddeutsche Pendant für 9500 Euro aufgerufen wird und der erwähnte Augsburger Patrizierschrank für 5500 Euro, verdeutlicht die gesunkene Wertschätzung barocker Möbel. Als Forchhammer sie erwarb, wären solche Preise das reinste Schnäppchen gewesen. Übrigens gilt dasselbe für Forchhammers Fayencekrüge des 18. Jahrhunderts. Neben Crailsheim, Bayreuth, Magdeburg ist auch die Friedberger Manufaktur vertreten; ebenso Potsdam mit einem Walzenkrug, unter dessen Zinn-Montur noch der Anschaffungspreis klebt: 5900 DM. Die Taxe heute: 300 Euro.

    Nach wie vor gefragt ist die Münchner Schule

    Georg Rehm beim Aufbau der anstehenden Auktion. Rechts im Hintergrund ein Spitzenstück der Gemäldesektion: Franz von Defreggers „Der Urlauber“.
    Georg Rehm beim Aufbau der anstehenden Auktion. Rechts im Hintergrund ein Spitzenstück der Gemäldesektion: Franz von Defreggers „Der Urlauber“.

    Rehm kann ein Lied davon singen, wie sich Werte mit dem Geschmackswechsel verändern können, hat doch die anstehende 290. Auktion ebenfalls die Reife eines Jubiläums erlangt. Nach wie vor gefragt ist bei den Gemälden die Münchner Schule des 19. Jahrhunderts, die neben den Barockmöbeln einen Kern der Forchhammer-Sammlung ausmacht. Im Künstleralphabet von Anton Braith bis Heinrich von Zügel fehlt kein bekannter Name – weder Defregger, Doll und Eberle, weder Kaufmann, Quaglio und Stuhlmüller, weder Voltz, Wenglein und Wopfner. Die Preisspitze (je 18000 Euro) bilden „Der Urlauber“ und „Die Nachricht“, zwei Großformat von Defregger. Als Vater und Sohn figurieren die Alpen-Bewunderer Edward Theodore Compton und Edward Harrison Compton. Auch der Erstgeborene des Tiermalers Zügel zeigt sich – Willy Zügel mit einem 1913 für die Porzellan-Manufaktur Rosenthal geformten Bussard (750 Euro).

    Zu reden wäre über die Holzskulpturen von der Gotik einer gekrönten Mutter Gottes (950 Euro) bis zum Barock der wohl als Kanzelfiguren geschnitzten vier Evangelisten (3000 Euro); ferner über die Sammlung von über 20 goldenen Taschenuhren mit dem Renommee von Assmann Glashütte, Lange&Söhne, Breguet&Fils, Patek Philippe, Longines. Einen besonderen Hinweis verdient ebenso die Fülle von Silberarbeiten, wobei für das 18. Jahrhundert große Augsburger Meister nicht fehlen – auch nicht Emanuel Abraham Drentwett. Sein Vierersatz vergoldeter Prunkleuchter (Taxe 4000 Euro) glänzt mit üppigem Reliefdekor. In der Tat, das sieht sehr feierlich aus, passend zu diesem Augsburger Jubiläum.

    Die Auktion in der Provinostraße 501/2 ist am 13. und 14. Februar (ab 16 bzw. 14,30 Uhr). Besichtigung vom 6. bis 12. Februar (10-18 Uhr). Schon jetzt ist das ganze Angebot unter www.auktionshaus-rehm.de einsehbar.

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