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Selbstversuch

18.02.2017

Auf der Suche nach dem Traumsport

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3 Bilder
Wer sich im Unterwasserrugby versuchen will, muss sich zunächst einmal mit Schnorchel, Tauchmaske und Flossen zurechtfinden.
Bild: Thorsten Franzisi

Wer bisher weder Disziplin noch Verein gefunden hat, kann das jetzt nachholen. Ein neues Netzwerk bietet Schnuppertrainings an. Wir haben das ausprobiert

Völlig unbedarft ins Wasser steigen, ganz ohne Regelkunde Football spielen oder auf der Radbahn die Profis überholen – wer traut sich schon, im Erwachsenenalter einen Sport auszuprobieren, von dem man keine Ahnung hat? Das neue Augsburger Sportnetzwerk „Auxsports“ bietet mutigen und spontanen Erwachsenen Schnupperstunden in den verschiedensten Sportarten an. Das Spannende dabei: Bis kurz vor Trainingsbeginn weiß der Teilnehmer nicht, welche Disziplin ihn erwartet. Ich habe mich der Herausforderung gestellt – und drei Mal überraschen lassen.

Unterwasserrugby im Selbstversuch: Orientierungsverlust droht

Unterwasserrugby: Was hat diese Sportart bloß mit dem ruppigen Rasensport zu tun? Mein erster Blick in das Haunstetter Hallenbad überrascht mich. Statt grobschlächtiger Kraftprotze warten schmal gebaute Spieler und Spielerinnen des Tauchsportclubs (TSC) Neptun Augsburg am Beckenrand. Mit Tauchmaske, Schnorchel und Flossen gleiten sie elegant ins Wasser. Auch ich werde mich nun erstmals in einen solchen Pinguin verwandeln. Gerade ziehe ich mir Flossen über die Füße, da bremst mein Betreuer Frank Schönfelder schon meine Erwartungen: „Mit großen Ambitionen brauchst du nicht anfangen“, sagt er und gibt mir den Tipp: „Wenn du den Ball überhaupt bekommst, gib ihn so schnell wie möglich weiter!“ Man dürfe im Unterwasser-Rugby anfangs nicht zu viel erwarten.

Was er damit meint, wird mir schnell klar: Nur langsam finde ich mich unter Wasser zurecht. Erst unbeholfen, dann mit kraftvollen Bewegungen stoße ich mich mit den Flossen voran. „Die Arme bewegst du nicht, sonst wirst du langsamer“, rät mir Schönfelder. Meine ersten Tauchversuche mit Schnorchel auf bis zu vier Metern Tiefe gelingen zwar, doch immer wieder muss ich mich in höchster Eile Luft schnappend an den Beckenrand retten.

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Die erfahrenen Neptun-Spieler halten unter Wasser dagegen bis zu 30 Sekunden durch. Auf Rücken oder Bauch tauchen sie in alle Richtungen und stoßen sich den schweren, mit Salzwasser gefüllten Ball unter Wasser zu. Um den Einstieg ins Spiel zu finden, warte ich nahe des Beckenrands. Wie im Eishockey gibt es beim Unterwasser-Rugby fliegende Wechsel. Weil ich keinem der flinken Spieler aus Luftnot den Spielzug vermiesen will, bleibe ich lieber noch am Rand und beobachte das Treiben von der Wasseroberfläche aus. Mich aktiv anzubieten, traue ich mich anfangs nicht.

Irgendwann stoße ich mich entschlossen vom Beckenrand ab, tauche zum gegnerischen Angreifer, der den Ball hält, und versuche, ihn mit wilden Ruderbewegungen vom entscheidenden Pass abzuhalten. Doch schnell geht mir die Luft aus. Ich treibe nach oben – und der Gegner erzielt mit zwei Schlenkern das Tor. Ich bin wohl eher Haubentaucherin als Pinguin. Aber immerhin: Einen Pass habe ich verhindert.

Fazit: Für eine Karriere im Unterwasser-Rugby müsste ich erst schnorcheln lernen. Spannend ist der dreidimensionale Ballsport aber allemal. Bringe ich für mich selbst genauso viel Geduld auf, wie es die Trainer des TSC Neptun tun, könnte es demnächst schon besser klappen.

