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Füssen
13.09.2016

Insolventes Festspielhaus: Was kommt nach dem letzten Vorhang?

Der letzte Vorhang ist gefallen - Finale beim Musical Ludwig ² im Festspielhaus in Füssen.
Foto: Ralf Lienert

Die Entscheidung über die Zukunft des Festspielgeländes in Füssen könnte noch im September fallen. Mindestens zwei grundverschiedene Konzepte sind wohl noch im Rennen.

Ein Outlet-Center oder ein Luxushotel? Eines von beidem könnte auf dem Gelände des insolventen Festspielhauses in Füssen entstehen. Zumindest waren zwei Kaufinteressenten mit diesen Konzepten bis vor kurzem noch mit Insolvenzverwalter Marco Liebler im Gespräch. Er selbst äußert sich nicht zum Stand der Verhandlungen.

Ein Fünf-Säulen-Konzept mit Hotel und Festspielhausbetrieb möchte Wirtschaftstreuhänder Hartmut Oldenburg mit einem der Kaufinteressenten verwirklichen. Er beschreibt es als nachhaltig für die Menschen und die Kulturlandschaft in der Region. Oldenburg hat mit einem Team ein Konzept erarbeitet, das die fünf Themenbereiche Kultur und Theater, Kunst- und Fotoausstellungen, Erlebnisgastronomie mit Panoramacafés, Vier-Jahreszeiten-Events und ein Vier-Sterne-Hotel umfasst. Dabei stehe er bis heute in gutem Kontakt mit der Eigentümerfamilie Döbler, sagt Oldenburg. Als Käufer hat der Treuhänder, der aus Bayern stammt und nun in den Niederlanden lebt, einen ehemaligen Topmanager an der Hand, dessen Name noch nicht öffentlich gemacht werden soll.

Allerdings werde derzeit noch über den Preis verhandelt, sagt Oldenburg. Denn allein das Hotel koste je nach Kategorie 25 bis 35 Millionen Euro. Hinzu käme ein Startkapital von sieben bis zehn Millionen Euro, um das Festspielhaus wieder auf den neuesten Stand zu bringen. Dazu sagt Oldenburg: „Da muss der Kaufpreis gut überlegt sein.“ Gerüchteweise liegen die Forderungen bei zwölf bis 15 Millionen Euro. Im Jahr 2004 wurde das Festspielhaus nach der zweiten Insolvenz noch für 3,5 Millionen Euro verkauft. Oldenburg befürchtet jedoch, dass eine nachhaltige Idee nicht unbedingt entscheidend ist, um den Zuschlag zu bekommen. „Unser Konzept, das wir über fünf Jahre entwickelt haben, hat Herrn Liebler nicht interessiert“, sagt er.

Festspielhaus soll erhalten bleiben

Jan Leuze sieht hingegen in einem Hotelprojekt keine Zukunft. Er ist überzeugt davon, dass ein Outlet-Center eine Bereicherung für die Region wäre. Zumal er das Festspielhaus erhalten wolle, wie er sagt: „Neben einem Kulturtempel soll ein Konsumtempel entstehen.“ Wenn am Abend ein Stück auf der Bühne gezeigt werde, könnten die Gäste vorher noch einkaufen. Zentrale Figur im kulturellen Konzept des Outlet-Centers soll dabei König Ludwig II. sein.

Baulich werde am Festspielhaus selbst nichts verändert, sagt Leuze. Auf der Rückseite soll ein Anbau mit Verkaufsfläche entstehen. „Vom See aus ist das nicht zu sehen“, sagt er. Eigentlich hätte der Kaufvertrag bereits unter Dach und Fach sein sollen. In letzter Minute habe die Verkäuferseite aber einen Rückzieher gemacht, sagt Leuze. Trotzdem sei er zuversichtlich. „Wir wollen alles tun, damit wir die neuen Eigentümer werden“, sagt der Geschäftsführer der vor einem Jahr gegründeten Ludwigs Grundbesitz-Gesellschaft aus Konstanz. Leuze rechnet noch im September mit einer Entscheidung des Insolvenzverwalters.

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Beide Kaufinteressenten geben an, die jetzigen Mitarbeiter des Festspielhauses übernehmen zu wollen. „Menschen, die jede Schraube kennen, brauchen wir“, sagt Leuze. Oldenburg sagt zudem zu, dass alle Gläubiger bedient werden sollen.

Mit seinen 16 Jahren hat das Festspielhaus in Füssen bereits eine bewegte Geschichte hinter sich. Zwei Ludwig-Musicals gingen pleite, jetzt ist auch die Musiktheater Füssen Besitz GmbH & Co. KG, die das Veranstaltungshaus betreibt, insolvent. Der Wunsch nach einem nachhaltigen Konzept für das Festspielhaus ist nicht nur bei Füssens Bürgermeister Paul Iacob (SPD) groß. Er jedenfalls befürwortet den Betrieb in Kombination mit einem Hotel. Die Entscheidung trifft aber Insolvenzverwalter Liebler. Dem Rechtsanwalt aus München, so beschreiben es Investoren, scheint das Konzept des Käufers allerdings zweitrangig zu sein.

Überlegungen zu Outlet-Center

So könnte es auch sein, dass das von Jan Leuze geplante Outlet-Center den Zuschlag bekommt. Er baut derzeit zwei Outlet-Center in Deutschland auf – verbunden mit einem kulturellen Konzept. In Wilhelmshaven ist Kaiser Wilhelm das Zugpferd, in Frankfurt Barbarossa, und in Füssen soll es eben König Ludwig sein.

Iacob hält diese Idee am Festspielhaus für nicht umsetzbar. Es gehe baurechtlich um eine neue Nutzung des Areals, der Stadt, Landkreis und wohl auch das Regierungspräsidium zustimmen müssten, sagt er. Die für das Festspielhaus erforderlichen Parkplätze seien außerdem im Eigentum der Stadt. Schon über diesen Weg könne Füssen Einfluss darauf nehmen, was im und am Festspielhaus geschieht. Der bisherige Pachtvertrag mit dem Betreiber des Gebäudes wurde wegen der Insolvenz bereits gekündigt. Leuze weiß um dieses Risiko. Was er mit dem Veranstaltungshaus am Forggensee macht, wenn er keine Genehmigung für ein Outlet-Center erhält, wisse er aber noch nicht.

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