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Sportgespräch

20.02.2015

„Fußballerisch hatte Veh keine hohe Meinung von mir“

Der ehemalige Verteidiger Marcus „Max“ Zimmermann spricht über seine frühere Zeit beim FCA

Als der FC Augsburg 1990 mit dem damaligen Trainernovizen Armin Veh in der Bayernliga einen völligen Neuaufbau startete, war Marcus „Max“ Zimmermann, 49, dabei. Er war vom TSV Schwaben zum Lokalrivalen gewechselt und spielte bis 1997 für den FCA. Zimmermann galt als knallharter, aber auch sehr fairer Verteidiger. Eine Knieverletzung beendete seine Karriere. Später hat er Sportwissenschaften studiert. Was ist aus ihm geworden, was macht er heute? In unserer Serie Sportgespräch kommt Marcus Zimmermann zu Wort.

Der FCA empfängt am Samstag Bayer Leverkusen. Da werden bei Ihnen sicherlich Erinnerungen wach?

Natürlich denke ich daran, dass wir im Oktober 1993 im DFB-Pokal gegen Bayer Leverkusen gespielt haben. Wir hielten als Bayernligist hervorragend mit und schieden erst im Elfmeterschießen gegen die Werkself sehr unglücklich mit 3:4 aus. Für uns war das ein Erlebnis, 18000 Zuschauer in der Rosenau. Wir haben doch nur in Ausnahmefällen vor einer solchen Kulisse gespielt.

... und Bernd Schuster, der Superstar, war erstmals nach seinen Spanien-Jahren wieder in der Heimat.

Das hat damals ein großes Medienecho ausgelöst. Für uns war es schön, gegen die großen Stars wie eben Schuster, Kirsten Thom oder den Brasilianer Paulo Sergio spielen zu dürfen. Unser Torhüter Jürgen Oberhofer hat den Strafstoß von Schuster gehalten, aber das nutzte letztlich nichts.

Dafür durfte der FCA am Saisonende die Meisterschaft in der Bayernliga feiern. Doch zum Aufstieg hat es nicht gereicht.

Leider, wir mussten in die Aufstiegsrunde, doch den Sprung in die zweite Liga hat Düsseldorf geschafft. Trotzdem war es eine schöne Zeit, wir hatten tolle Typen in der Mannschaft. Wenn ich nur an Joseph Babatunde denke, unseren nigerianischen Torjäger.

Sie sollen ja auch in der Folge noch Kontakt zu ihm besessen haben.

Das stimmt. Ich habe ihn später nochmals in Brooklyn besucht, doch der Kontakt ist mittlerweile leider abgerissen. Schade.

Wie war Ihr Verhältnis zu Armin Veh? Er war fünf Jahre Ihr Trainer.

Sagen wir es mal so, fußballerisch hatte er wohl keine allzu hohe Meinung von mir. Außerdem hat ihm nicht gefallen, dass ich immer mit dem Motorrad zum Training gekommen bin. Er hat es aber verstanden, alles aus mir heraus zu pressen, und deshalb habe ich eigentlich immer gespielt. Anschließend ist Veh ja einen tollen Weg gegangen. Davor habe ich großen Respekt.

Wie beurteilen Sie die Entwicklung, die der FCA in den vergangenen Jahren genommen hat?

Das kann man alles nicht mehr mit unserer Zeit vergleichen. Damals war es familiärer, heute ist alles professionell ausgerichtet. Doch ich gehe gerne ins Stadion und schaue mir die Spiele in der Bundesliga an. Mit Trainer Markus Weinzierl und meinem damaligen Mannschaftkollegen Marcus Trost habe ich übrigens einige Zeit in München zusammen studiert.

Beim FCA läuft’s, der Amateurfußball in Augsburg dagegen stagniert. Wo sehen Sie die Gründe?

Man soll ja die Vergangenheit nicht zu sehr glorifizieren, doch es fehlen Typen, wie Peter Eiba mal einer war. Der hat gesagt, ich mach’ was für die Augsburger, er hatte gute Ideen. Er verpflichtete den Brasilianischen Weltklassespieler Francisco Marinho für den C-Klassisten BC Harlekin und lockte zu einem Pokalspiel gegen den TSV Königsbrunn 3000 Zuschauer auf den Sportplatz.

Sie galten als nicht angepasster, manchmal auch unbequemer Spieler. Wie sehen Sie den Fußball insgesamt?

Ich sehe manches immer noch ein bisschen kritisch. Gerade im Nachwuchsbereich. Zum Beispiel, dass man versucht, E-Jugendliche schon in diesem Alter zu großen Vereinen zu holen. Ich glaube, das ist ihrer Entwicklung nicht förderlich. Man dressiert sie wie die Lipizzaner.

Was machen Sie beruflich?

Ich leite die Kinder- und Jugendhilfe Futhuk, einen „etwas anderen“ Träger der ambulanten Jugendhilfe mit Sitz in Obergriesbach bei Aichach. Im Auftrag von den Jugendämtern kümmern wir uns mit 40 Mitarbeitern um Kinder, Jugendliche und Familien, die in schwierigen Lebenslagen stecken. Die Arbeit macht Spaß.

Interview: Herbert Schmoll

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