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Bayern

03.03.2017

Die Vogelgrippe-Gefahr ist noch nicht vorbei

Seit November gilt in Bayern die Stallpflicht für Geflügel. Aber immer wieder gibt es Landwirte, die die Vorschrift ignorieren. Wie groß das Infektionsrisiko tatsächlich ist.

Nur wenige Menschen dürften derzeit so empfinden wie Florian Paletta. Der ist nämlich froh, dass es draußen noch immer nasskalt und ungemütlich ist und sich der Frühling noch nicht so recht blicken lässt. Der Grund für Palettas derzeitige Vorliebe für kühle Temperaturen ist die Stallpflicht für Geflügel, die in Bayern wegen der Vogelgrippe seit mittlerweile einem Vierteljahr gilt. „Bei dem Sauwetter bleiben die Hühner gerne drin. Wenn es warm ist, wollen sie raus“, sagt Paletta, der auf dem Bachbauernhof in Holzheim (Landkreis Donau-Ries) 20.000 Legehennen hält.

Normalerweise dürfen die in einen überdachten Auslauf – jetzt müssen sie seit November drinnen bleiben. „Toll ist das natürlich nicht. Es war schon eine Umstellung für die Hühner. Sie waren es ja gewohnt, dass sie raus dürfen“, sagt Paletta. Er hofft, dass die Stallpflicht bald aufgehoben wird. Vor allem, weil im Mai neue Gänseküken auf den Hof kommen. Und Gänse im Stall zu halten, das sei sehr schwierig (hier finden Sie alle News zur Vogelgrippe ).

Vogelgrippe-Gefahr nicht gebannt

Auch, wenn es ihm lieber wäre, seine Tiere wieder ins Freie zu lassen, kann er nicht verstehen, dass es immer wieder Züchter gibt, die sich nicht an die Stallpflicht halten. „Ich finde das nicht richtig. Die gefährden uns alle“, sagt Paletta. Gerade in Regionen, in denen es noch keine Fälle von Geflügelpest gab, kommt es immer wieder vor, dass die Vorschriften ignoriert werden. Im Landkreis Günzburg etwa, der bisher nicht von der Vogelgrippe betroffen ist, gehen beim Veterinäramt täglich ein bis zwei Hinweise auf die Missachtung der Stallpflicht ein, etwa sieben haben sich bislang bestätigt. Nicht nur die Gesundheit der Tiere steht dabei auf dem Spiel – für Stallpflicht-Ignoranten kann es auch richtig teuer werden. Denn wenn der Verstoß auffliegt, wird womöglich ein Bußgeld von bis zu 20.000 Euro fällig.

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Wer glaubt, seine Tiere ohne Risiko aus dem Stall lassen zu können, der irrt. Nach wie vor ist die Vogelgrippe-Gefahr nicht gebannt. Das Friedrich-Löffler-Institut, eine Bundesforschungseinrichtung für Tiergesundheit, weist in seiner aktuellen Risikoanalyse darauf hin, dass die Seuche in Deutschland ein nie zuvor gekanntes Ausmaß hat. Mehr als eine Million Tiere wurden laut Bundesagrarministerium wegen der Epidemie bereits getötet. Erst am Mittwoch wurde bekannt, dass die Vogelgrippe auch das letzte bisher verschonte Bundesland, das Saarland erreicht hat. Fast täglich werden neue Fälle gemeldet. Derzeit grassieren die Subtypen H5N5 und H5N8. „Es ist zwar nachvollziehbar, wenn Geflügelhalter, in deren Region es keine Fälle gibt, sagen, dass sie die Tiere rauslassen wollen. Aber wir haben in ganz Deutschland noch sehr viele Viren. Sie werden vor allem über Wildvögel und deren Kot verbreitet“, sagt Elke Reinking, Sprecherin des Friedrich-Löffler-Instituts.

Geflügelpest: "Reges Seuchengeschehen"

Aleksander Szumilas vom Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit spricht von einem nach wie vor „regen Seuchengeschehen“. Mittlerweile seien alle bayrischen Regierungsbezirke von der Vogelgrippe befallen. Deutschlandweit wurden bis Mitte Februar 710 Fälle bei Wildvögeln und 69 Ausbrüche bei gehaltenen Vögeln gemeldet. In Bayern sind nach Angaben des Friedrich-Löffler-Instituts 106 Fälle bei Wildvögeln und neun bei Nutztieren registriert.

Das Geflügelpest-Virus H5N8 ist für Vögel hoch ansteckend, gilt aber für Menschen als ungefährlich.
Bild: Thorsten Helmerichs (dpa)

Auch der bayerische Bauernverband sieht momentan keine Hinweise auf Entspannung. „Trotz des abnehmenden Flugaufkommens von Wildvögeln ist die Gefahr nicht gebannt. Die Betriebe müssen nach wie vor ihren Bestand schützen“, sagt Sprecher Markus Peters. Auch er hofft, dass sich die angespannte Situation bald ändert – vor allem deshalb, weil viele Landwirte finanzielle Verluste zu verkraften haben. Denn da die Freiland-Hühner nun schon seit mehr als zwölf Wochen im Stall stehen, dürfen deren Eier nicht mehr als Freilandeier verkauft werden. „Die Leute haben in diese Haltungsform investiert und mit den entsprechenden Erlösen gerechnet. Natürlich ist die Seuchenprävention in unser aller Interesse, aber der einzelne Landwirt hat oft mit Nachteilen zu kämpfen“, sagt Peters.

Auch wenn der Holzheimer Geflügelzüchter Florian Paletta derzeit noch ganz froh über die eher kühlen Temperaturen ist, weil seine Hühner keinen allzu großen Drang nach draußen haben, könnte ihm der nahende Frühling zugutekommen. Denn laut einer Studie werden die Überlebensbedingungen des Virus schlechter, wenn es wärmer ist. Eine stärkere UV-Strahlung soll die Inaktivierung des Vogelgrippe-Erregers ebenfalls begünstigen. Allerdings könne man nicht pauschal sagen, dass steigende Temperaturen das Übertragungsrisiko mindern. Denn trotz hoher Temperaturen kam es im Sommer 2007 in Deutschland zu Ausbrüchen von H5N1. Und auch in Asien werden trotz des schwül-warmen Klimas immer wieder Fälle von Vogelgrippe gemeldet. Deswegen ist derzeit auch noch völlig unklar, ob und wie schnell die Stallpflicht im Frühling aufgehoben wird. mit dpa

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