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Wittislingen

27.06.2019

In Wittislingen wird das Wasser deutlich teurer

Wittislingen hat bisher jedes Jahr eine hohe Summe für die Wasserversorgung aufwenden müssen.
Bild: Jakob Stadler

Die Wittislinger haben lange zu wenig für ihr Wasser gezahlt - jetzt steigen die Kosten stark an. Die Gemeinde veranstaltet deshalb eine Bürgerversammlung.

Die Wassergebühren in der Marktgemeinde Wittislingen steigen um rund zwei Drittel. Bereits rückwirkend zum 1. Januar erhöht die Kommune die Kosten auf 2,53 Euro pro Kubikmeter. Wittislingen gibt seit Jahren hohe Summen für die Wasserversorgung aus – obwohl diese eigentlich kostendeckend sein muss.

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Wie Tobias Steinwinter, Geschäftsführer der VG Wittislingen erklärt, fehlte die Datengrundlage, um die richtigen Gebühren und Beiträge zu ermitteln. „Das Anlagenverzeichnis war sehr lückenhaft, wir konnten gar nicht mit den echten Zahlen rechnen.“ So hat die Kommune jahrzehntelang zu wenig Geld verlangt. Inzwischen hat Wittislingen ein neues Anlagenverzeichnis erstellt und von Experten berechnen lassen, wie viel die Bürger bezahlen müssen. Die Folge ist die Gebührenerhöhung um mehr als einen Euro pro Kubikmeter. Ulrich Müller kündigt deshalb eine Bürgerversammlung für den 10. Juli an. Ab 19 Uhr sollen in der Aula der Grund- und Mittelschule Fragen der Bürger geklärt werden.

2018 musste Wittislingen mehr als 60.000 Euro draufzahlen

„Sind wir dann kostendeckend?“, fragt Gemeinderat Walter Pfeifer, kurz bevor das Gremium der neuen Satzung geschlossen zustimmt. „Ja, wir sind damit ab 2018 kostendeckend“, antwortet Steinwinter. Denn das Defizit vom vergangenen Jahr – 62.126 Euro – wird auf die Jahre 2019 bis 2021 umgelegt. So bleibt unter dem Strich bereits 2018 kein Verlust mehr. Der hohe finanzielle Aufwand der Kommune in den Jahren zuvor lässt sich nicht mehr umlegen – auf diesem bleibt der Markt also sitzen.

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„Wir haben Geld verschenkt“, resümiert Ulrich Mayerle. Es sei gut, dass nun Rechtssicherheit geschaffen werde, doch die Gemeinde habe über viele Jahre hohe Kosten gehabt. „Wann hätten wir eigentlich reagieren müssen?“ Steinwinter betont, dass die Wasserversorgung eigentlich schon immer hätte kostendeckend sein müssen. Bürgermeister Müller geht in den Vortragsfolien zurück, bis zu der Seite, wo erklärt wird, wann Wittislingen welche Anpassungen beschlossen hat. „Da, spätestens da hätte das gemacht werden müssen“, sagt er. Er verweist auf den Beschluss der Satzung von 1983.

Alter und Qualität des Netzes sind entscheidend für die Kosten

Zum nächsten Mal wird die Gemeinde die Kosten 2022 kalkulieren, dann für vier Jahre. Sollte sich bis dahin doch wieder ein Defizit einstellen – schließlich basieren die Zahlen auf Prognosen –, wird dieses auf die folgenden Jahre umgelegt. Wenn die Gemeinde mit der Wasserversorgung einen Gewinn macht, wird dieser ebenso zugunsten der Bürger umgelegt.

„Andere Gemeinden sind doch günstiger …“, setzt Hans Wenger an. „Was machen die anders?“ Steinwinter sagt, dass er da im Detail keinen Einblick habe. „Aber es hängt sehr viel vom Alter und der Qualität der Netze ab.“ Wo die Leitungen neu sind, sind die Gebühren niedriger – es geht weniger Wasser verloren und es fallen weniger Kosten durch Rohrbrüche an. Dort seien dafür die Beiträge, also die Zahlungen für neue Anschlüsse, höher, weil Kosten für das neue Netz umgelegt werden. Auch in Wittislingen habe man in den vergangenen Jahren einen Teil des Netzes erneuert, das ist auch künftig geplant. Den hohen – und teuren – Wasserverlust habe man so schon deutlich reduziert. (Das Thema beschäftigt nicht nur Wittislingen: Das Wassernetz im Landkreis Dillingen ist zu alt)

Auch die Beiträge für neue Anschlüsse ändern sich

Die Beiträge verändern sich in Wittislingen ebenfalls, aber nicht so drastisch wie die Gebühren. Pro Quadratmeter Geschossfläche steigen sie um acht Cent auf 1,88 Euro, pro Quadratmeter Grundstücksfläche sinken sie gemäß den Berechnungen der Experten sogar um drei Cent auf 1,02 Euro. Holger Dünzel will wissen, ob das dazu führen könne, dass ausgestellte Beitragsrechnungen anfechtbar werden – schließlich könnte jemand für ein unbebautes Grundstück zu viel gezahlt haben. Steinwinter erklärt, dass für rechtssichere Beitragsbescheide gelte, dass sie nicht mehr geändert werden können und nicht anfechtbar sind. Für die vergangenen Jahre könne man aus den Zahlen sowieso keine Rückschlüsse ziehen, weil die Höhe der Beträge von vielen Faktoren abhängig und damit „im Fluss“ sei.

Das Thema war der Anlass der eingeschobenen Sitzung Ende Juni. Denn um die Regelungen rückwirkend zum 1. Januar ändern zu können, braucht es einen Gemeinderatsbeschluss innerhalb des ersten Halbjahres. Schon vor Monaten hatte die Gemeinde einen Bevorratungsbeschluss getroffen, der öffentlich bekannt gegeben wurde – eine weitere Voraussetzung für eine gültige rückwirkende Erhöhung.

Auch das war ein Thema der Sitzung: In dieser Straße in Wittislingen gilt bald ein Halteverbot

Lesen Sie dazu auch: Wie steht es um unsere Wasserleitungen?

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