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Kriminalität
11.04.2019

Missbrauch-Schock in der Kita

In einer Würzburger Kindertagesstätte soll ein Sprachtherapeut kleine Buben missbraucht und die Taten gefilmt haben. Die Ermittler haben nun die ersten Opfer identifiziert. Der Beschuldigte sitzt in Untersuchungshaft – die Suche nach weiteren Opfern geht weiter.
Foto: Daniel Peter

Ein Sprachtherapeut soll in Würzburg kleine Buben missbraucht und die Taten gefilmt haben. Nun verkünden die Ermittler erste Erkenntnisse, die viele Eltern entsetzen.

Unter den mutmaßlichen kleinen Opfern im Würzburger Kinderporno-Fall sind einige Buben aus einer evangelischen Kindertagesstätte. Ein 37-jähriger Sprachtherapeut, der in der Kita gearbeitet hat, soll Kinderpornos im großen Stil angefertigt und im sogenannten Darknet, einem schwer zugänglichen Bereich im Internet, verbreitet haben. Nach Angaben der Ermittler der eigens eingerichteten Sonderkommission „konnten nunmehr einige der abgebildeten Jungen zweifelsfrei identifiziert werden“. So melden es Oberstaatsanwalt Christian Schorr aus Bamberg und der Pressesprecher des Polizeipräsidiums Unterfranken, Björn Schmitt.

Die Vernehmung durch Kripo-Beamte mit dem Vergleich beschlagnahmter Bilder war für viele Eltern eine Qual – aber so konnten weitere Opfer identifiziert werden. Laut den Ermittlern handelt es sich bei „diesen Missbrauchsopfern um Kinder einer Kindertagesstätte im Würzburger Stadtteil Heuchelhof, die der inhaftierte Beschuldigte dort als Logopäde behandelt hat“.

Auf den Fotos, die den Eltern gezeigt werden, seien keine Missbrauchsszenen zu erkennen, wohl aber Kleidungsstücke, die bei der Identifizierung helfen könnten. Die jetzt ausgewerteten Aufnahmen sind in den Räumen der Kindertagesstätte entstanden. Die Ermittler betonen: Nach derzeitigem Ermittlungsstand sind keine Anhaltspunkte dafür vorhanden, dass die Missbrauchshandlungen vom Personal der Einrichtung bemerkt wurden.

Die Leitung der Einrichtung lasse ihr Amt ruhen, bis der Fall geklärt ist, teilte die evangelische Kirche als Trägerin mit. „Eine neue kommissarische Leitung wurde eingesetzt“, erklärte Dekanin Edda Weise schriftlich. Sie zeigte sich entsetzt. „Als Träger einer Kindertagesstätte sind wir verantwortlich für die Sicherheit und das Wohlbefinden der Kinder und ihrer Eltern. Das ist uns eine große Verpflichtung.“

Deshalb stehe der Kita geschultes Personal von Notfallseelsorge und Polizei als Ansprechpartner für Familien und Mitarbeiter zur Verfügung. Die Kita hat nach eigenen Angaben mit dem Jugendamt und der Jugendhilfe mehrere Maßnahmen erarbeitet und will mit den Eltern ins Gespräch kommen. „Wir möchten unsere Kita weiterführen, das ist aber nur mit dem Vertrauen der Eltern möglich“, erklärt Weise weiter.

Der Beschuldigte hat inzwischen sein Schweigen gebrochen. Soko-Ermittler berichteten von einer ersten kurzen Stellungnahme. Zwei Quellen bestätigten unserer Redaktion, dass den Behörden mehr als ein halbes Dutzend Namen von Opfern genannt wurden. Die Anwälte des 37-Jährigen, Jan Paulsen aus Würzburg und Alexander Hübner aus Dresden, bestätigten auf Nachfrage, dass sie den Ermittlern „schriftlich die Namen der Opfer und die Tatorte mitgeteilt“ haben.

Ihr Mandant „beabsichtigt zu kooperieren“, sagte Paulsen auf Nachfrage. Er habe auch das Passwort für geheime Dateien an seinem Computer preisgegeben, deren versteckte Inhalte den Ermittlern offenbar bisher nicht zugänglich waren. Bei der Durchsuchung in Würzburg hatten Ermittler am 20. März über 100 Dateien mit kinderpornografischen Bildern und Filmen sichergestellt. Das Datenmaterial hat einen Umfang von mehreren Terabyte (1 Terabyte = 1024 Gigabyte) und wird akribisch ausgewertet. Auf den Bildern seien keine Gesichter zu erkennen.

Der beschuldigte Logopäde, den die Ermittler nachts am Computer erwischt haben sollen, ist seit 21. März wegen des dringenden Verdachts des schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern sowie der Herstellung und der Verbreitung kinderpornografischer Schriften in Untersuchungshaft. Sein Partner wurde bereits an diesem Tag mangels dringenden Tatverdachts wieder auf freien Fuß gesetzt. Er war offenbar völlig ahnungslos in dem Fall, der auch vom Bundeskriminalamt begleitet wird. „Auch die weiteren Ermittlungen haben den Tatverdacht gegen diese Person bislang nicht weiter erhärtet“, so die Ermittler. Auch war bekanntgeworden, dass der Verdächtige und sein Partner zwei Pflegekinder hatten, einen vierjährigen Buben und ein fünfjähriges Mädchen. Sie wurden Untersuchungen zufolge nicht missbraucht. (mit dpa)

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