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Bayerischer Jagdverband
27.10.2019

Jäger raufen sich nach heftigem Streit zusammen

Ernste Gesichter beim Bayerischen Jagdverband. Das Bild zeigt von links: Peter Müller (Ausschuss für Öffentlichkeitsarbeit), Schatzmeisterin Mechtild Maurer sowie die Vizepräsidenten Thomas Schreder und Enno Piening.
Foto: Daniel Karmann, dpa

Nach dem Ärger der vergangenen Monate und dem erzwungenen Rückzug des Präsidenten Jürgen Vocke findet der BJV aus der Krise. Die Nachfolgefrage bleibt aber offen.

Der heftige Streit, der im Bayerischen Jagdverband (BJV) rund um den erzwungenen Rückzug des langjährigen Präsidenten Jürgen Vocke tobte, ist vorerst beigelegt. Nach einer fünfstündigen Debatte, die von Teilnehmern als „hart, intensiv und sehr emotional“ beschrieben wurde, haben sich die Vertreter von 138 BJV-Kreisgruppen bei einer außerordentlichen Landesversammlung auf einen „Befriedungsbeschluss“ verständigt. Demnach wird beim Landesjägertag im März nächsten Jahres nicht nur Vocke sondern das gesamte Präsidium zurücktreten. So soll der Weg für Neuwahlen und einen Neustart des BJV frei gemacht werden.

Der Tagungsort hat einen für diesen Anlass fast schon symbolischen Namen. „Alte Schweißerei“ heißt die Halle auf dem Gelände der Firma Bauer in Schrobenhausen, in der an diesem strahlend schönen Samstag im Oktober wieder zusammengefügt werden soll, was in dem traditionsreichen Jagdverband in den vergangenen Monaten zu Bruch gegangen ist. Die Ursachen für das Zerwürfnis waren, wie berichtet, eine offenbar schon länger schwelende Führungskrise im Präsidium und der Streit über angebliche Unregelmäßigkeiten in der Verbandskasse, die schließlich in eine Strafanzeige und staatsanwaltliche Ermittlungen gegen Vocke und den früheren Schatzmeister mündeten.

BJV: Einige wenige halten zum Noch-Präsidenten Vocke

Als die Delegierten der BJV-Kreisgruppen aus allen Teilen Bayerns eintreffen, ist der Ausgang der Versammlung völlig offen. „Um elf Uhr ist Begrüßung, dann ziehen wir die Mauern hoch und warten bis weißer Rauch aufsteigt“, sagt BJV-Vizepräsident Thomas Schreder. Er leitet gemeinsam mit Schatzmeisterin Mechtild Maurer den Verband kommissarisch, seit Vocke erklärt hat, seine Ämter vorerst ruhen zu lassen. Maurer sagt: „Wir müssen jetzt nach vorne schauen.“

Die Meinungen unter der Jägerschaft aber sind geteilt. Einige wenige halten noch zu Vocke: Die Vorwürfe gegen ihn würden sich „in Luft auflösen“. Man habe ihn offenkundig „abgesägt“. Und das sei unanständig, wo er doch ohnehin für März 2020 seinen Rücktritt angekündigt habe. Andere sind froh, dass Vocke nach rund einem Vierteljahrhundert im Amt „endlich“ weg sei und damit auch der „autoritäre und selbstherrliche Führungsstil“ im BJV ein Ende habe. Die Strafanzeige sei unumgänglich gewesen, um für „schonungslose Aufklärung“ zu sorgen und weiteren Schaden vom Verband abzuwenden.

Das gesamte Präsidium des Jagdverbands tritt im März zurück

Hinter verschlossenen Türen geht es in der „alten Schweißerei“ dann fünf Stunden lang heftig zur Sache – manchmal so laut, dass es bis in den Hof hinaus zu hören ist. Nach der Pause sorgt ein „Befriedungsantrag“ schließlich für eine Einigung. Sie fällt überraschend deutlich aus: 612 Ja-Stimmen, 20 Nein-Stimmen, 18 Enthaltungen.

Der Kernsatz des „Befriedungsbeschlusses“ lautet: „Um einen Neuanfang des Verbandes basierend auf den dann vorliegenden neuen Erkenntnissen zu ermöglichen, treten sämtliche gewählten Mitglieder des Präsidiums mit Wirkung zum Landesjägertag in Lindau im März 2020 zurück.“ Außerdem wird festgelegt, dass das amtierende Präsidium ohne Vocke die Geschäfte bis zum Landesjägertag weiterführt und dass „Fehler und Mängel in Organisation und Arbeitsabläufen abgestellt“ werden. Ein weiterer Antrag, der umfassende Aufklärung fordert, bekommt 644 Ja-Stimmen. Alle anderen 49 Anträge werden zurückgezogen. Um 16 Uhr löst die Versammlung sich auf und das Präsidium bittet zur Pressekonferenz.

Auch Politiker wollen angeblich Jäger-Präsident werden

Schreder und Maurer sind sichtlich erschöpft, aber zufrieden. Man habe sich, so berichtet Schreder, „hart auseinandergesetzt“. Es sei ein „offener und ehrlicher Austausch“ gewesen. Vizepräsident Enno Piening versichert, die Debatte sei „sachlich, ohne große Streitereien und persönliche Verletzungen“ über die Bühne gegangen. Auch Vizepräsident Moritz Fürst zu Oettingen-Wallerstein zeigt sich erfreut über Verlauf und Ergebnis der Diskussion. Früher, so sagt er, hätten die Jäger „nie die Zeit gehabt, sich richtig auszusprechen“. Jetzt zum Ende dieser Versammlung sei er „froh, dass wir uns wieder gegenseitig umarmen konnten.“ Zudem gibt es ein Bekenntnis der Präsidiumsmitglieder zu mehr Transparenz und Demokratie im Verband.

Wer neuer Präsident wird, ist offen. Zur Wahl stellen wollen sich neben Schreder angeblich auch der CSU-Landtagsabgeordnete Alexander Flierl aus der Oberpfalz und Wirtschaftsstaatssekretär Roland Weigert (Freie Wähler).

Lesen Sie auch: Jägerpräsident Vocke zieht sich zurück - Machtkampf entbrennt

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