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Dillingen

11.11.2016

Perlentaucher im nordschwäbischen Musikmeer

Nach zehn Jahren wieder zuhause: Der gebürtige Dillinger Christian Döß, Saxophonist bei der Augsburger Combo arTrio&Friends, trat bei der Songwriters Night auf.
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Nach zehn Jahren wieder zuhause: Der gebürtige Dillinger Christian Döß, Saxophonist bei der Augsburger Combo arTrio&Friends, trat bei der Songwriters Night auf.
Bild: Hans Gusbeth

Zwölf Männer und eine Frau zeigten ihre Kreativität bei der 9. Singer-Songwriter Night im Chili.

Komponieren, schreiben, spielen, singen – und dann eine Plattform finden, um das Ergebnis dem Publikum vorzustellen. Genau darum geht es kreativen Künstlern, die sich aus der Masse der kommerziellen und Cover-Bands herausheben wollen. Und genau diese Plattform bietet die Singer Songwriter Night, die Robert Christa seit 2010 im Chili in Dillingen aufgebaut hat. Auch bei der neunten Veranstaltung dieser Reihe am Samstag gelang es dem Song-Perlentaucher Christa wieder vortrefflich, diese musikalischen Perlen aus den Tiefen des erweiterten nordschwäbischen Musik-Meeres an die Oberfläche zu befördern.

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Komponieren, schreiben, spielen, singen – wie kein andere hat der Lyriker und Sänger Robert Zimmermann die Kulturgeschichte Amerikas geprägt. Es sind erst vier Wochen her, dass er, Bob Dylan, den Literatur-Nobelpreis erhielt, für seine „neuen poetischen Ausdrucksformen in der großen amerikanischen Songtradition“. In dieser Tradition steht Stephanie Forryan. Die Neu-Engländerin erwies sich im Chili als eine „Song-Jägerin“, eine Diana des Folk, die sich mit Akustik-Gitarre treffsicher auf eine poetische Jagd macht und mit facettenreicher Stimme ihre Beute präsentiert. Die Wahlberlinerin singt in ihrer „süßen Schlaflosigkeit“ (Titel ihres ersten Solo-Albums: „Sweet insomnia“) von Liebe und Schmerz, Alpträumen und Gespenstern. Die poetische Amazone hat unter anderem Joan Baez als Vorbild. Jene Joan Baez, die in den 60er Jahren dem jungen Robert Zimmermann zum Karrierestart verhalf.

Eingebettet war ihre Präsentation in dreimal Jazz, wie er unterschiedlicher nicht sein könnte. Mit Jazzup aus Ichenhausen, der Gerhard Rehm Band aus Lauingen und arTrio&friends aus Augsburg schaffte es Robert Christa einen Bogen der Vielfalt zu spannen wie nur der Jazz ihn bieten kann. Denn so unterschiedlich die Stile der Bands, so augenscheinlich gelang es ihnen deutlich zu machen, dass Jazz keine reproduktive Angelegenheit ist, sondern von der Improvisation lebt. Oder wie es Till Brönner ausdrückt: Klingt nicht kalkuliert, wie im Kaufhaus. Erfreulich, dass sich Jazzup aus Ichenhausen in diesem Jahr als Quartett wiedergefunden hat. Mit Swing, Blues und Boogie-Woogie sorgten Tasten-Rastelli Dominik Wiedenmann (Piano, Komposition), Andreas Wieland (Schlagzeug) sowie die Gründungsväter Richard Guserle (Saxophon) und Martin Wieland (Kontrabass) für einen schwungvollen Einstieg. Hardrockig wurde es dann bei „Band mit Gerhard“, so Gerhard Rehm (Gitarre, Gesang). Mit seinen Kollegen Manfred Bischoff (Bass), Robert Ilg (Schlagzeug) und Bernd Prinzing (Gitarre) und Titeln wie dem Protestsong „quarter to ten“ zeigte er, dass Rock auch politisch sein kann. Zum Abschluss um Mitternacht präsentierte sich mit arTrio&friends (Fred Brunner, Piano, Komposition), Peter Wachter (Bass), Joachim Gröschel (Schlagzeug) eine Weltmusik-Formation in der mit Christian Döß ein gebürtiger Dillinger eine Heimat gefunden hat. Der begnadete Saxophonist spielte nach zehn Jahren erstmals wieder in seiner Heimatstadt. Und wie! Befeuert vom „Fusions-Reaktor“ Fred Brunner lieferte die Smooth-Jazz-Rock Combo eine äußerst eingängige Fusion von Jazz und Weltmusik, von Klangfarben und Rhythmen, Melodien und Harmonien ganz in der experimentierfreudigen Tradition des modalen Jazz eines Miles Davis, mehr noch eines Lennie Tristano.

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