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Passau

20.05.2015

Bizarrer Streit um das "Fensterln" an der Uni Passau entbrannt

Das Fensterln ist ein altbayerischer Brauch. An der Universität Passau sorgt die Tradition für Unmut. Symbolbild
Bild: Tobias Hase dpa/lby

Beim Sportfest der Uni Passau sollte unter anderem ein "Fensterlkönig" ermittelt werden. Doch bei der Gleichstellungsbeauftragten kam die Idee gar nicht gut an.

An der Universität Passau ist ein Streit zwischen Studenten und der Gleichstellungsbeauftragten um das altbayerische Brauchtum "Fensterln" entbrannt. Die Provinzposse entging auch Ministerpräsident Horst Seehofer und Wirtschaftsministerin Ilse Aigner nicht.

Es begann mit den Vorbereitungen zu den sogenannten Campus Games der Uni Passau.  Ein Sportfest der Universität, bei dem der Spaß im Vordergrund steht. Unter anderem wollten die Passauer Sportstudenten den "Fensterlkönig" ermitteln. Männer in Tracht sollten Hindernisse überwinden, um schnellstmöglichst zur Angebeteten zu gelangen.

Doch der "Fensterlkönig" ist erst einmal gestrichen - wegen der Gleichstellungsbeauftragten der Uni. Die nämlich findet offenbar, dass der Fensterl-Wettbewerb gegen das Gleichstellungskonzept der Universität verstoße. Frauen würden damit zum Objekt degradiert.

Streit um "Fensterlkönig": "Frauen auf ihr Geschlecht reduzieren"

Die Sportstudenten Passau, die das Campus-Fest organisieren, sind sauer und enttäuscht. In einer Stellungnahme auf ihrer Facebookseite heißt es unter anderem: "Für die Vorbereitung für dieses Universitätssportfest haben wir uns monatelang ehrenamtlich engagiert und sind entsprechend verwundert und auch etwas ungehalten über den Verdacht, wir würden Frauen zu Objekten degradieren." Dennoch nahmen die Studenten das "Fensterln" vorerst aus dem Programm.

Uni-Pressesprecherin Katrina Jordan betonte gegenüber der Passauer Neuen Presse (PNP), dass die Universität die Veranstaltung nicht verboten hätte. "Problematische Aspekte waren unter anderem, dass die Veranstaltung und die dazugehörige Werbung bewusst stereotype Geschlechterbilder reproduziert", findet sie. Frauen würden auf ihr Geschlecht reduziert. Das entscheidende Kriterium sei aber der Ausschluss von Frauen von der Wettbewerbsteilnahme.

Der Passauer Jura-Professor Holm Putzke zeigte sich verwundert über die Haltung der Universität. "Wenn man in dieser Richtung weitermacht, könnten demnächst auch Aufführungen von Romeo und Julia auf dem Index stehen", sagte er gegenüber der PNP.

Politiker verstehen Aufregung um "Fensterln" an Uni Passau nicht

In den Medien wird deutschlandweit über den umstrittenen Fensterl-Wettbewerb an der Uni Passau berichtet. Längst macht #fensterlgate auf Facebook und Twitter die Runde. So twittert CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer: "Überzogene Gleichstellungspolitik! Uni-Gleichstellungsbeauftragte findet, Fensterln degradiert Frauen zum Objekt ... Ohje, Ohje!"

Auch Ilse Aigner versteht die ganze Aufregung nicht. Zur PNP sagt die Wirtschaftsministerin: ""Ich finde es charmant, wenn die Männer um die Frauen werben." Die Universität Passau sollte ihrer Meinung nach : "abrüsten". Das Fensterln sei altbayerisches Brauchtum, betont Aigner. Sogar Ministerpräsident Horst Seehofer ließ der Uni laut der Zeitung mitteilen: "In Bayern gilt immer noch: Leben und leben lassen."

Doch der Präsident der Uni Passau, Burkhard Freitag, stellt sich beharrlich hinter seine Gleichstellungsbeauftragte: Auf der Homepage schreibt er in einer Stellungnahme: "Die Gleichstellungsbeauftragte der Universität Passau hatte Anlass, einige der im Rahmen des Sportfests geplanten Wettbewerbe als nicht im Einklang mit den Gleichstellungsstandards der Universität stehend anzusehen. Sie handelte kompetent und richtig, als sie die Veranstalter darauf aufmerksam machte und zusammen mit ihnen im Dialog eine Lösung suchte und fand, die den Ablauf des Sportfestes in keiner Weise beeinträchtigt hätte."

Übrigens wurde das Sportfest, das am 21. Mai stattfinden sollte, wegen der schlechten Wetterprognose auf einen unbestimmten Termin verschoben.

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