1. Startseite
  2. Bayern
  3. Anton Zech ist katholischer Pfarrer - und wird im Herbst heiraten

Allgäu

30.07.2019

Anton Zech ist katholischer Pfarrer - und wird im Herbst heiraten

Nach einer langen Zeit des Ringens blickt der Altusrieder Pfarrer Anton Zech nun in eine neue Zukunft.
Bild: Matthias Becker

Anton Zech ist 34 Jahre lang in seinem Beruf als Pfarrer aufgegangen, sagt er. Doch nun entscheidet sich der 61-Jährige für die Liebe zu einer Frau.

Anton Zech blickt der Frau neben ihm in die Augen. Sie sei das größte Glück in seinem Leben, sagt er. Und obwohl sie seine Liebe erwidert, schien eine gemeinsame Zukunft aussichtslos. Die beiden lächeln sich an. Hinter ihnen liegen Monate des Ringens. Am Ende hat Zech eine Entscheidung gefällt, die sein bisheriges Leben jäh beendet. Der katholische Pfarrer aus Altusried (Oberallgäu) legt sein Amt nieder. Der 61-Jährige will im Herbst heiraten.

Anton Zech lernte seine Verlobte bereits vor 25 Jahren kennen

Selbst im Schatten treibt die Hitze an diesem Nachmittag Schweißperlen auf die Haut. In der etwas kühleren Wohnung setzen sich Anton Zech und seine Verlobte an einen Tisch, um ihre Geschichte zu erzählen. Eine Geschichte mit Höhen und Tiefen. Mit Gewissensbissen und der Frage nach Moral. Mit Versteckspielen und dem Wunsch nach einem ehrlichen Leben. Sie möchte ihren Namen nicht öffentlich machen, um ihre Angehörigen zu schützen, sagt sie.

Das erste Mal begegnet sind sich Anton Zech und die Allgäuerin vor 25 Jahren. Bereits damals schätzten sich die beiden sehr. Fast 20 Jahre sind vergangen, bis sich ihre Wege zufällig wieder kreuzten. „Aus dieser Begegnung ist im Laufe der vergangenen Jahre eine tiefe Liebe gewachsen“, sagt der Pfarrer. Eine Liebe, die sich nicht länger verleugnen lasse.

ecsImgBannerWhatsApp250x370@2x-5735210184021358959.jpg

Doch zuvor trafen sich die beiden zum Wandern, zum Radeln, zu Skitouren. „Wir haben Ziele gewählt, an denen wir möglichst niemanden treffen, der uns kennt“, erzählt sie. Die Leute schwätzen halt, sagt Anton Zech und zuckt mit den Schultern. Da war zum Beispiel einmal ein Mann, der erzählte, dass dem Pfarrer immer eine Frau hinterher radelt. „Für die Frau ist das manchmal sogar schlimmer als für den Pfarrer“, sagt sie.

Sie verabredeten sich im 90 Kilometer entfernten Ulm

Deswegen nehmen die zwei Menschen, die sich immer stärker zueinander hingezogen fühlen, lieber längere Autofahrten auf sich. Um gemeinsam einen Kinofilm zu schauen, verabreden sie sich im 90 Kilometer entfernten Ulm.

Die Zuneigung wächst zur Liebe. Und gleichzeitig wächst der Wunsch, das Leben miteinander zu teilen. Als Mann und Frau. Doch Anton Zech ist auch begeisterter Priester. „Ich bin 34 Jahre lang in dem Beruf aufgegangen“, sagt er. „Ich merke, dass die Leute etwas davon haben, wenn ich da bin.“ Ob bei Krankenbesuchen oder Beerdigungen. Bei Wallfahrten oder Hochzeiten.

Seit acht Jahren leitet der Geistliche die Pfarreiengemeinschaft Altusried-Kimratshofen. Davor war er 22 Jahre Pfarrer in Stein im südlichen Oberallgäu, davon fünf Jahre Dekan. Die Gläubigen ließen ihn damals ungern ziehen: Anton Zech galt als bodenständig und aufgeschlossen. Er habe stets die richtigen Worte gefunden, hieß es bei seiner Verabschiedung.

Der liebende Mann einerseits, der leidenschaftliche Priester andererseits: „Ich war ganz lange hin- und hergerissen“, sagt er. „Das meiste habe ich mit mir selbst ausgemacht.“ Die Zeit des Ringens stellte auch die Beziehung auf die Probe. Seine Verlobte, selbst gläubige Christin, blickt den Pfarrer kurz an und sagt dann: „Meine moralischen Bedenken haben mich und uns sehr stark belastet.“

Anton Zech will ein ehrliches Leben führen können

Jetzt, so sagt Anton Zech, ist der große Schritt nicht länger aufschiebbar. Um öffentlich zu seiner Liebe zu stehen. Und um ein ehrliches Leben führen zu können.

Die Entscheidung, sein Amt niederzulegen, hat Anton Zech den Verantwortlichen in der Diözese in Augsburg vergangene Woche mitgeteilt. „Das Bistum Augsburg bedauert den Schritt von Pfarrer Anton Zech sehr, doch gleichzeitig müssen wir seine Entscheidung mit Respekt zur Kenntnis nehmen“, schreibt Diözesanadministrator Bertram Meier in einer Stellungnahme. Mit Pfarrer Zech gebe ein wegen seiner menschennahen Art anerkannter Seelsorger seinen Dienst auf.

Das Bistum danke ihm für die 34 Jahre und werde sich einsetzen, „damit Anton Zech auch menschlich und beruflich die kommende Zeit meistern und sich für ihn eine Perspektive öffnen kann“. Vorerst werde Pater James Thomas Mukalel die Pfarreiengemeinschaft Altusried leiten, bis die Stelle neu besetzt wird.

Anton Zech und seine Verlobte sind für die verständnisvolle Reaktion aus Augsburg sehr dankbar. Von den Gläubigen in der Pfarreiengemeinschaft will sich der 61-Jährige mit einem Grußwort in der nächsten Ausgabe des Gemeindeblatts verabschieden.

Jetzt blickt das Paar in seine gemeinsame Zukunft. Der Pfarrer und seine Verlobte stehen auf. Sie wollen den Tag in einem Biergarten ausklingen lassen. Dazu fahren sie ein gutes Stück weit weg, um keinen Bekannten zu treffen. Noch nicht.

Wir wollen wissen, was Sie denken: Die Augsburger Allgemeine arbeitet daher mit dem Meinungsforschungsinstitut Civey zusammen. Was es mit den repräsentativen Umfragen auf sich hat und warum Sie sich registrieren sollten, lesen Sie hier.

Themen Folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

Das könnte Sie auch interessieren