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Wohnungsmarkt

21.01.2020

In München sinken die Mieten, in Landsberg sind sie höher als in Berlin

In München sind die Mieten so hoch wie nirgendwo sonst in Deutschland. Doch die Preise sinken gerade ein wenig.
Bild: Matthias Balk, dpa

Plus In München können Wohnungssuchende erstmals seit Jahren mit fallenden Mietpreisen rechnen. Trotzdem profitieren längst nicht alle davon.

Wer aktuell in München auf der Suche nach einer Wohnung ist, kann zumindest ein klein bisschen aufatmen. Zwar sind die Mieten in der Landeshauptstadt so hoch wie nirgendwo sonst in der Bundesrepublik, doch zum ersten Mal seit Jahren steigen dort die Preise für Neuvermietungen nicht mehr. Das geht aus Berechnungen des Marktforschungsunternehmens F+B mit Sitz in Hamburg hervor, das die Preisentwicklungen auf dem deutschen Immobilienmarkt misst.

Als Beispiel dient den Analysten eine 75-Quadratmeter-Wohnung, die vor zehn Jahren gebaut wurde. Wer sie Ende 2019 anmietete, zahlte dafür in München durchschnittlich 16,40 Euro pro Quadratmeter – zehn Cent weniger als im Jahr davor. Auch in anderen Städten sanken die Neuvertragsmieten leicht, etwa in Garmisch-Partenkirchen (minus 4,4 Prozent), Olching (minus 2,3) und Ingolstadt (minus 0,7).

In München ist für viele die Schmerzgrenze bei den Mieten erreicht

Ist das nun die lange erwartete Trendwende auf dem Mietmarkt? Oder zumindest ein Ende des Mieten-Booms in der Landeshauptstadt? So weit will Manfred Neuhöfer, Mitglied der Geschäftsleitung bei F+B, nicht gehen. Er rechnet nicht damit, dass die Neuvertragsmieten in München künftig deutlich fallen werden. Vielmehr werden die Mieten einfach nicht mehr so stark steigen. Das begründet der Marktforscher wie folgt: „Aus Sicht vieler Menschen dürfte die Schmerzgrenze in München erreicht sein.“ So mancher Wohnungssuchende sei nicht mehr bereit, die Preise zu zahlen, die Vermieter und Makler verlangen. Stattdessen ziehe es diese Menschen in den gut erreichbaren Münchner Speckgürtel.

In München sinken die Mieten, in Landsberg sind sie höher als in Berlin

Die Folge: Dort, wo die Mieten noch unter dem Niveau der Landeshauptstadt liegen, gibt es ebenfalls Preissteigerungen. Auch das lässt sich im F+B-Wohnindex beobachten. Wer Ende 2019 in Landsberg einen Mietvertrag abschloss, zahlte im Schnitt 9,60 Euro pro Quadratmeter – das entspricht einer Steigerung von 11,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Damit zahlen Neumieter in Landsberg mittlerweile mehr als in Berlin. Auch im direkten Münchner Umland zogen die Mieten an. In Dachau, Freising und Erding lag das Plus zwischen 6,7 und 3,5 Prozent.

Das Problem ist: Bestehende Mietverträge werden trotzdem teurer

Die schwäbischen Städte tauchen im F+B-Wohnindex erst einmal gar nicht auf. Denn dieser bildet nur die 50 teuersten deutschen Städte ab, in denen die Miete 9,50 Euro pro Quadratmeterpreis übersteigt. Doch weit davon entfernt ist Augsburg auch nicht mehr: Bei neuen Mietverträgen wurden dort Ende 2019 im Schnitt 9,24 Euro fällig – das entspricht einem Plus von 1,2 Prozent zu 2018. Deutlich stärker stiegen die Mieten dagegen in Memmingen (8,70 Euro; plus 10,1 Prozent), Neu-Ulm (9,60 Euro; plus 3,9 Prozent) und Kempten (9 Euro; plus 2,0 Prozent).

Insgesamt ermittelten die Marktforscher in elf der teuersten 50 deutschen Städte fallende Neuvertragsmieten. Doch bei den Mietern kommt davon wenig an, gibt Neuhöfer zu bedenken. Die sinkenden Neuvertragsmieten spüre nur, wer regelmäßig eine neue Wohnung sucht. In diesem Fall dürften schon die Umzugskosten die Mietersparnis auffressen.

Und dann gibt es noch ein zweites, viel größeres Problem: Wer in seiner Wohnung bleibt, muss weiter mit steigenden Mieten rechnen. Denn die Preise bestehender Verträge sind um 1,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr nach oben gegangen. „Die Mieten von bestehenden Verträgen laufen den auf dem Markt angebotenen Mieten immer hinterher“, sagt Neuhöfer. Für Millionen Mieter dürfte es also auch in Zukunft teurer werden.

Lesen Sie dazu auch: Bauen, kaufen, mieten: So viel kostet Wohnen in der Region

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