Ohne Körperkontakt den Gegner stoppen: Flag Football

Flag Football: Für ein Trainingsspiel in der kontaktfreien Variante des US-Sports darf ich mich mit ein paar Runden Laufen um den Rasenplatz warm machen. Mit gutem Willen trabe ich los, auch um der Februarkälte etwas entgegenzusetzen. Die routinierten Spieler des TV Augsburg stören sich an den Temperaturen freilich nicht. Während ich mich noch ans Werfen und Fangen mit dem Ei gewöhne, beeindrucken die Spieler mit schnellen Passkombinationen im Aufwärmspiel. Sie tänzeln, sie schlagen Haken, sie wehren ihren Gegner ab und attackieren den ballführenden Spieler. „Aber keineswegs mit Körperkontakt“, sagt Trainer Andreas Binder, „wir stoppen den Gegner, indem wir die Flags ziehen.“

Im Flag Football wird der ballführende Spieler gern attackiert - aber niemals mit Körperkontakt.
Bild: Thorsten Franzisi

Die Flags sind Textilschlaufen an einem Geschirr, das jeder Spieler um die Taille trägt. Auch ich binde es mir um und lasse mir von Trainer Binder die Laufwege erklären. Fünf Schritte nach vorn und drei nach links, drei Schritte nach vorn und fünf diagonal, fünf Schritte nach vorn und drei nach links – schon habe ich die Übersicht verloren.

In drei Versuchen gelingt es mir nicht, das Ei zu greifen. Immer wieder rutscht es mir durch die Finger. Ein Versuch kurz vor Schluss: Ich laufe in die Diagonale und greife nach dem Football. Doch in dem Moment als ich ihn fangen kann, zieht mein Gegenspieler mein Flag ab. Der Angriff wird unterbrochen. Mich tröstet nur eines: Mein Gegner war der Augsburger Dirk Engelbrecht – und der ist schließlich Nationalspieler im Flag Football.

Fazit: Für die vielen Laufwege im Flag Football fehlen mir technisches und taktisches Verständnis. Spieler und Trainer beim TVA allerdings versichern: Wer Spaß am Mannschaftssport mitbringt, kommt recht schnell dahinter.

Selbstversuch auf der Radbahn: Mit 35 km/h in die Steilkurve

Bahnradfahren: Surrend braust ein Rennrad nach dem anderen durch die Steilkurve der Augsburger Radrennbahn in Lechhausen. Geräusch und Geschwindigkeit erwecken den Eindruck, die Drahtesel wären E-Bikes. Dabei gibt es am Rad nicht einmal eine Bremse. Auch sonst hat dieses Gefährt mit dem Straßenfahrrad wenig gemein. Den Hauptunterschied erklärt Albert Hofstetter, Vorsitzender der Radsportgemeinschaft Augsburg (RSG): „Das Rad hat eine starre Nabe, keinen Leerlauf und kann vorwärts und rückwärts fahren.“ Was mir der Experte damit sagen möchte: Das Gleichgewicht zu finden, ist nichts für Ungeübte. Ich lasse mir aufs Rad helfen, Schwung geben und trete los, immer der innersten Bahn entlang, die noch ganz eben ist.

Die Umgewöhnung vom normalen Straßenfahrrad auf ein Bahnrad ist anfangs nicht ganz einfach.
Bild: Thorsten Franzisi

Mit dem Treten aufzuhören, ist schlicht unmöglich. Der Schwung meiner Fahrt bewegt die Pedale wie von selbst. „Hörst du mit dem Treten auf, hebt es dich im schlimmsten Fall über den Lenker“, warnt mich der Trainer. Keine angenehme Vorstellung – erst recht nicht mit knapp 35 Stundenkilometern in der Steilkurve. Auch da will ich hin, muss mich aber konzentrieren, um die Gedanken an Leerlauf oder Bremsen zu vertreiben. Mit wachsendem Selbstvertrauen wird der Abstand auf den Vordermann immer kleiner.

Drei Runden lang fahre ich dicht hinter ihm her, dann habe ich sein Tempo satt und nutze den Moment: Allen Respekt ausschalten, noch stärker in die Pedale treten und oben in die Steilkurve einfahren. Das Gefühl ist überwältigend, die Bahn nimmt mich mit. Solange ich trete, fährt es sich wie von selbst. Lenken muss ich nicht, auch denken nicht. Bevor mich der Übermut packt, nehme ich das Tempo aus den Pedalen, trete vorsichtig langsamer und lenke in Richtung Bahnmitte.

Fazit: Mut braucht man unbedingt, auch starke Oberschenkel und Konzentration helfen in der atemberaubend schnellen Disziplin. Bloß den Absprung muss man schaffen.

In eigener Sache: Eine Hintergrundgeschichte zu diesem Text ist im Blog der Volontäre erschienen. Dort lesen Sie, wie ein Volontariat bei der Augsburger Allgemeinen abläuft.

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