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Syrgenstein

30.01.2019

Braucht es mehr Busse im Bachtal?

Bürger im Bachtal sind aufgerufen, über das Thema Mobilität zu sprechen. In Bachhagel findet darüber eine Infoveranstaltung statt.
Bild: Judith Roderfeld (Archiv)

Im Rahmen einer Befragung sollen Einwohner Ideen entwickeln, wie die Mobilität in der Gegend besser werden kann. Dabei kommt ein besonderes Verfahren zum Einsatz.

In Syrgenstein dürfen die Bürger demnächst konstruktiv mitreden. Wie kann, wie soll Mobilität im Bachtal aussehen? Wie kommt man leichter und öfter ins benachbarte Baden-Württemberg? Ideen sind gefragt, gemeinsame Vorschläge sind angesagt, ein besonderes Verfahren soll angewandt werden: das Bürgergutachten mit Planungszellen.

Diese Methode ist nicht neu, wird aber selten angewandt – beispielsweise in München bei der Planung des Kunstareals. Dabei ist sie ein probates Mittel gegen Politikverdrossenheit in der Bevölkerung. Es soll nun in der Verwaltungsgemeinschaft Syrgenstein zum Einsatz kommen. In diesem Fall geht es um die Mobilität im Bachtal. Die sieht im ländlichen Grenzland zwischen Bayern und Baden-Württemberg ziemlich mau aus. Busse fahren selten, abends schon gar nicht, manche Dörfer sind überhaupt nicht eingebunden, der Fahrpreis ins Nachbarbundesland ist hoch. Was kann man tun? Wie sähen Lösungsmöglichkeiten aus? Dies soll nun mit einem Bürgergutachten herausgefunden werden.

Zufällig ausgesuchte Bürger diskutieren

Und das geht so: Aus dem Einwohnermelderegister werden Bürger ab 16 Jahren zufällig ausgesucht. Dann werden diese zufällig Ausgewählten gefragt, ob sie bei einem Bürgergutachten mitmachen wollen. Wer „Ja“ sagt, ist dabei, wer keine Lust oder keine Zeit hat – macht nichts. Dann wird der Nächste in der Liste gefragt. Irgendwann sind genügend Leute zusammen. In großen Städten werden vier Tage und 200 Bürger veranschlagt, bei einer kleinen Gemeinde wie Syrgenstein reicht ein Mikro-Bürgergutachten mit Planungszellen, also eine Gruppe von 25 Bürgern, die nur einen Nachmittag lang beschäftigt ist. Diese repräsentative Minigesellschaft kann sich ausgiebig über das zu begutachtende Thema informieren. Experten von außen erklären das Thema allgemein verständlich, sachlich und durchaus auch kontrovers. Ein Moderator führt die Gruppe durch die Aktion. In Syrgenstein wird dies Wolfgang Scheffler aus Aislingen sein, der auf diesem Gebiet seit Jahren Erfahrung hat.

Wolfgang Scheffler (Zweiter von rechts) führt durch das anstehende Bürgergutachten im Bachtal, Andi Mattern, Sigurd Misselwitz und Klaus Rehm (von links) sind Ansprechpartner.
Bild: Claudia Hammer-Rehm

Hier reden Rentner mit Schülern und Handwerkern

Dann werden fünf Gruppen à fünf Personen gebildet. Da sitzt dann die Rentnerin neben dem Schüler, der Handwerker neben der Hausfrau, der Unternehmer neben dem Arbeitslosen. Es gibt eine konkrete Fragestellung („Wie könnte Mobilität im Bachtal aussehen?“), und dann wird diskutiert. In der Regel reichen 30 Minuten. Die verschiedensten Lebensumstände treffen aufeinander, die Meinungen gehen möglicherweise gewaltig auseinander. Das Ziel aber ist, sich in dieser Zeit auf drei Aussagen zu einigen. Diese drei gemeinsamen Sätze werden an eine Tafel geschrieben. Da stehen nach der ersten Runde also schon mal 15 Meinungen. Nun werden die Bürger wieder zufällig gemischt. Nun sitzt die Rentnerin vielleicht beim Automechaniker und der Schüler neben dem Unternehmer. Auch jetzt muss die Gruppe sich einigen. Beim Syrgensteiner Mikro-Bürgergutachten mit Planungszelle wird es zwei Durchgänge geben. Nach Abschluss der Runden stehen nun also 30 Vorschläge auf der Tafel. Nun bekommt jeder Teilnehmer fünf Punkte. Die darf er hinter die Sätze kleben, die ihm am besten gefallen. Wenn das nur ein einziger Satz ist, der akzeptabel scheint, dann kommen alle Punkte dort hin. Die Positionen, die die meisten Punkte gesammelt haben, werden in einem Skript zusammengefasst und sind das Bürgergutachten, quasi die Essenz von wohldurchdachten und miteinander abgestimmten Ansichten von Rentnerin, Schüler, Hausfrau, Unternehmer und Arbeitslosem. Dieses Gutachten ist eine Empfehlung an die politisch Verantwortlichen vor Ort. Es muss nicht umgesetzt werden, aber es besteht durchaus die Erwartung, dass die Lösungsvorschläge bei zukünftigen Planungen berücksichtigt werden. (pm)

Termin: Stattfinden soll das Bürgergutachten am 16. März. Weil das Verfahren noch zu wenig bekannt ist, wird es am Donnerstag, 31. Januar, um 19 Uhr im Brauereistadel in Bachhagel eine Infoveranstaltung geben.

Auch das ist los in Syrgenstein: Wie ein alter Bauhof zum modernen Treff in Syrgenstein wurde

Zuletzt hatte im Landkreis Dillingen der Markt Aislingen ein Bürgergutachten durchgeführt. Das war 2016. Hier lesen Sie, wie das abgelaufen ist.

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