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Jazz in Augsburg

05.03.2021

Neues Projekt: Wie der Jazzclub Augsburg aus der Krise kommen will

Die Augsburger Band „Driften“ um Tilman Herpichböhm bei der Aufnahme des ersten digitalen Konzerts.
Foto: Hubertus Sichler

Plus Die Betreiber des Augsburger Jazzclubs schöpfen trotz Corona wieder Hoffnung. Eine digitale Konzertreihe soll vor allem regionalen Musikern eine Bühne bieten.

Rote und blaue Lichter streifen über die Musiker, die Kamera schwenkt auf einen Saxofonisten. Sanfter Jazz perlt durch den Lautsprecher. Sascha Felber und Hubertus Sichler vom Jazzclub Augsburg sind von der Aufnahme begeistert. „Es gibt eine Dramaturgie, das ist wie bei einem Musikfilm“, sagt Felber.

Der Verein hat wie viele andere Clubs in den vergangenen Monaten eine Krisenzeit erlebt. Felber, der den Verein leitet, hat aus der Zeit einiges mitgenommen: „Clubs müssen jetzt komplett umdenken.“ Am 6. März startet der Jazzclub eine Reihe mit 17 digitalen Konzerten. Sie unterscheiden sich von reinen Live-Übertragungen: Die Konzerte werden im Voraus aufgezeichnet und geschnitten. „Wir haben vier Kameras, die verschiedene Winkel einfangen“, erklärt Felber. Ein Tontechniker kümmere sich um eine gute Tonqualität. Die Ausstattung dafür konnten sie mit einer staatlichen Soforthilfe bezahlen.

Die Tische haben Staub angesetzt im Jazzclub, in dem sonst bis zu 90 Konzerte im Jahr stattfanden, die Bühne ist leer. Der Kontrast zu der Video-Aufzeichnung könnte nicht größer sein. Hubertus Sichler, der sich um die Pressearbeit des Vereins kümmert, sagt: „Das ist ein gutes Format mit gutem Sound. Wir haben wieder Hoffnung.“

Im Herbst war der Augsburger Jazzclub auf dem Tiefpunkt

Es waren nicht die Lockdowns, die den Jazzclub am härtesten trafen, sondern überraschenderweise die Wochen, in denen eingeschränkt Konzerte stattfinden konnten. Den Tiefpunkt hatte der Jazzclub im Herbst vergangenen Jahres. Die Rücklagen waren aufgebraucht, die Fixkosten liefen weiter. „Aber die finanzielle Situation stand gar nicht im Vordergrund“, sagt Felber. Es konnten einige Konzerte stattfinden – aber beide erinnern sich nicht gern daran. „Die Unsicherheit bei den Besuchern war groß“, sagt Felber.

Das Hygienekonzept änderte daran nichts: Anstatt 110 Besuchern durften nur noch 50 hinein. Sie reduzierten die Zahl noch einmal freiwillig auf 20, doch auch das half nicht. „Zusammen mit der intensiven Jazzmusik sind viele nervös geworden. Sie haben sich entschuldigt und sind gegangen.“ Unter den Besuchern des Jazzclubs seien vor allem ältere Leute, die sich um ihre Gesundheit fürchteten. Sichler resümiert: „Wir haben gewusst: Das bringt nichts. Wir müssen uns etwas Neues überlegen.“

Mit professionellem Equipment werden die Darbietungen aufgenommen.
Foto: Hubertus Sichler

Mit ihrer Idee für eine digitale Konzertreihe rannte man bei den Musikern offene Türen ein. „Sie sind regelrecht ausgetrocknet“, sagt Sichler.

Jazzclub will vor allem Künstlern aus Augsburg eine Bühne bieten

Im Programm hätten sie versucht, vor allem den Augsburger Bands eine Bühne zu bieten. Felber klingt bitter, als er über die Situation der Musiker spricht: „Sie haben kein Netz, das sie auffängt, keine Absicherung. Viele tauchen unter, wandern in andere Berufe ab oder müssen Hartz IV beantragen.“ Was das für die Zukunft der Musik bedeute, sei noch völlig offen, sagt Sichler: „Vielleicht gewöhnen sich auch die eigentlichen Besucher an die Situation und kommen nicht zurück. Wir müssen viel Erinnerungsarbeit leisten.“

Die Einnahmen aus den Konzerten kommen den Musikern zugute. Neben Augsburgern stehen auch nationale und sogar internationale Künstler auf dem Programm: Eine israelische Band soll auftreten, die Mitglieder sind bereits geimpft.

Sichler und Felber sind optimistisch, dass das Format angenommen wird. Die 300 Mitglieder des Vereins zeigten eine große Bereitschaft, für die Konzerte zu zahlen. Den Auftakt bildet am 6. März die Augsburger Band „Driften“ um Tilman Herpichböhm mit zwei Drummern, zwei Bläsern und einem Bassisten.

Was wird die Zukunft für den Augsburger Jazzclub bringen?

Auftritte seien nicht zu ersetzen – „aber wir wollen das Glücksgefühl rüberbringen, das sie auslösen“, sagt Felber. Gerade der Jazz lebe durch Livemusik. „Jeder Musiker hat seinen Spielraum und kann frei improvisieren, das klingt jedes Mal anders.“ Eine jüngere Generation an Musikern verbinde Jazz zunehmend mit anderen Genres wie Pop, Punk oder Rock. Felber und Sichler schwelgen in Erinnerungen: „Wir hatten Konzerte, die so laut waren, dass die Hemden flatterten – und die Musik bis auf die Straße zu hören war.“ Ob das einmal wieder so sein wird? Nicht nur die Musiker hoffen.

Konzertreihe Ein Ticket des Jazzclubs kostet 12 Euro und kann auf der Homepage des Vereins gekauft werden. Am 6. März tritt die Band Driften auf, am 13. März Zakedy Music. Die Konzerte beginnen jeweils um 20 Uhr und dauern etwa eine Stunde.

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