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Wittislingen

05.05.2020

Arzt baut seine eigene Corona-Haube - mit Inspiration vom Lackierer

Allgemeinarzt Georg Kügel untersucht einen fiktiven Patienten mit dem Lungenultraschallgerät. Dank seiner selbst entwickelten Haube zur Behandlung von Patienten mit Covid-19-Symptomen ist er von FFP-Schutzmasken unabhängig.

Plus Der Mangel an hochwertigen Atemschutzmasken macht einen Wittislinger Mediziner erfinderisch. Dr. Georg Kügel hat ein alternatives Praxisschutzkonzept entwickelt – und eine ganz besondere Maske.

Not macht erfinderisch – besonders in Krisenzeiten wie aktuell mit dem Coronavirus. Fertigen wegen des Mangels an Mund- und Nasenschutzmasken deutschlandweit viele Helfer den Atemschutz für den „Alltag“ an ihren Nähmaschinen aus Stoff, so haben Arztpraxen, Krankenhäuser und andere medizinischen Berufe noch immer große Probleme, in der nötigen Menge an so genannte FFP2- oder FFP3-Masken zu kommen. Um bei der Behandlung mit Covid-19 infizierten Patienten die Mediziner samt Personal selbst vor Ansteckung mit dem Virus so gut wie möglich geschützt sind. Diese Mangelerfahrung hat auch Dr. Georg Kügel, Facharzt für Allgemeinmedizin in Wittislingen, machen müssen. Er hat eine eigene, pfiffige Lösung gefunden

Die Frau des Mediziners, Dr. Andrea Kügel, ist ebenfalls Allgemeinärztin und litt vor drei bis vier Wochen unter einer Atemwegserkrankung, die sich jedoch als einfacher grippaler Infekt herausgestellt hat. Aus dieser Erfahrung heraus berieten die Beiden, wie sie an diesem Dilemma für ihre Praxis und die Patienten etwas ändern könnten. Und wurden sich recht schnell einig, ein neues Konzept zu erstellen. Dies bedeutet, Patienten mit Covid-19- Verdacht oder Symptomen von anderen Patienten räumlich trennen zu können.

Die Haube hat der Wittislinger Arzt selbst gebaut

„Gesagt getan“, berichtet Georg Kügel. Mit großer Hilfe ihrer Eltern und freiwilligen Helfern aus Wittislingen sei der an die Praxis angrenzende Garagenbereich vollkommen geräumt und in einen Infektbehandlungsbereich umgebaut worden. „Aber damit war das Problem der Mundschutzmasken nicht gelöst“, so Georg Kügel. Weshalb eine alternative Lösungen hermusste: „Ich habe bereits seit meiner Jugend gerne nach Lösungen von technischen Problemen gesucht“, erzählt der Arzt. Und so habe er Anleihen aus dem Berufsbild der Lackierer und Galvaniker in seine Überlegungen einbezogen, um bei der Behandlung der Patienten von Mundschutzmasken unabhängig zu werden. Das Ergebnis: „Eine Haube mit Klarsichtvisier, die mit Luft aufgeblasen wird, entweder über einen Druckluftanschluss oder über ein tragbares Gürtelgebläse mit Filter.“

Damit dies funktioniert, seien jedoch noch weitere technische Einbauten notwendig gewesen. „Im abgetrennten hinteren Bereich des Behandlungsraums wurden zwei leistungsstarke Atemluftkompressoren eingebaut, mit Atemschlauchanschlüssen für mehrere Hauben zugleich.“ Die Vorteile der Verwendung der Hauben im Rahmen des Praxiskonzepts sind nach den Worten von Georg Kügel die weitere zuverlässige Versorgung und Behandlung von Covid 19- infizierten Patienten, inklusive der Trennung von nicht-infizierten Patienten, vor allem unabhängig von der Versorgung mit FFP-Masken.

Deutlich höherer Schutzgrad für Anwender

Darüber hinaus bestehe ein deutlich höherer Schutzgrad für die Anwender (maximale Leckage der Hauben 0,2 Prozent im Vergleich zu FFP2 mit 8 Prozent). Hinzu komme noch ein hoher Tragekomfort ohne Einschränkung der Atmung des Anwenders. Somit gebe es auch keine Tragezeitbeschränkung wie es bei den Masken vorgeschrieben ist. Wichtig seien ihm jedoch bei all diesen Überlegungen für das alternative Praxisschutzkonzept in Zeiten der Corona-Pandemie seine Patienten gewesen.

Denn nach diesem Umbau bestehe die Möglichkeit, dass die Patienten trotz Infektionsverdacht auf Covid-19 zur Untersuchung und zum Abstrichtest in die Praxis kommen. Des Weiteren habe er mit der Zulassung zum Lungenultraschall auch die Möglichkeit, diesen bei verdachtsweiser oder nachgewiesener Covid-19-Infektion durchzuführen. Dieser wurde nach den Worten des Wittislinger Allgemeinmediziners von den radiologischen Fachgesellschaften vor Kurzem entwickelt, um ambulant im Verlauf die Erkrankung oder einen schweren Verlauf möglichst frühzeitig erkennen zu können. Ein solcher Point-of-Care-Ultraschall – PoCUS – der Lunge sei ein sehr wertvolles und effektives Instrument, um den Zustand der Lunge eines Patienten schnell und sicher einzuschätzen. So die Ansicht von Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (DEGUM). Der Standard sieht laut Georg Kügel eigentlich vor, dass Patienten mit Verdacht auf Covid-19-Pneumonie mittels eines Röntgenbildes oder einer Computertomographie untersucht werden.

Patienten mit Symptomen können in der Praxis untersucht werden

Zusammen mit dem klinischen Bild des Patienten könne der Ultraschall jedoch Weichen stellen, ob eine weitere bildgebende Untersuchung unverzüglich erfolgen müsse oder erst im Verlauf der Behandlung eingesetzt werden könne.

Daher wurde das Ultraschallgerät in den neuen Infektbehandlungsbereich integriert. „Denn Ultraschall ist frei von Strahlung, schnell und sicher.“ Dieses neue Praxiskonzept ermögliche nun den Patienten, nicht nur telefonisch beraten zu werden, sondern bei Symptomen wie Fieber, starkem Husten und häufig auch Luftnot nach telefonischer Voranmeldung in der Praxis ihres Hausarztes weiterhin untersucht zu werden.

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