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Kreis Dillingen

23.01.2019

Eine besondere Hilfe für Kinder wird verlängert

Direktor Hermann Hillenbrand (AOK Günzburg), Sabine Schmidt, Leiterin der Suchtfachambulanz Dillingen, Landrat Leo Schrell, Barbara Habermann, Referatsleitung Sucht und Psychiatrie vom Caritasverband für die Diözese Augsburg, Eugenie Schweigert von der Geschäftsstelle Gesundheitsregionplus im Landkreis Dillingen, Dr. Uta-Maria Kastner, Leiterin des Fachbereichs Gesundheit am Landratsamt, Carolin Rolle von der Geschäftsstelle Gesundheitsregionplus Landkreis Dillingen und Constanze Bögel, Gruppenleiterin KIASU (von links).
Bild: Landratsamt

Kinder aus suchtbelasteten Familien haben ein sechsfach größeres Risiko, selbst an einer Sucht zu erkranken. Für sie gibt es eine Unterstützung.

Schon seit eineinhalb Jahren arbeiten AOK, Gesundheitsregionplus Landkreis Dillingen und die Caritas bei der Hilfe für Kinder aus suchtbelasteten Familien eng zusammen. „Wir sind überzeugt vom Projekt KIASU, welches einen wichtigen Beitrag für die Familien in der Region leistet“, betont Hermann Hillenbrand, Direktor der AOK Günzburg. Die Förderung des Projektes KIASU durch die AOK-Initiative „Gesunde Kommune“ wird bis 2020 verlängert und nun mit insgesamt über 25000 Euro unterstützt. „Wir freuen uns, mit der weiteren Förderung den Erfolg und die Arbeit mit den betroffenen Kindern und Jugendlichen weiter auszubauen“, sagte Hillenbrand laut Pressemitteilung weiter.

Die Kinder feiern zusammen Geburtstage und unternehmen Ausflüge

14-tägig am Freitagnachmittag treffen sich regelmäßig bisher vier Kinder mit zwei Mitarbeiterinnen des Projektes KIASU. Nach einem kurzen Austausch mit den Eltern oder den Sorgeberechtigten geht es in den Gruppenraum der Suchtfachambulanz. Constanze Bögel (Gruppenleiterin) hat diesen vorher schon liebevoll hergerichtet. Ein Sitzkreis aus bunten Kissen, eine liebevoll gestaltete Mitte und „der Elefant“, ein Kuscheltier, warten auf die Kinder. Wer den Elefanten hält, ist dran und darf berichten, wie es ihr/ihm seit der letzten Gruppe ergangen ist. Eine Sanduhr achtet darauf, dass alle die gleiche Zeit zum Sprechen bekommen. Dieses Eingangsritual ist wichtiger Bestandteil des Gruppennachmittages. Verlässliche Rituale, Erwachsene, die zuhören und auch mal erklären, was ist „Sucht“, was ist eine „Therapie“ oder warum kann mein Vater abends nur noch auf dem Sofa liegen oder wie kommt es, dass meine Mutter immer so traurig ist, sind hilfreiche Erfahrungen. Dabei ist es wichtig, den Kindern kindgerecht zu erklären, was sie erleben, und ihnen zu helfen, das Geschehene einzuordnen, damit sie nicht die Verantwortung für die Erwachsenen übernehmen. Sie lernen, sich an ihre Ansprechpartner der Gruppe zu wenden. Wichtige Rituale sind neben der Eingangs- und Abschlussrunde auch, dass die Gruppe gemeinsam Obst oder Gemüse schneidet, Geburtstage feiert und Ausflüge unternimmt. Die Rückmeldungen der Kinder und Eltern sind überaus positiv, und alle freuen sich immer wieder auf den Freitagnachmittag.

Auch die betroffenen Eltern werden unterstützt

Die wichtigen Elterngespräche werden von allen fünf Mitarbeiterinnen der Suchtfachambulanz Dillingen geleistet. In den Beratungsgesprächen sollen die suchtbelasteten oder suchtkranken Eltern motiviert werden, ihren Kindern dieses hilfreiche Gruppenangebot zukommen zu lassen. Dabei geht es darum, eigene Scham- und Schuldgefühle zu verarbeiten und zu überwinden, da es nur so möglich ist, für sich und ihre Familie Hilfe annehmen zu können. Aber auch Beratungsgespräche in Krisen der Familie können geleistet und die verschiedensten Hilfsmöglichkeiten vermittelt werden. So können die Mitarbeiterinnen ganzheitlich arbeiten und alle Familienmitglieder berücksichtigen.

Kinder aus suchtbelasteten Familien haben ein sechsfach größeres Risiko, selbst zu erkranken. Deshalb sei es so wichtig, diesen Teufelskreis zu durchbrechen. Frühzeitige Hilfen für Kinder, damit diese gesund und umsorgt aufwachsen können, zahlen sich für die Gesellschaft immer aus. Über dieses Gruppenangebot hinaus ist den Mitarbeiterinnen der Suchtfachambulanz Dillingen weiterhin wichtig, entstigmatisierend zu wirken. Das heißt, mit Informationen an die Öffentlichkeit zu gehen, um über das Thema „Alkohol- und Drogenkonsum als Krankheit“ aufzuklären und die Bereitschaft zu fördern, sich zu zeigen und darüber zu reden. Für Juli 2019 bereitet die Suchtfachambulanz Dillingen einen eigenen speziellen Fachtag zum Thema Sucht vor. Die nachhaltige Prävention im Bereich Sucht ist auch dem Landkreis Dillingen als Gesundheitsregionplus ein wichtiges Anliegen. Deshalb hat der Landkreis eine Verlängerung der finanziellen Projektförderung bis 30. Juni 2020 beantragt, verwaltet die Fördergelder und unterstützt die Suchtfachambulanz bei der Netzwerkarbeit. „Wir freuen uns, dass wir das Projekt weiter voranbringen können. Kinder und Jugendliche aus suchtbelasteten Familien im Landkreis sollen gestärkt werden, um ihnen ein gesundes Aufwachsen zu ermöglichen“, so Landrat Leo Schrell. (pm)

Lesen Sie dazu auch die bisher erschienen Folgen unserer Serie: Jugendhilfe im Landkreis Dillingen

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