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Cyber-Attacken
18.11.2015

Anonymous verkündet erste Erfolge gegen IS-Terroristen

Nach den Terror-Anschlägen am Freitagabend hatten Unbekannte unter dem Namen Anonymous dem "Islamischen Staat" den virtuellen Krieg erklärt.
Foto: Screenshot

Das Hacker-Kollektiv Anonymous hat in seinem Kampf gegen den "Islamischen Staat" nach eigenen Angaben erste Erfolge erzielt. Innenpolitiker von Notz warnt vor einem Cyber-War.

Das Hacker-Kollektiv Anonymous hat nach eigenen Angaben als Vergeltung für die Anschläge von Paris mehr als 5500 Twitter-Konten von Anhängern der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) lahmgelegt. Das teilten Anhänger der Gruppierung auf Twitter mit, ohne Einzelheiten zu ihrer Vorgehensweise zu nennen.

Nach den Terror-Anschlägen am Freitagabend hatten Unbekannte unter dem Namen Anonymous dem "Islamischen Staat" den virtuellen Krieg erklärt, wieder einmal. "Wir werden die wichtigste Operation gegen euch starten, die je gegen euch geführt wurde", hieß es in dem Video, in dem die Attentäter von Paris als Gesindel bezeichnet wurden.

Anonymous ist eine Hacker-Vereinigung ohne feste Strukturen, die erstmals 2008 mit Aktionen gegen Scientology hervortrat. Seitdem ist das Kollektiv immer wieder für schlagzeilenträchtige Aktionen ("Operationen") gegen Organisationen, Behörden und Firmen gut, die nicht in sein Weltbild passen.

Der "Islamische Staat" nutzt hauptsächlich Facebook und Twitter, um seine Hassbotschaften unters Volk zu bringen und neue Anhänger zu rekrutieren. Experten gehen davon aus, dass Anonymous deshalb vor allem die Social Media-Kanäle der IS-Terroristen ins Visier nehmen werden.

Dass die Aktivisten dazu durchaus in der Lage sind, glaubt auch der Augsburger Sicherheitsexperte Gordon Thomas Rohrmair, der die Forschungsgruppe für IT-Security und digitale Forensik der Hochschule Augsburg (HSASec) koordiniert. "Anonymous hat Vollprofis in seinen Reihen, das haben mehrere Fälle in der Vergangenheit gezeigt", sagt er.

Experte: Anonymous hat Vollprofis in seinen Reihen

Nur schwer abzuschätzen ist für Rohrmair, welchen Schaden Anonymous tatsächlich bei den Terroristen anrichten kann. "Die Frage ist, wie abhängig der IS von IT-Strukturen ist, die man angreifen könnte." Offenbar nicht allzu sehr, meint der Experte. "Auch die Geheimdienste haben ja IT-Experten in ihren Reihen. Man darf davon ausgehen, dass in der Vergangenheit sicher schon versucht wurde, den IS auf dieser Ebene zu bekämpfen. Den Vormarsch der Dschihadisten konnte das aber nicht stoppen."

Der Innenpolitiker Konstantin von Notz (Grüne) warnte unterdessen in der Frankfurter Rundschau davor, quasi auf eigene Faust gegen den "Islamischen Staat" vorzugehen. "Es ist die Aufgabe des Rechtsstaates hier tätig zu werden – innerhalb der geltenden Gesetze", sagte er. Kriegsrhetorik sei fehl am Platze: "Genau das wollen die Terroristen doch: dass öffentlich der Eindruck entsteht, der Westen führe Krieg gegen sie, und es ginge nicht darum, Jagd auf Verbrecher zu machen, die Menschen ermorden".

Bei den Anschlägen auf eine Konzerthalle, Restaurants, Cafés und in der Nähe des Fußballstadions Stade de France waren am Freitagabend in Paris 129 Menschen getötet und 352 weitere verletzt worden. Zu den Attacken bekannte sich die IS-Miliz.  bo

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