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Landkreis

26.01.2021

Corona-Lockdown: Friseure im Landkreis Dillingen geben nicht auf, aber …

Der Salon Haircut von Sylvia Stapfer in Dillingen leuchtete ebenfalls.
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Der Salon Haircut von Sylvia Stapfer in Dillingen leuchtete ebenfalls.
Foto: Karl Aumiller

Plus Der Corona-Lockdown lässt viele Friseure im Landkreis Dillingen um ihre Existenz fürchten. Betroffene aus der Region berichten über ihre Situation.

Von Freitag 8 Uhr bis Samstag 8 Uhr waren am vergangenen Wochenende die Fenster in den Friseurläden hell erleuchtet. Aufgerufen hatte Friseurmeisterin und Vorstandsmitglied im Landesinnungsverband des bayerischen Friseurhandwerks, Petra Zander. „Wir wollen 24 Stunden sichtbar bleiben und geben nicht auf“, hieß es in einer Pressemitteilung zur Aktion „Wir lassen das Licht an“.

"Herzblut und die ganze Freizeit in den Betrieb gesteckt"

An der Aktion hat sich auch Sylvia Stapfer beteiligt. Die Dillinger Friseurmeisterin betreibt das Studio Haircut in der Königstraße und erzählt im Gespräch, dass es um viel mehr als nur das fehlende Geld gehe.

„Seit über 30 Jahren bin ich Friseurin, habe mein ganzes Herzblut, meine ganze Freizeit in den Betrieb gesteckt. Und jetzt stehen wir auf dem Abstellgleis“, sagt Stapfer am Telefon. Aus Solidarität sei sie dem Appell der Innung gefolgt. „Es war ein sehr leiser Aufruf. Wir leiden“, spricht sie sich allerdings nicht nur für sich und ihre Kollegen aus. Auch um den Einzelhandel sorgt sich die Friseurin: „Die Händler vor Ort mussten schon immer gegen Onlineshops kämpfen, das wird aktuell nur noch verstärkt.“ Zander dagegen betont, dass für die Friseure die aktuellen Hilfsprogramme keine Unterstützung für ein würdiges Überleben in der Krise seien. „Ihnen bleibt als bisher erfolgreiche Macher nur die Grundsicherung als Rettungsanker.“ Das bemängelt auch der Innungsmeister für die Landkreise Dillingen und Donau-Ries, Willi Uhl. Der Zentralverband dränge auf baldige Öffnung der Friseurgeschäfte, denn viele Betriebe in der Region kämpften um ihre Zukunft, während staatliche Hilfsgelder auf sich warten ließen.

Der Salon Haircut von Sylvia Stapfer in Dillingen leuchtete ebenfalls.
Foto: Karl Aumiller

Aufgrund der Schließungen und des Bangens um die eigene Existenz würden einige schwarzarbeiten. „Das ist eine schwierige Situation und lässt sich nicht in wenigen Sätzen beschreiben“, erklärt Stapfer. Sie unterstütze Schwarzarbeit nicht. Außerdem bemängelt sie die fehlenden Hygienekonzepte bei der Arbeit in Privathaushalten. Willi Uhl verweist auf die „pure Existenzangst“, die manche Kollegen in die Schwarzarbeit treibe.

"Es stinkt uns, wieviel schwarz geschnitten wird"

