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Prozess

17.11.2016

Slowenische Bande entführt Allgäuer Unternehmer

Die mutmaßlichen Entführer und Erpresser wurden vom Landgericht in Memmingen verurteilt.
Bild: Alexander Kaya (Symbolbild)

Eine slowenische Gruppe treibt Geld von einem Allgäuer Bauunternehmer ein. Sie bedroht, verprügelt und entführt ihn. Nun müssen zwei 29-Jährige in Haft.

Zwei 29-jährige Slowenen sind vom Memminger Landgericht wegen Nötigung, gefährlicher Körperverletzung und Freiheitsberaubung zu jeweils zwei Jahren und acht Monaten Haft verurteilt worden.

Das Gericht sah es als erwiesen an, dass die Angeklagten dabei geholfen hatten, einen Allgäuer Bauunternehmer und seinen damaligen Angestellten im Dezember 2014 in einer abgelegenen Halle in Nordholz (Kreis Neu-Ulm) zu verprügeln.

Die Beute: 11.000 Euro und ein Sportwagen

Anschließend hatten sie den Angestellten in der Halle bewacht, während zwei weitere Männer mit dem Bauunternehmer nach Immenstadt fuhren. Dort musste das Opfer 11.000 Euro bei der Bank abheben und seinen Mercedes Sportwagen in Zahlung geben.

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Vor der Urteilsverkündung hatten die Slowenen von ihren Verteidigern verlesen lassen, dass sie damals nach Deutschland gekommen seien, um Gebrauchtwagen zu kaufen. Kurz vor der Rückfahrt seien sie in die Halle nach Nordholz gekommen, um Reifen abzuholen.

Der Bekannte der beiden, der auch der Pächter der Halle war, bat sie, ihm zu helfen. Es ging um eine unbezahlte Rechnung: ein Bauunternehmer schulde ihm 48 000 Euro. Sie sollten lediglich „böse schauen“, ein Freundschaftsdienst.

Einer hielt dem Geschäftsmann eine Pistole vor den Kopf

Doch die Situation eskalierte. Als der Bauunternehmer und sein Angestellter – unter einem Vorwand in die Halle gelockt – eintrafen, wurden beide zu Boden geschlagen und massiv bedroht. Der Pächter der Halle, der im Ausland untergetaucht ist, hielt dem Geschäftsmann eine Pistole vor den Kopf und sagte, er werde den Angestellten an einen Organhändler verkaufen, sollte er „Spielchen spielen“.

Gerade die „massive Drohkulisse“ wertete die Vorsitzende Richterin Brigitte Grenzstein als entscheidend für das Urteil. Die Opfer haben mit psychischen Problemen zu kämpfen, Angstzustände begleiten sie bis heute. Denn indem er zur Polizei gegangen sei, hätte er eine Drohung missachtet, sagte der Bauunternehmer aus.

Nachdem das Geld bezahlt war, hatte der flüchtige Drahtzieher der Entführung die Opfer auf einen Kaffee eingeladen und sie eindringlich davor gewarnt, die Polizei einzuschalten. Und er hatte sie auf seine Kontakte zur slowenischen Mafia hingewiesen.

Die Angeklagten zeigten sich reumütig

„Wenn die Angeklagten nicht Pluspunkte gesammelt hätten, wäre die Strafe wesentlich höher ausgefallen“, sagte die Richterin bei der Urteilsverkündung. „Es war ein massives Vergehen.“

Die Angeklagten, die sich freiwillig dem Strafverfahren gestellt hatten, entschuldigten sich mehrmals bei den Opfern und boten ihnen aus freien Stücken insgesamt 4000 Euro Schmerzensgeld an. Sie nahmen das Urteil an.

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