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Gundelfingen

13.10.2017

Ein Glanzpunkt der Kirchenmusik

Michael Finck (links), das Augsburger Orchester „La Banda“ mit den beiden Chören „Camerata vocale“ aus Günzburg und Chorios aus Gundelfingen gestalteten eine erhebende Aufführung der h-Moll-Messe von J. S. Bach in der Gundelfinger St. Martinskirche.
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Michael Finck (links), das Augsburger Orchester „La Banda“ mit den beiden Chören „Camerata vocale“ aus Günzburg und Chorios aus Gundelfingen gestalteten eine erhebende Aufführung der h-Moll-Messe von J. S. Bach in der Gundelfinger St. Martinskirche.

Chorios und Camerata vocale treten mit dem Augsburger Orchester La Banda in St. Martin in Gundelfingen auf. Zusammen beeindrucken sie mit der h-Moll-Messe von Bach.

Es war ein Erlebnis der besonderen Art, das den Zuhörern in der gut besuchten Stadtpfarrkirche St. Martin zu Teil wurde. Die singuläre Aufführung der h-Moll-Messe von Johann Sebastian Bach berührte die Seelen, hinterließ gläubiges Erstaunen und bescherte eine Ahnung von religiös-musikalischer Vollendung. Der Chor der Städtischen Musikschule Gundelfingen Chorios bot eine außergewöhnliche Leistung, die er freilich alleine so nicht ohne Weiteres erreicht hätte. Er hatte den Günzburger Chor „Camerata vocale“ mit ins Boot geholt und davon profitiert, dass dessen Leiter Jürgen Rettenmaier die Vorbereitungen zum Konzertabend am vergangenen Sonntag mit der gleichen Akribie in Angriff nahm. Beide Chöre hatten im Mai dieses Jahres in Günzburg die h-Moll-Messe schon einmal aufgeführt.

Michael Finck ist es gelungen, unter den gleichen Prämissen eine erneute Interpretation während der Kulturtage zu ermöglichen. Dessen 1. Vorsitzender Anton Kapfer bedankte sich bei den Aktiven für das Geschenk eines musikalischen Höhepunktes.

Die Chöre haben sich als Begleitorchester die 18 Musiker von „La Banda“ aus Augsburg ausgesucht. Das sollte sich als Glücksfall erweisen, denn das Alte-Musik-Ensemble garantierte ein hohes Maß an Authentizität. Die Qualität der Gesangssolisten begünstigte die einmalige Präsentation. Michael Fincks intensive Beschäftigung mit dem universellen Werk und das Ringen um Klarheit, Artikulation, Durchsichtigkeit und stimmliche Ausgewogenheit führten zu dem großartigen Erlebnis.

Beeindruckend, wie die 28 Frauen- und 18 Männerstimmen agierten: beweglich, ausdrucksstark, homogen und präzise. Imponierend, wie die Chöre die fünfstimmige Riesenfuge des Kyrie vom leidenschaftlichen Bekennen und Bitten zum schmerzvoll gesteigerten Ausdruck aufbauten. Ähnlich bedeutungsvoll wurde die ruhige Bewegung im Gloria zur volltönenden Friedensverkündigung verdichtet. Dazu feierliche Größe und kräftige Farben im „Gratias“, Ergriffenheit in geheimnisvollen Piano der langsamen „Qui tollis“- Chorfuge. Im Credo berührten der Gegensatz zwischen dem kunstvoll, breitgelagerten fugierten wuchtig emporfahrenden Eingangschor und dem mystisch Vertieften (et incarnatus est), leidvoll schwebend im dramatischen Höhepunkt das „Cruzifixus“, im Pianissimo ersterbend das „Et sepultus est“ und überstürzend freudig die Huldigung des Auferstandenen. Gewaltig ertönten die sechsstimmigen Engelsscharen im „Sanctus“ und überschwänglich das achtstimmige „Osianna“.

Die historischen Instrumente des Orchesters „La Banda“ bewirkten einen wohltuenden Farbenreichtum. Das Ensemble war mit vorzüglichen Instrumentalisten ausgestattet, die mit warmem, bewegungsreichem Klang einfühlsam sowohl die Chöre in den 15 Chorsätzen und die Solisten in den neun Arien und Duetten professionell begleiteten, aber auch die Zwischenspiele stilistisch sicher darstellten. Auf dieser wie selbstverständlich instrumentalen Basis entwickelte Michael Finck schlüssig das bedeutende polyfone Werk J. S. Bachs. Wegen der Zuverlässigkeit von „La Banda“ konnte der Dirigent den Chören die notwendigen Impulse geben, die Spannung aufrecht erhalten und zu dem enormen Mitgestalten animieren. Nahtlos miteinander harmonierten auch Orchester und Gesangssolisten. Anne-Kathrin Abels Sopran war von exquisiter Klangschönheit, technisch perfekt geführt, gut in der Phrasierung und in der Subtilität ihrer Ausdruckskunst.

Beeindruckend die samtene Alt-Herrlichkeit von Miriam Galonska, innig und gefühlswarm, schlank, engagiert, profund, ergreifend im Agnus Dei. Mit Tonschönheit, Prägnanz und Agilität machte der Tenor Richard Resch auf sich aufmerksam.

Er sang expressiv, mit großem Feingefühl und hoher Eindringlichkeit. Klanglich mächtig und überzeugend die Bässe Matthias Lika (im Credo) und Maximilian Lika (Im Gloria), die klar strukturierte, hohe musikalische Gestaltungsenergie und stimmliche Ausgewogenheit aufwiesen. Es gab lange stehenden Beifall für eine musikalische Sternstunde.

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