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Gundelfingen

21.01.2020

Bleiben diese Parkplätze für die Richtigen frei?

Parkplätze wie diese sind eigentlich reserviert für Menschen mit schweren körperlichen Einschränkungen. Doch immer wieder stellen sich dort auch Menschen hin, die dort eigentlich nicht parken dürften.
Bild: Alexander Kaya

Plus Vor dem Dillinger Amtsgericht beklagt ein Mann, dass Behindertenparkplätze in der Region immer wieder zugeparkt sind. Über die Folgen, die Falschparkern drohen.

Zunächst hätte man meinen können, in Gundelfingen sei ein „Parkplatz-Sheriff“ unterwegs gewesen. Im vergangenen Herbst hatte ein 51-Jähriger ein Auto über eine komplette Seite mit dem Schlüssel zerkratzt, weil der Wagen unerlaubterweise auf einem Behindertenparkplatz gestanden hatte. Der Sachschaden betrug rund 2000 Euro. Vergangene Woche stand der Mann vor Gericht, ihm wurde Sachbeschädigung vorgeworfen. Dieser Punkt war unstrittig, dafür verurteilte ihn das Dillinger Amtsgericht zu einer Geldstrafe von 90 Tagessätzen. Bemerkenswert waren die Hintergründe, die im Rahmen der Verhandlung zutage kamen. Der 51-Jährige schilderte, dass er wegen einer Krankheit selbst auf eine Gehhilfe angewiesen ist und auf dem Behindertenparkplatz parken wollte.

Warum die Polizei nicht helfen kann

Weil dieser belegt war, musste er weiter weg parken und die zusätzliche Strecke zu Fuß zurücklegen, was ihm offenbar Mühe bereitete und in ihm Ärger auslöste, weshalb er das Auto beschädigte. Vor Gericht sprach der Mann davon, dass er eine solche Situation regelmäßig erlebe. Immer wieder würden Autofahrer den Behindertenparkplatz benutzen, obwohl sie dort nicht stehen dürften. Spreche er sie darauf an, hätten sie keinerlei Verständnis für seine Situation. „Ich stehe doch nur kurz hier“, soll der Mann dann immer wieder zu hören bekommen. Weil nach seinen Angaben auch die Polizei ihm nicht helfen könne, fühle er sich in dieser Angelegenheit hilflos und im Stich gelassen.

Sind belegte Behindertenparkplätze ein grundsätzliches Problem im Landkreis Dillingen? „Leider kommt es immer wieder dazu, dass sogenannte Behindertenparkplätze verbotswidrig benutzt werden“, sagt Katharina von Rönn, Sprecherin der Dillinger Polizei. Da die Parkplätze in den Innenstädten oder in gefragten Bereichen strategisch gut liegen, würden sie gerne als Kurzparkplatz benutzt werden, um schnelle Erledigungen durchzuführen. „Hierfür sind diese Parkplätze jedoch nicht gedacht“, betont von Rönn. Die Sonderparkplätze, die neben einem blauen Parkschild zusätzlich mit einen Rollstuhlfahrersymbol gekennzeichnet sind, seien Menschen mit besonders schweren Behinderungen, wie zum Beispiel Amputationen, Gehbehinderungen und Begleitpersonen vorbehalten, die etwa Blinde fahren. „Diese Personen bekommen einen besonderen Parkausweis, der gut lesbar im Fahrzeug platziert werden muss“, erklärt die Polizeihauptmeisterin.

Bleiben diese Parkplätze für die Richtigen frei?

Welche Folgen Falschparkern drohen

Sollte sich jemand nicht daran halten, hat dies Folgen. Das verbotswidrige Parken auf solchen Parkplätzen wird demnach mit einem Bußgeld von 35 Euro geahndet. „Sollte der Fahrer sein Fahrzeug nicht unverzüglich dort entfernen oder kann nicht erreicht werden, dann kann sein Fahrzeug auch abgeschleppt werden“, sagt von Rönn. Die Kosten dafür müsse dann der Falschparker übernehmen. Die Verwarnung für Falschparken könne durch Mitarbeiter der kommunalen Verkehrsüberwachung (Städte und Gemeinden), aber auch durch die Polizei erfolgen.

Wie Reinhold Sager, Behindertenbeauftragter des Landkreises am Landratsamt, mitteilt, dürfen nur Personen mit dem sogenannten internationalen blauen Parkausweis auf Behindertenparkplätzen stehen. Diesen Ausweis können schwerbehinderte Menschen mit außergewöhnlicher Gehbehinderung, Blinde, Contergan-Geschädigte und Personen mit vergleichbaren Beeinträchtigungen, zum Beispiel der Amputation beider Arme, erhalten. Diese Ausweise werden von der jeweiligen Wohnsitzgemeinde ausgestellt und sind jeweils fünf Jahre gültig. Die Stadt Dillingen zum Beispiel hat im Jahr 2019 nach Angaben des Landratsamtes insgesamt 32 Parkberechtigungen erteilt.

Was der Sozialverband VdK zum Thema sagt

Belegte Behindertenparkplätze sind auch beim Sozialverband VdK ein Thema. Georg Böck, Vorsitzender des Dillinger VdK-Kreisverbandes, sagt: „Es kommt öfters vor, dass Mitglieder dies an uns herantragen.“ Hinter der Tatsache, dass sich manche Autofahrer unerlaubterweise auf einen solchen Parkplatz stellen, vermutet er keine bösen Absichten, sondern vielmehr Gleichgültigkeit. „Da wird schon nicht gleich was sein“, sei nach seiner Ansicht der typische Gedanke.

Doch die Parkplätze sind für die Betroffenen sehr wichtig, bekräftigt Böck. Diejenigen, für die die Plätze bestimmt sind, haben mit schweren Einschränkungen zu kämpfen, wie beispielsweise Beinamputationen oder Herzschädigungen. Ein längerer Weg aufgrund eines belegten Parkplatzes bedeute für diese Menschen zum Teil eine große Belastung. Ein weiterer Kritikpunkt von Böck ist die Größe der vorhandenen Behindertenparkplätze. Eigentlich müssten diese breiter sein als herkömmliche Stellplätze, um Menschen mit einer Beeinträchtigung sowie Gerätschaften wie beispielsweise einem Rollstuhl oder einem Rollator das Ein- und Aussteigen zu erleichtern. In der Region sei dies häufig nicht der Fall. Positivbeispiele in diesem Zusammenhang gebe es etwa am Lauinger Rathaus oder am Dillinger Krankenhaus.

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