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Bundesregierung erklärt fast ganz Österreich und Italien zu Risikogebieten

Olympiastrecke

05.02.2015

„Der Kanal hat Karies“

Farblich gekennzeichnete Schäden im Kanal.

Der Zahn der Zeit nagt, ein Ingenieurbüro ist den Schäden auf den Grund gegangen und macht Vorschläge für die Sanierung der international hoch angesehenen Kanuten-Wasserstraße

Am Samstag gehen die Augsburger Slalomkanuten auf weite Reise. Mit einem Warmwasserlehrgang im australischen Penrith bei Sydney beginnt für die Wildwasserspezialisten die nächste Phase in der Vorbereitung auf die vorolympische Saison. „In Penrith finden wir außer guten klimatischen Verhältnissen eine etablierte Wettkampfstrecke und auch die nötige Infrastruktur vor“, begründet Kajak-Bundestrainer Thomas Apel die Wahl. Peking-Olympiasieger Alexander Grimm und Hannes Aigner (Bronze 2012 in London) sind bereits unterwegs. Auf der arabischen Halbinsel in Dubai machen sie erste Testfahrten, ehe es weiter nach Australien geht.

In Penrith fanden im Jahr 2000 die olympischen Slalomrennen statt, 1972 in Augsburg hatte der Sport seine Premiere im Zeichen der fünf Ringe gefeiert. Der künstlich geschaffene Eiskanal war damals wegweisend für die Branche. „Aber inzwischen hat der Zahn der Zeit ganz schön genagt“, stellte Alfons Hörmann fest. Der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) sah sich kürzlich auf Einladung von Schwaben Augsburg an der Strecke um und besuchte auch das Leistungszentrum.

Klaus Pohlen, ehemaliger Bundestrainer und inzwischen Leiter des Olympiastützpunkts Bayern, sieht es ähnlich. „Der Kanal hat Karies“, meint er mit Blick auf Risse und Löcher in den in der Betonrinne verteilten Hindernissen. Sie verleihen dem Kurs den Wildwasser-Charakter und haben teilweise außergewöhnliche Namen wie Moby Dick, Korkenzieher oder Torpedowalze.

Ein Ingenieurbüro ist im Auftrag von Sportverwaltung und Bauamt den Schäden auf den Grund gegangen und hat die Strecke gleichzeitig digital vermessen. Teile des Gutachtens liegen vor, bis Anfang März soll es exakte Kostenschätzungen geben. Sportamtsleiter Robert Zenner nennt einen Betrag zwischen 500000 und zwei Millionen Euro. Einen Teil davon übernehmen laut Olympiastützpunktleiter Pohlen Bund und Land.

Robert Zenner kann sich eine Sanierung in vier Teilabschnitten vorstellen. Denn jedes Jahr im Herbst wird ohnehin das Wasser für einige Wochen aus dem Kanal verbannt. Laut Kajak-Bundestrainer Apel lässt sich eine Sperre von sechs bis acht Wochen im Trainingsbetrieb verschmerzen. „Wir beginnen dann eben auf der Jugendstrecke mit unserer Saisonvorbereitung.“

Experimente, die Hindernisse anders zu gestalten, sind nicht geplant und nicht erwünscht, auch wenn andere Anlagen mittlerweile weitaus spektakulärer sind. „Die Spezialisten haben sich beim Bau der Strecke in den 70er Jahren viele richtige Gedanken gemacht, was hier von der Wassermenge und dem Gefälle her möglich ist“, sagt der Bundestrainer. Sein Gesamteindruck: „Es ist ziemlich optimal, was hier aus den Bedingungen gemacht wurde.“

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