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Verbotene Exerzitien: Kirche muss echte Hilfe leisten

Kommentar Von Daniel Wirsching
20.10.2021

Über das Verbot der Exerzitien in Illerberg gehen die Meinungen auseinander. Dabei sollte klar sein: Wer bei der katholischen Kirche Hilfe sucht, muss echte Hilfe erhalten.

Die Seelsorge-Angebote der Kirchen werden nachgefragt und gebraucht. Wer Hilfe sucht, bekommt sie. Exerzitien und Einkehrtage gehören selbstverständlich dazu – wie das Beten, von dem Christinnen und Christen durchaus glauben, es könne Wunder bewirken. Dagegen ist nichts zu sagen, auch nicht gegen eine Glaubenspraxis, die vielen katholischen Kirchgängerinnen und -gängern fremd vorkommen wird – beispielsweise das Ablegen von „Zeugnissen“ über seelische oder körperliche Heilungs- und Bekehrungserfahrungen. Wie in Illerberg praktiziert.

Dort verbot das Bistum Augsburg kürzlich Exerzitien und Einkehrtage zur „inneren Heilung“. Eine wohlbegründete Entscheidung des Augsburger Bischofs, der Vorwürfen nachgegangen war und sie von Fachleuten hatte prüfen lassen. Mit klarem Ergebnis: Was in Illerberg vermittelt worden sei, stehe in Widerspruch zur katholischen Glaubensüberzeugung und sei problematisch – etwa, weil ein enger Zusammenhang von Sünde und Krankheit behauptet worden sei.

Harsche Kritik an Verbot von Befürwortern der Exerzitien aus Illerberg

Umso nachdenklicher stimmt es, wenn Befürworter der Exerzitientätigkeit in Illerberg das Verbot oder den Bericht darüber – zum Beispiel mit harschen Worten in Mails an unsere Redaktion – kritisieren. Der Pfarrer, um den es geht, kann ja Menschen geholfen haben und ein guter Seelsorger sein. Er wird es umso mehr sein, wenn er sich an das Dekret hält. Denn eines muss die katholische Kirche sicherstellen: Wer bei ihr Hilfe sucht, muss echte Hilfe erhalten. Und nicht – auch nicht nur potenziell – den Eindruck gewinnen können, er oder sie sei schuld an einer Krankheit. Oder die eigenen Vorfahren. Auch das wurde in Illerberg vermittelt.

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