Forschung

13.09.2019

Leopold, das wichtige Bindeglied

Leopold Mozart 1756 im Titel seiner Violinschule.
Bild: Bibliotheca Mozartiana

Erich Broy hat die Kompositionsmethoden von Mozart dem Älteren untersucht

Man muss kein Prophet sein, um schon jetzt, nachdem zwei Drittel des Leopold-Mozart-Jubiläumsjahrs vergangen sind, die These zu wagen, dass auch nach dem Ende der Belobigungen zum 300. Geburtstag das Naserümpfen über den Komponisten weitergehen wird. Der Impuls, die Musik des Vaters mit derjenigen seines Sohnes Wolfgang zu vergleichen, scheint nicht abzuflauen. Ein Kurzschluss, wie vor über drei Jahrzehnten schon der große Mozartforscher Wolfgang Plath konstatiert und zu bedenken gegeben hat, dass durch einen Fall wie den der „Lambacher Sinfonien“ – die deutlich komplexere der beiden stammt eben nicht, wie ursprünglich angenommen, vom Sohn, sondern vom Vater – der „Negativ-Mythos von Leopold Mozart, dem nur mediokren Komponisten, zumindest stark erschüttert“ sein müsste. Was sich, so Plath, beim Hören der Musik der Mozarts mitteile, sei eben keinesfalls nur das Gefälle zwischen Talent und Genie, sondern vor allem der „historische Unterschied“.

Dem Herausarbeiten von Leopold Mozarts individuellem musikgeschichtlichen Standort hat sich der Musikwissenschaftler Erich Broy in jahrelanger aufwendiger Arbeit gewidmet und die gewonnenen Erkenntnisse nun in Buchform vorgelegt. Erich Broy war – ebenso wie sein Bruder Christian Broy – Mitarbeiter eines an der Augsburger Universität angesiedelten Forschungsprojekts zu Leopold Mozart. Der jetzt erschienene Band ist die überarbeitete Fassung seiner Dissertation.

In der stilkritischen Untersuchung konzentriert sich Broy vor allem auf Leopolds Sinfonien, eine Gattung, die zu der Zeit, als der Komponist die meisten von ihnen schuf – Mitte der 1750er Jahre –, erst an allgemeiner Bedeutung zu gewinnen begann. Die Erkundung von Leopolds Kompositionsverfahren nimmt Broy durchaus mit Blick auf das Schaffen von Wolfgang vor. Entlang der Quellen zeichnet er den Kompositionsunterricht des Vaters für den Sohn nach, um unter anderem dadurch dem Handwerk Leopolds auf die Spur zu kommen.

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Der entstammt kompositionsgeschichtlich dem Zeitalter des Generalbasses, einem satztechnischen Verfahren, das prägend war für die Musik des Barock. Mitte des 18. Jahrhunderts aber begann sich jene musikalische Satzkunst herauszubilden, die schließlich in die klassische Epoche mündete. In eben jenem Spannungsfeld steht Leopold Mozart, in dessen kompositorischer Entwicklung Broy vier Stadien erkennt – ein Prozess weg vom Generalbass und hin zur Ausbildung des klassischen Sonatensatzes, wobei der Komponist immer wieder auch Altes in seine Werke zu integrieren wusste.

Als Komponist, der diesen Wandel vollzieht, ist Leopold Mozart in den Augen Erich Broys „ein wichtiges Bindeglied zischen den großen musikalischen Epochen des 18. Jahrhunderts“. Und weil, wer sich mit Leopold beschäftigt, immer auch an Wolfgang nicht vorbeikommt, zieht der Verfasser ferner den Schluss: „Die Prägung durch den Vater ist eindeutig und eine wesentliche Voraussetzung für das Verständnis des Schaffens des Sohnes.“ Broy schließt seine Untersuchung mit der Bemerkung, dass das „musikalische Herkommen“ Leopolds noch eingehender Erforschung bedürfe – was auf Augsburg zielt, die Heimatstadt, aus der Leopold sich erst nach seiner Gymnasialzeit auf in Richtung Salzburg machte.

Erich Broy: Leopold Mozart – Komponieren in einer Zeit stilistischen Wandels. (Beiträge zur Leopold-Mozart-Forschung Bd. 6). Wißner, 240 S. (Textband) und 166 S. (Notenband), 59,80 ¤

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