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Porträt

19.12.2019

Vanessa Fasoli singt im Auto, unter der Dusche und natürlich im Konzert

Fasoli ist Sängerin aus Leidenschaft. Das braucht Disziplin.
Bild: Vocalissimo

Vanessa Fasoli hat ihren Traumberuf als Sängerin gefunden. Erst hat sie im Chor gesungen, später hat sie die Rampensau in sich entdeckt.

Es war der Moment, als sie als „Erwin“ auf der Bühne stehen durfte. Der Moment, in dem sie Blut leckte, wie Vanessa Fasoli sagt. Die 30-Jährige war damals im dritten Semester ihres Gesangsstudiums, als sie die Hauptrolle in der Kinderoper „Erwin, das Naturtalent“ am Theater Augsburg bekam. „Seitdem konnte ich mir nichts anderes mehr vorstellen, als auf der Bühne zu singen“, sagt Fasoli.

Es ist Abend und Fasoli sitzt mit ihrer kleinen Tochter in der heimischen Küche. In den nächsten Tagen stehen wieder viele Termine an: Donnerstag ein Requiem, Sonntag ein Adventskonzert. „Die Weihnachtszeit ist Hochsaison“, sagt Fasoli. Hinzu kommen noch der Alltag mit Haushalt und Kind und natürlich die täglichen Proben – mehrere Stunden am Tag. „Da ist Planung alles“, sagt Fasoli und lacht. Gesungen werde im Auto, unter der Dusche, beim Staubsaugen, oder wenn die Kleine schläft. „Ich singe nun schon seit 15 Jahren professionell und weiß, woran ich arbeiten muss“, sagt Fasoli. „Ich kenne mich in- und auswendig.“

Die Konkurrenz ist groß

Die Augsburgerin Vanessa Fasoli ist Sängerin, es ist ihr Traumberuf und sie möchte nichts anderes machen. „Denn vor Publikum zu singen und zu sehen, wie man Menschen berührt, ist das Schönste, was es gibt“, sagt sie. Natürlich sei die Konkurrenz groß – „aber einen Plan B hat es nie gegeben und wird es auch nicht geben“. Seit Fasoli zehn Monate alt ist, singt sie. Die Musik habe sie gefunden, nicht andersrum, sagt sie. Die Familie habe sie zum Glück von Anfang an unterstützt.

Vanessa Fasoli singt im Auto, unter der Dusche und natürlich im Konzert

Denn bald reichte es ihr nicht mehr nur Teil eines Chors zu sein. „Ich wollte alleine singen und Konzerte geben. Ich entdeckte die Rampensau in mir“, sagt Fasoli. Noch in jungen Jahren träumte sie davon, professionelle Musical-Darstellerin zu werden. „Doch meine damalige Gesangslehrerin Elisabeth Haumann lenkte mich sachte auf die klassische Schiene“, sagt sie. Bald folgen Auftritte und Konzerte und ein Master-Gesangsstudium am Leopold Mozart Zentrum in Augsburg. „Ein Höhepunkt war 2015 eine Rolle in Le nozze di Figaro in der Jungen Oper Schloss Weikersheim.“ Fasoli setzte sich damals gegen 300 Bewerber durch. „Das war natürlich eine schöne Bestätigung.“

Die Leistung muss auf den Punk abgerufen werden

Denn die Konkurrenz ist groß. „Daher ist es umso wichtiger, dass man sich gut präsentiert“, sagt Fasoli. Die Augsburgerin hat sich über die Zeit einen guten Stand erarbeitet. Sie wird regelmäßig gebucht. „Ich hatte auch Zeiten, in denen ich durch ganz Deutschland und die Schweiz gereist bin – von einem Vorsingen zum Nächsten“, sagt Fasoli. Und dort galt: Die Leistung muss auf den Punkt abgerufen werden. Egal ob die Anreise gut lief, ob man in der Nacht zuvor nur zwei Stunden Schlaf hatte, oder körperlich angeschlagen war: Die Sänger müssen ihr Bestes geben. „Und das ist ungemein kräftezehrend“, sagt die Fasoli. „Zum Glück habe ich Zusagen bekommen. Sonst hätte ich es nicht durchgezogen.“

Jederzeit in Topform zu sein, braucht vor allem eines: Disziplin. „Singen ist nämlich ein Hochleistungssport“, sagt Fasoli. Ein Opernsänger in der Metropolitan Opera beispielsweise: „Er singt für 2000 Zuhörer ohne Verstärker. Wenn man da nass geschwitzt ist, hat man alles richtig gemacht“. Die Stimme ist das wichtigste Instrument. Und dieses muss geschont werden. „Wenn ich am Sonntag einen Auftritt habe, gehe ich Samstagabend nicht in ein Restaurant zum Essen“, sagt die Sängerin. Denn dort sei der Lautstärke-Pegel höher und man spreche unwillkürlich lauter. „Ebenso versuche ich, mich nicht zu erkälten“, sagt Fasoli. Schniefende Sitznachbarn im Zug gelte es zu vermeiden. „Ich muss aufpassen, dass ich nicht zum Hypochonder werde“, lacht die 30-Jährige. Für die Zukunft wünscht sich Fasoli nämlich vor allem eines: Gesund bleiben und bis ins hohe Alters singen zu können. Professionell? „Ja natürlich professionell. Wenn man einmal damit angefangen hat, kann man den Schritt nicht zurückgehen“, sagt sie.

Am Sonntag, 22. Dezember, musizieren die Mezzosopranistin Vanessa Fasoli und der Gitarrist Johannes Stickroth zum Advent. Beginn ist um 17 Uhr in der St. Andreaskirche Augsburg. Der Eintritt ist frei.

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