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Zauberei

16.05.2011

Unheimliche Rituale

Bild: BERNHARD WEIZENEGGER

Eine Ausstellung in Neuburg an der Kammel zeigt, wie sich Magie und Aberglaube immer wieder in unseren Alltag schleichen

Neuburg an der Kammel Die schaurige Stalltür würde in jeden Horrorfilm passen. Neben einer schweren Kette aus Eisen hängen Knochenteile und Felle toter Tiere, dazu faulige Eier und ein spitzes Messer, das zum Boden zeigt. Der düstere Türschmuck, der aus Nürtingen in Baden-Württemberg stammt, diente noch im 20. Jahrhundert dazu, alles Böse vom Haus fernzuhalten. Mittlerweile steht die schwere Holztür im Stockerhof in Naichen, einem Ortsteil von Neuburg an der Kammel (Landkreis Günzburg). Sie ziert noch bis November die Ausstellung „Glücksbringer und Unheilsbanner“, die seit vergangenem Sonntag dem Publikum offen steht.

Darin zeigt der Augsburger Volkskundler Stephan Bachter, wie und warum Menschen seit jeher zu Mitteln der Magie und des Aberglaubens greifen. „Gutes anziehen und Unheil abwehren gehören zu den menschlichen Grundbedürfnissen“, erklärt Bachter, der die Ausstellungsstücke von einem Kollegen erworben hatte. Daraus entwickelte er gemeinsam mit seiner Frau Claudia Preis eine interessante Schau magischer Einflüsse im menschlichen Alltag, die sich nach Bachter in der Esoterik und in Teilen der Homöopathie bis heute fortsetzen.

Auf der Suche nach den Geheimnissen der Welt

Seit Jahren erforscht der Volkskundler die Welt der Zauberei, bewegt sich zwischen Aberglauben und Volksfrömmigkeit – und fand Erstaunliches heraus. Die Geschichte der Magie geht bis weit in die Antike zurück. Damals suchten die Gelehrten auch im Übernatürlichen, was die Welt im Innersten zusammenhält. Die Faszination für die Zauberei erlahmte selbst im Zeitalter der Aufklärung nicht, als man alles mit der Vernunft erklären wollte. In ihrem Schatten existierte das magische Denken, das mithilfe geheimer Kräfte das menschliche Schicksal beeinflussen will, weiter.

Bis in die heutige Zeit hinein habe die Magie überlebt, sagt Bachter. Bei vielen Menschen stoßen die Lehren der meist selbst ernannten Zauberer auf reges Interesse. Von den Scharlatanen erwarteten sie übernatürliche Hilfe im Kampf gegen das Unheil. Die Kirchen, so Bachter, lehnten solchen Hokuspokus ab, schufen mit der Hexe als Inbegriff des Bösen jedoch ein optimales Feindbild.

Wie die Ausstellung zeigt, boten „magische Dienstleister“, sogenannte Hexenbanner, in Bayerisch-Schwaben bis in die 1960er Jahre hinein ihre Dienste an. Sie wurden bei Unglücksfällen gerufen, um das Böse aus Haus und Hof zu vertreiben, indem sie zum Beispiel eine glühende Kette durch eine Kanne Milch zogen. Welche skurrilen Praktiken es außerdem noch gab, machen eine Fotodokumentation und der original erhaltene Koffer eines schwäbischen Hexenbanners anschaulich. Darin sind seine sämtlichen Utensilien zu sehen, die er im Kampf gegen das Böse brauchte.

Daneben zeigt die Ausstellung eindrucksvoll, wie sich in vielen Haushalten auch Formen der Volksfrömmigkeit mit Ritualen und Beschwörungen aus der Zauberei vermischten. Häufig zierten Glücksbringer oder Unheilbanner religiöse Motive. Diese Phänomene zu erklären und wissenschaftlich fundiert einzuordnen, hat sich Stephan Bachter zum Ziel gesetzt.

Die Ausstellung ist noch bis zum 6. November im Stockerhof in Naichen zu sehen.

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