Newsticker

USA: Fünf Millionen gemeldete Corona-Infektionen seit Beginn der Pandemie
  1. Startseite
  2. Bayern
  3. In Bayern herrscht dramatischer Lehrermangel

Bildung

25.07.2019

In Bayern herrscht dramatischer Lehrermangel

Der BLLV warnt: ohne Lehrer kein Unterricht.
Bild: Gabbert, dpa (Symbol)

Lehrermangel im Freistaat: Vor allem an Grund- und Mittelschulen fehlt Nachwuchs. Lehrerverbände warnen vor gravierenden Folgen für den Unterricht.

Kurz vor Beginn der Sommerferien haben Lehrer- und Elternverbände mit zum Teil drastischen Worten vor einem Lehrermangel an Grund-, Mittel- und Förderschulen gewarnt: „Die Hütte brennt“, sagte die Vorsitzende des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands BLLV, Simone Fleischmann. Zwar werde im September vor jeder Klasse ein Lehrer stehen. Über das Schuljahr werde aber nicht nur an Zusatzangeboten gespart werden müssen. Auch der Regelunterricht werde mangels Personal leiden: „Wenn eine Schulleiterin drei Klassen in der Aula bespaßt – ist das noch Regelunterricht?“

Auch der bayerische Elternverband warnt vor Unterrichtsausfall aufgrund des Lehrermangels. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) fürchtet gar, dass „nicht einmal ein Drittel der freien Stellen mit voll ausgebildeten Lehrern besetzt werden könne“. Laut BLLV droht eine Lücke von 500 unbesetzten Lehrer-Planstellen. Ein Problem, das sogar noch wachsen werde, weil ein Viertel der aktuellen Lehrer bereits über 55 Jahre alt ist, so Fleischmann.

Grund- und Mittelschulen besonders vom Lehrermangel betroffen

Besonders eng – das zeigt sich seit Jahren – ist die Versorgung an Grund- und Mittelschulen. Die Zahl der Lehramtsstudenten für diese Schularten ist zuletzt um rund 15 Prozent gesunken: „Das spricht nicht gerade für die Attraktivität dieses Berufes“, findet Fleischmann. Aktuelle „Löschmaßnahmen“ des Kultusministeriums wie spätere Pensionierung oder eine Beschäftigung von Lehrern ohne zweites Staatsexamen reichten nicht, um das Problem zu lösen.

In Bayern herrscht dramatischer Lehrermangel

Der BLLV fordert deshalb etwa die Anhebung der Bezüge auf das Niveau der Gymnasiallehrer sowie ein Studium, das einen Wechsel zwischen den Schularten erleichtert: Derzeit können Gymnasiallehrer ohne Job eine Art Umschulung absolvieren, um an Grund- oder Mittelschulen zu unterrichten.

Sollten die Unterrichtsstunden reduziert werden?

Die Experten der GEW haben einen anderen, radikalen Vorschlag: Sie möchten die Zahl der Unterrichtsstunden reduzieren. Ihre Logik: Müssten die Lehrer weniger unterrichten, könnten sie zumindest die verbleibenden Stunden ordentlich vorbereiten. Der BLLV lehnt das strikt ab: Das Problem dürfe nicht „auf dem Rücken der Kinder ausgetragen werden“. Bayerns Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) räumte einen Lehrer-Engpass zwar ein.

Der Unterricht werde darunter aber nicht leiden. Auch gewinne man Lehrer „nicht kurzfristig darüber, dass man sie besser bezahlt“. Piazolo verwies auf die ohnehin „guten Konditionen“ für Lehrer im Freistaat. So sei etwa ihre Bezahlung im Bundesvergleich überdurchschnittlich. Auch sei die Klassenstärke in Grund- und Mittelschulen deutlich gesunken: „Das Bild von brennenden Hütten passt nicht in die bayerische Kultuslandschaft.“

Lesen Sie auch den Kommentar: Lehrermangel endlich anpacken!

Wir wollen wissen, was Sie denken: Die Augsburger Allgemeine arbeitet daher mit dem Meinungsforschungsinstitut Civey zusammen. Was es mit den repräsentativen Umfragen auf sich hat und warum Sie sich registrieren sollten, lesen Sie hier.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren