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Ausstellung

16.01.2019

Papagei Coco ist ein Kunst-Star

In der Kunstwelt ist Gerhard Hartmanns Gelbstirnamazone Coco ein gefragtes Modell.
Bild: Oliver Wolff

Coco, die Gelbstirnamazone der Familie Hartmann, ist unberechenbar und kapriziös – und sie inspirierte viele Künstler. Die Sammlung der Werke ist im Schaezlerpalais zu sehen.

Wenn Kunstsammler Gerhard Hartmann über seinen Papagei Coco spricht, merkt man schnell, wie sehr ihm der Vogel am Herzen liegt. Die Gelbstirnamazone ist seit über 40 Jahren sein treuer Begleiter und wie ein Familienmitglied. Aber dieser Papagei ist kein gewöhnlicher Vogel. Coco ist ein Kunst-Star, bekommt Post von internationalen Institutionen und hat deswegen sogar sein eigenes Briefkastenschild. Der 87-jährige Kunstsammler erzählt: „Angefangen hat alles mit Bewegungsstudien, bald folgten Zeichnungen und Geschichten.“

Coco stand Modell für ein Kinderbuch und ein Erotikjahrbuch

Zuerst stand der Papagei nur bei Auftragswerken Modell, aber Coco wurde bald so berühmt, dass sich Künstler und Autoren von selbst angeboten haben. Der Vogel wurde sogar zum Protagonisten in einem Kinderbuch, Zeichnungen über ihn haben es ins Erotikjahrbuch geschafft. Die wohl berühmtesten Werke über ihn sind Exlibris. Das sind kleine Illustrationen, die in Bücher geklebt werden, um den Eigentümer zu kennzeichnen. Exlibris haben in der Kunstwelt eine große Bedeutung, so auch für den Kunstsammler Hartmann. Oft werden Tiere abgebildet, da bietet es sich natürlich an, den eigenen Papageien verewigen zu lassen.

Die Exlibris mit Coco sind in ganz Europa verteilt, etwa als Teil der Bestände der Nationalbibliotheken Paris, Wien und Budapest. Den Vorlass der Coco-Sammlung hat die Zentralbibliothek Zürich erhalten. Seit Mitte November sind einige Exlibris in Augsburg zu bestaunen. Im Café und Liebertzimmer des Schaezlerpalais sind Grafiken, Radierungen und Zeichnungen über den Amazonenvogel ausgestellt. Zum Beispiel „Lady Coco“, eine anthropomorphe Darstellung des Vogels als Lady Gaga von Renate Wegenkittl, oder eine „Hommage an Coco Chanel“ von Siegfried Otto.

Gerhard Hartmann erzählt, er habe den Eindruck gehabt, die Städtischen Kunstsammlungen hätten direkt auf seinen Anruf gewartet, als er seine Sammlung für eine Ausstellung angeboten hatte. Erst im Nachhinein habe er erfahren, dass in der Parkanlage des Schaezlerpalais mehrere Papageien beerdigt worden sind. Die Familie Schaezler hatte wohl ein Faible für das bunt gefiederte Tier. Wer genau hinsieht, kann das auch an den Wandmalereien des Spiegelsaals erkennen. Ein großer Zufall, dass es diese Parallele mit Coco gibt.

Coco hat auch Starallüren

Es ist ohnehin im Leben der Hartmanns sehr viel zufällig passiert. Ehefrau Brigitte, 82 Jahre und selbst Kunstsammlerin, blickt zurück: „Wir hatten keine Vorstellung, kein Ziel.“ Was sich daraus entwickelt habe, sei eine umfangreiche Kunstsammlung. 8000 Exponate sind es geworden, darunter auch Manuskripte und Autografen, aber auch bis zu zwei Meter große Lithografien. Gesammelt wurde alles, was gefallen hat, vor keiner Kunstrichtung wurde haltgemacht.

Man könnte meinen, jemand müsste steinreich sein, um eine solch eindrucksvolle Sammlung sein Eigen nennen zu können. Aber da winkt Ehemann Gerhard schnell ab und lacht. Mit persönlicher Kontaktaufnahme, Liebenswürdigkeit und Charme habe er viel erreichen können. Die meisten Werke hätten ihm die Künstler geschenkt oder er habe etwas anderes dafür eingetauscht. Heute lebt das Ehepaar im betreuten Wohnen in Lindau am Bodensee. Jung sind sie geblieben und immer noch fasziniert von der Kunst – wie am ersten Tag.

Ganz stolz erzählt das Ehepaar über seine Kinder und Enkel, diese haben zwar nicht den Weg als Kunstsammler eingeschlagen, sind der Muse aber treu geblieben. Die Hartmanns sind nämlich auch eine Musikerfamilie, von Violine bis Harfe ist fast alles dabei. Enkel Simon ist ein renommierter Kontrabassist. Natürlich darf dann Coco nicht fehlen, wenn er in Kunstwerken zum Orchestermusiker personifiziert wird. Unter den musikalischen Einflüssen der Familie wurde Coco in einer Zeichnung sogar zum Dirigenten Karajan.

Doch ist dem Papagei eigentlich bewusst, welche Rolle er in der Kunstwelt eingenommen hat? Wohl kaum, dafür kann man ihm trotzdem die eine oder andere Starallüre nachsagen. Coco ist ein ziemlich verwöhnter Vogel – nach dem Aufwachen will er eine Viertelstunde lang gekrault werden, nach dem Essen besteht er auf eine Weintraube und schreit sein Herrchen schon mal an, wenn dieser nicht macht, was er möchte.

Coco ist unberechenbar, Coco ist kompliziert. Der Vogel mag zum Beispiel keine Frauen, sehr zum Leidwesen von Brigitte Hartmann. Coco – eine tierische Diva und damit ideale Triebfeder für neue künstlerische Schöpfungen.

Ausstellung „Coco, die gefiederte Muse“ im Schaezlerpalais; geöffnet Dienstag bis Sonntag von 10 bis 17 Uhr

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