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Brechtfestival

27.02.2019

Vier Poetry Slammer messen sich mit Worten

Mit lässigem Understatement moderierte Michel Abdollahi  den Poetry Slam des Brechfestivals.
Bild: Janick Zebrowski

„Best of Poetry Slam“  bringt beim Brechtfestival Poesie für Städtebewohner*innen. Auch die Augsburger können sich angesprochen fühlen.

Ein Biedermeiersofa mit Tisch und Stehlampe auf der Bühne, eine Band an der Seite, vier Wortkünstler am Mikrofon und dazu ein Moderator, der lässiges Understatement zur Schau stellt: Der Poetry Slam gehört zum Brechtfestival wie Kult-Conferencier Michel Abdollahi und sein sketchwürdiges Ritual der Jury-Auswahl zum Slam. Im zehnten Jahr moderierte der Hamburger am Dienstag im voll besetzten Parktheater den Wettstreit von vier Wortkünstlern, deren Vorgabe „feinste Poetry für Städtebewohner*innen“ war.

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„Scheußliche“ Siegertexte

Bei Björn Gögge war dies eine Ode auf einen Menschen, der sich bewusst entschieden hat, nicht in der Stadt zu leben, nämlich den „Löwenzahn“-Moderator Peter Lustig in seinem blauen Bauwagen. Felix Römer, deutschsprachiger Vizemeister der Slammer, verband damit die Fahrt mit Freund Lutz in die Großstadt Hamburg, um ernüchtert festzustellen, dass nichts so aussieht wie im Fernseher. „Schmeißt die Dinger aus dem Haus, denn die Wirklichkeit sieht anders aus“, lautete sein Fazit. Letizia Wahl dagegen sinnierte in einem Text ganz ohne Verben über „Verschwundene Taten“. Für die erkrankte Jule Weber trat die Augsburger Lokalmatadorin Ezgi Zengin, die Augsburg schon bei den deutschsprachigen Slam-Meisterschaften vertreten hatte, an. Emphatisch wog die Lehramtsstudentin in ihrem Brief „Für dich Augsburg“ Kritik am Spießertum gegen Liebenswürdiges und Einzigartiges ab – „schließlich bist du Heimat.“

Erst im Finale, bei dem nun das Publikum mit der Stärke seines Applauses entschied, musste sie sich mit zwei Texten in nachdenklichem Duktus über das Erwachsenwerden der kleinen Schwester und die Emanzipation von der Mutter knapp Felix Römer geschlagen geben. Dessen Siegertexte erwiesen sich tatsächlich als so „scheußlich“ wie er sie angekündigt hatte, vor allem die detailgetreuen Nachwirkungen eines „Suffs, der der überflüssigste seit langem war“. Der trug ihm aber schließlich eine Flasche Whisky als Siegprämie ein.

„Ein poetisches Kräftemessen der Extraklasse“, wie im Programm versprochen, war dieser Abend allerdings nicht; dafür waren die Texte in ihrem Nachhall, ihrer Originalität und vor allem der Präsentation zu wenig prägnant. Doch das Format des Dichterwettstreits kommt vor allem beim vorwiegend sehr jungen (Schüler)-Publikum an.

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