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29.07.2010

Die Peiniger müssen jahrelang hinter Gitter

Augsburg Auf den Hochzeitsfotos, sagt Richter Karl-Heinz Haeusler in seiner Urteilsbegründung, sei eine hübsche, junge, strahlende Frau zu sehen. Eine Frau voller Lebensfreude, die zuversichtlich in ihre Zukunft blicke. Doch das, was auf diese arrangierte Hochzeit in der Türkei folgte, sei eine Ehehölle gewesen. Gestern wurden der Ehemann und der Schwager der 28-Jährigen Türkin aus Lauingen für die jahrelangen Misshandlungen, die die junge Frau erdulden musste, vor dem Landgericht Augsburg zur Rechenschaft gezogen.

Der Ehemann muss für sechs Jahre und neun Monate ins Gefängnis, sein Bruder für vier Jahre und neun Monate. Deren Vater hatte sich einer Verurteilung durch die Flucht in die Türkei entzogen. Die Mutter, die ihre Schwiegertochter ebenfalls geschlagen hat, wurde zu einer Geldstrafe von 60 Tagessätzen à zehn Euro verurteilt. Alle Angeklagten hatten die ihnen vorgeworfenen Taten bereits am ersten Verhandlungstag gestanden und dem Opfer damit eine tagelange Aussage erspart. Zudem wollen der Ehemann und der Schwager umfangreiche Schadensersatzzahlungen in einer Höhe insgesamt knapp 22 000 Euro leisten. "Das kann allerdings nur der Anfang sein", erklärte der Vorsitzende Richter in seiner Urteilsbegründung und betonte, dass das Urteil ohne die Geständnisse und die Zahlungen ganz anders ausgefallen wäre.

Jahrelange Misshandlungen und Demütigungen erlitten

Denn sie hätten letztlich durch jahrelange Misshandlungen und Demütigungen dafür gesorgt, dass aus einem einstmals fröhlichen, hübschen, jungen Mädchen eine verschüchterte, dauerhaft verstümmelte Frau wurde, die sich bei ihren Vernehmungen nicht einmal getraut habe, den Kopf zu heben. Ein "Häufchen Elend" sei sie gewesen, gab der Polizeibeamte der Kripo Dillingen, der den Fall bearbeitet hatte, gestern vor Gericht zu Protokoll. "Sie hatte wohl jeden Tag Angst vor Schlägen und auch Angst um ihr Leben, weil sie auch mit dem Messer bedroht wurde." Ins Rollen gekommen war die Geschichte im Jahr 2009 bei einem gemeinsamen Besuch in der Türkei. In den Jahren zuvor hatte die neue Familie der heute 28-Jährigen offenbar jeden Kontakt zu ihren eigenen Verwandten unterbunden. Als die sich beim Besuch in ihrer Heimat dem Vater anvertraute und ihm die durch die Schläge verursachten Verstümmelungen zeigte, ging dieser zur Polizei. Die Familie des Ehemanns flüchtete darauf mit den beiden Kindern des Paares zurück nach Lauingen. Den Reisepass seiner Frau nahm der Hauptangeklagte mit und meldete seine Frau nach der Rückkehr bei den Behörden ab.

Die Peiniger müssen jahrelang hinter Gitter

"Sie haben gedacht, sie kommt nie wieder. Doch sie haben nicht mit der Mutterliebe meiner Mandantin gerechnet", erklärte Rechtsanwältin Meral Bayar, die das Opfer, das im Prozess als Nebenklägerin auftrat, vertrat. Sie habe mit ihrer Rückkehr nach Deutschland und ihrer Aussage gegen ihre Peiniger "unglaublichen Mut" bewiesen. Das Ergebnis der Verhandlung sei für ihre Mandantin zufrieden stellend und eine Genugtuung. Zudem mache es vielen Frauen in ähnlichen Situationen Mut.

Derzeit lebt die junge Türkin, die neben bleibenden Verstümmelungen am Ohr, der Nase und an den Oberschenkeln unter Depressionen und Panikattacken leidet, versteckt mit ihren Kindern an einem sicheren Ort in Deutschland.

In die Türkei, zu ihren Eltern, kann sie nicht zurückkehren, sagt Ingrid Riedelsheimer vom "Weißen Ring" in Donauwörth, die die junge Frau in den vergangenen Monaten mit betreut hat. "Dort wäre sie nicht sicher." "Bayern

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