Wer schwarz weiterarbeitet, riskiert dabei nicht nur Strafen, sondern zieht auch den Ärger der Branchenkollegen auf sich. „Es stinkt uns, wie viel schwarz geschnitten wird“, beklagt sich auch eine Friseurin aus Lauingen, die ebenfalls an der Lichteraktion des Innungsverbands teilgenommen hat. Ihren Namen möchte sie nicht in der Zeitung lesen, doch wer sehen wolle, wie groß das Problem mit der Schwarzarbeit sei, brauche nur durch die Stadt zu gehen. Dort könne man sehen, „wie viele schöne Haarschnitte herumliefen“, so die Unternehmerin. Ähnliches hat Sigrid Schaller vom Salon Schaller in Höchstädt festgestellt. „Die können nicht alle eine Cousine oder Schwester haben, die Haare schneiden kann“, wundert sich die 62-Jährige. Auch im TV, bei Virologen und Politikern, sehe man so viele frische Haarschnitte, so die Friseurin. Ihr Fazit ist ähnlich wie das ihrer Kollegen: „Die Schwarzarbeit blüht wahrscheinlich.“ Auch sie bekomme Anfragen von Kunden für Privatschnitte, doch sie lehne alle ab, setze die Leute lieber auf die Warteliste für die Zeit nach dem Lockdown. Schaller ist skeptisch, ob die Lichteraktion dafür sorgt, dass die Friseure und ihre Nöte gehört werden. Not, das bedeutet für sie wie für viele andere eine große finanzielle Durststrecke. Sie hofft, dass zumindest im Januar Hilfen ausgezahlt werden, von denen sie ihre Unkosten decken kann.

Trotz der finanziellen Engpässe bleiben die Friseure doch verständnisvoll, wenn es bei offizieller Seite hapert. „Ich verstehe, dass die beim Arbeitsamt viel Arbeit haben“, sagt die Lauinger Friseurin. „Aber ich muss heute das Gehalt für Januar auszahlen, das muss ich vorstrecken.“ Für sie selbst bleibt da im Moment nichts. Auch die Finanzhilfen des Staates für kleine Unternehmen wie ihres seien undurchsichtig. „Ich würde mir wünschen, dass genauer definiert würde, wer was bekommt.“ Selbst die Steuerberater, die die Hilfen beantragen müssen, seien da überfordert, so die Einschätzung der Friseurin.

Spricht man mit Friseurinnen wie ihr, Schaller oder Stapfer, spürt man große Resignation. Vor allem die Frage nach dem Hygienekonzept treibt noch immer viele um. Man habe alles getan, um die Vorgaben zu erfüllen, so der Tenor aus der Branche. Innungsmeister Willi Uhl und auch die Kollegen empfinden es als ungerecht, dass viele Betriebe weiterhin Büros und Produktion offenhalten dürften, sie aber trotz funktionierendem Hygienekonzept schließen mussten.

Zwar konnte bereits zu Beginn der zweiten Corona-Welle die Mehrheit der Infektionen nicht nachverfolgt werden, Willi Uhl und Sylvia Stapfer sind sich dennoch einig: Sind die Läden geöffnet, werden Hygienekonzepte eingehalten und können auch kontrolliert werden. In Privathaushalten nicht. „Ich weiß nicht, wie viele Liter Desinfektionsmittel ich auf meine Polstermöbel gesprüht habe, nur um sicher zu gehen, dass nichts passieren kann“, sagt Stapfer dazu.

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Nicht nur das Geld fehlt, auch der Kontakt zu Kunden

Auch sie bekäme ebenfalls täglich mehrere Anfragen, die sie alle schweren Herzens ablehne. „Für die Kunden tut es mir auch leid, wenn ich sehe, wie die Frisuren mittlerweile aussehen. Man möchte ja helfen, dass die Menschen sich gut fühlen. Das ist unser Beruf.“ Viele würden es tapfer aushalten. Andere nicht – auch das sieht der Profi sofort. Wenn der eine oder andere doch einen frischen Schnitt hat, weiß Stapfer Bescheid. Ihr fehlt nicht nur das Geld, sondern auch der Kontakt zu Kunden. „Niemand bekommt so viele Komplimente für seinen Job, wie wir. Und das tut gut. Die Kommunikation mit Kunden und die Freude, die man sieht, wenn man seine Sache gut gemacht hat“, erzählt sie wehmütig. Während der Schließung zeigt sich ihre Kundschaft trotzdem solidarisch. Immer wieder bekomme sie Nachrichten, dass Stammkunden auf sie warten würden. Ein kleiner Trost, bis hoffentlich bald die Lichter wieder angehen.

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