Boxen

14.06.2013

Schlagabtausch mit dem Verband

Deutsche Meisterin Christina Rupprecht ist enttäuscht

Christina Rupprecht ist eine zierliche Person. Die 20-Jährige bringt nicht einmal 48 Kilogramm auf die Waage. Im Fachjargon der Boxer nennt sich das „Halbfliegen“. In dieser Gewichtsklasse ist die Faustkämpferin vom BC Haan Augsburg die Nummer eins. „Ich war viermal deutsche Meisterin, zweimal im Nachwuchs, zweimal bei den Frauen.“ Ein weiterer Titel wird wohl nicht hinzukommen, Rupprecht hat nicht für die Titelkämpfe nächste Woche in Straubing gemeldet. Sie und ihr Trainer Sergej Haan sind enttäuscht vom Deutschen Boxsport Verband. „Der DBV hat Christina aus dem Kader geworfen“, beschreibt Haan, ehemaliger Militär-Vizeweltmeister, seine Version des Schlagabtausches.

Angefangen hat alles mit einem Schreiben von Rupprecht im Frühjahr 2012. „Damals habe ich dem Verband mitgeteilt, dass ich vorübergehend nicht an Lehrgängen teilnehmen kann, weil ich mich auf das Abitur vorbereiten musste. Ich habe aber klar gemacht, dass ich anschließend wieder zur Verfügung stehe.“

Teil zwei der Geschichte beginnt mit ihrem Entschluss, in Augsburg zu studieren. Englisch und Sport für das Lehramt an Gymnasien heißt seit Herbst die Fachrichtung. Durch die Standortwahl fühlt sich der Verband brüskiert, denn er hatte bei der Planung seines Frauen-Stützpunktes in Straubing mit dem Einzug von Rupprecht gerechnet. „Wir müssen mindestens sieben Boxerinnen vor Ort haben, damit der Stützpunkt offiziell anerkannt wird“, erklärt Günter Deuster (Peiting), DBV-Vizepräsident Leistungssport und Präsident des Bayerischen Amateur-Boxverbandes BABV. „Als Kaderathletin hatte Rupprecht gewisse Verpflichtungen zu erfüllen.“

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Sergej Haan entgegnet. „Ich konnte meine Athletin nicht guten Gewissens nach Straubing schicken, da wichtige Dinge wie Trainer, Unterkunft und Kostenfragen nicht geklärt waren.“ Deuster entgegnet, dass mittlerweile sogar ein Haus angemietet wurde, in dem die Boxerinnen betreut werden.

Deuster betont seine Gesprächsbereitschaft. „Die Hand bleibt ausgestreckt. Ich weiß nicht, warum Christina schmollt und nicht bei der deutschen Meisterschaft startet.“ Nach Meinung von Haan macht das keinen Sinn. „Sie wäre wieder die Nummer eins, geht aber dennoch nicht nach Straubing.“ Rupprecht ist auch verärgert darüber, dass sie nicht zu einem DBV-Konditionslehrgang in Italien eingeladen wurde. Stattdessen durfte die Boxerin mit, die sie bei der deutschen Meisterschaft immer besiegt hat.

Der Vereinschef des BC Haan (über 400 Mitglieder) ist derart enttäuscht, dass er als Verbandstrainer aufhören will. „Der BABV hat Christina ja nicht einmal genügend Kämpfe verschafft.“ Bis 48 kg ist das schwierig. Die Bilanz von Rupprecht: 22 Kämpfe, 17 Siege. Die Klasse bis 51 kg ist olympisch und hat deshalb mehr Zugkraft. „Das kommt für mich nicht infrage, denn dafür bin ich mit 1,53 Metern zu klein“, glaubt die Boxerin.

Was bleibt als Alternative? Rupprecht denkt über einen Wechsel ins Profilager nach, aber auch das gestaltet sich problematisch. Denn Sergej Haan dürfte sie dann nicht mehr betreuen. „Ich würde nach den Regularien des DBV meine Lizenzen verlieren.“ Rupprecht trainiert jeden Tag, doch es ist schwierig sich Ziele zu setzen, weiß ihr Trainer. Nur eines ist konkret: die Bayerische Meisterschaft am 29. Juni und 7. Juli in Fürstenfeldbruck.

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