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Bayern

11.08.2020

Hitze und Corona: So steht es um unsere Trinkwasserversorgung

Erste Kommunen in Deutschland sprechen bereits von einem Notstand bei der Wasserversorgung und mahnen die Bevölkerung zum umsichtigen Gebrauch mit Wasser.
Bild: Frank Rumpenhorst, dpa

Plus Die sommerliche Hitze und der coronabedingte Urlaub zu Hause belasten die Ressourcen in Bayern. Könnte tatsächlich das Wasser in manchen Orten ausgehen?

In einem Ort in Niedersachsen ist etwas passiert, was in Deutschland eigentlich undenkbar scheint: Den Menschen in Lauenau ging am vergangenen Wochenende tatsächlich das Trinkwasser aus. Es kam kein einziger Tropfen mehr – nicht mehr aus dem Hahn, nicht mehr aus der Dusche und nicht mehr aus dem Gartenschlauch. Der Wasserspeicher, der die 4000 Einwohner versorgt, war leergelaufen. Nun ist zu befürchten, dass das vielleicht kein Einzelfall bleibt.

Denn bundesweit warnen jetzt immer mehr Kommunen vor einem Notstand bei der Wasserversorgung und rufen die Bürger zum Wassersparen auf. Wie ist die Lage in Bayern? Könnte auch den Menschen im Freistaat das Trinkwasser ausgehen? Nein, sagt Ann-Kathrin Behnisch vom Verband Bayerischer Energie- und Wasserwirtschaft (VBEW). „Die Trinkwasserversorgung in Bayern ist unabhängig vom aktuellen Wetter und temporären Klimaeinflüssen gesichert.“ Gesichert ja. Aber der Klimawandel verursacht neue Engpässe.

Grundwasserpegel erholen sich seit 2003 nicht mehr

In den vergangenen Jahren hatte es in einigen Gebieten Bayerns in besonders langen Hitzeperioden mit Trockenheit Empfehlungen gegeben, Trinkwasser für bestimmte Nutzungsformen zu reduzieren – beispielsweise sollten die Menschen aufs Gartengießen verzichten. So etwa in der Gemeine Aitrang im Ostallgäu vor fast genau einem Jahr. Dort herrschte zeitweise wegen anhaltender Hitze und Trockenheit Trinkwasser-Alarm. Denn der für die Wasserversorgung notwendige Brunnen war weitgehend ausgetrocknet. „Doch bei diesen Fällen handelte es sich stets um Ausnahmen“, sagt Ann-Kathrin Behnisch. „Aktuell liegen uns keine derartigen Meldungen vor.“

Nach Angaben des VBEW werden in Bayern etwa 70 Prozent des Trinkwassers über Grundwasserbrunnen gewonnen, der Rest kommt unter anderem aus Quellen und Oberflächenwasser. Wirft man nun einen Blick in den aktuellen Bericht des Niedrigwasser-Informationsdienstes des bayerischen Landesamtes für Umwelt (LfU), erkennt man trotz allem: Momentan steht es nicht so gut um die bayerischen Grundwasserspeicher. Hitze und Dürre der vergangenen Jahre haben dazu geführt, dass die Grundwasserpegel in Bayern weiter sinken. In dem aktuellen Bericht heißt es: „Rund 54 Prozent der oberflächennahen Grundwassermessstellen und Quellen weisen niedrige und sehr niedrige Grundwasserstände auf. In den tieferen Messstellen zeigen 78 Prozent diese Niedrigwassersituation.“ Bereits seit 2003 kann außerdem nicht mehr ausreichend Grundwasser nachgebildet werden, weshalb das Defizit von Jahr zu Jahr größer wird.

Ist das nicht ein Grund zur Sorge? Ann-Kathrin Behnisch und VBEW-Geschäftsführer Detlef Fischer jedenfalls beobachten diese Entwicklungen genau. Sie sprechen von einer Herausforderung und überlegen sich jetzt schon, wie sich die bayerische Wasserwirtschaft für die Zukunft aufstellen muss: Immer mehr Wasserversorger arbeiten zum Beispiel eng mit dem Versorger aus der Nachbarkommune zusammen. „So können sie mit einem zweiten Standbein die Versorgungssicherheit erhöhen. Diese Kooperationen sollten künftig ausgebaut werden.“

Im Sommer steigt der Wasserverbrauch um 60 Prozent

Der Klimawandel scheint also eine der Ursachen dafür zu sein, warum die Bayern in diesem Sommer umso sparsamer mit ihrem Trinkwasser umgehen sollten. Ein anderer ist wohl Corona. Denn im Vergleich zu vergangenen Jahren verbringen in diesem Sommer viel mehr Menschen ihren Urlaub zu Hause – und verbrauchen folglich daheim auch mehr Wasser. Zum Beispiel, wenn sie sich bei der aktuellen Hitze im Planschbecken oder Gartenpool abkühlen. Das bestätigt auch VBEW-Geschäftsführer Fischer. „Viele Wasserversorger verzeichnen eine erhöhte Wasserabgabe, die in diesem Jahr durch vermehrten Urlaub daheim noch weiter steigen könnte.“ Dass der Wasserverbrauch an heißen Tagen drastisch zugenommen hat – und das schon seit mehreren Jahren –, beobachtet auch der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW). Hauptgeschäftsführer Martin Weyand sagt: „Bei starker Hitze ist der Wasserverbrauch tagesbezogen oft deutlich angestiegen, etwa um 40 bis 60 Prozent, wenn es 36 Grad hat und viele Leute gleichzeitig ihren Garten bewässern und Pools befüllen.“

Im Schnitt verbrauchen die Menschen im Freistaat 131 Liter pro Person und Tag. Bayern liegt damit etwas über dem bundesweiten Durchschnitt von 123 Liter. Diese Abweichung führt das LfU darauf zurück, dass es vergleichsweise mehr landwirtschaftliche Betriebe und mehr Touristen gibt. In Bayern sind es derzeit über 2000 öffentliche Wasserversorgungsbetriebe, die das Trinkwasser gewinnen.

Eine Notlage wie in Lauenau in Niedersachsen will auch Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber (Freie Wähler) vermeiden. Auf Anfrage unserer Redaktion sagte er: „Aktuell ist keine kritische Trinkwasser-Situation in Bayern bekannt. Doch eines ist klar: Hitze und Trockenheit nehmen auch in Bayern zu. Der Klimawandel ist da. Deshalb ist auch jeder Einzelne aufgerufen, Wasser sparsam zu gebrauchen.“ (mit dpa)

Lesen Sie dazu auch unsere Multimedia-Reportage aus den Augsburger Trinkwasserspeichern: Im Untergrund.

Weiteres zu diesem Thema: Hitzewelle: Augsburger verbrauchen täglich Millionen Liter Wasser zusätzlich

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