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Landkreis Dillingen

31.05.2019

Schnelles Internet: Wird der Landkreis Dillingen abgehängt?

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Bürgermeister in der Region haben die Sorge, dass der Landkreis Dillingen bei der Breitbandversorgung abgehängt wird.
Bild: Jan Woitas/dpa

Bürgermeister in der Region ärgern sich über Förderprogramme und Netzanbieter. Ihre Kritik fällt heftig aus.

Wie schnell ist das Internet in einer Region? Ist sie flächendeckend versorgt? Für die Zukunftsfähigkeit der Kommunen spiele das eine entscheidende Rolle, sagt Christian Weber von der Wirtschaftsförderstelle des Landkreises den Bürgermeistern der Region bei der Dienstbesprechung im Dillinger Colleg. Es geht in seinen Bericht um die Förderprogramme für den Netzausbau und deren Beanspruchung durch die Gemeinden im Landkreis. Der zählt zu den attraktiven Wirtschaftsregionen in Deutschland mit einer hohen Lebensqualität, hören die Rathauschefs wiederholt von Landrat Leo Schrell. Damit das so bleibt, brauchen Unternehmen ebenso wie private Haushalte schnelles Internet. „Hochbitratige Breitbandanschlüsse sind längst von absolut strategischer Bedeutung für einen Standort“, erklärt Weber.

Es gibt weiße Flecken bei der Versorgung

Deshalb haben 22 Kommunen im Kreis eine Förderung in Anspruch genommen oder befinden sich noch im Förderverfahren. 13,4 Millionen Euro wurden investiert, 9,3 Millionen davon mithilfe einer Förderung. 26 Kommunen haben weitere Ausbaupläne. Die 27 Landkreis-Kommunen meldeten für 127 Gemeinde- und Ortsteile eine höchst unterschiedliche Breitbandversorgung. Zwei Gebiete sind mit weniger als 16 Mbit/s (Megabit pro Sekunde) versorgt, drei mit 16 bis 30 Mbit/s. Der Großteil, 64, bekomme laut Vorsorger mindestens 30 Mbit/s, 22 mindestens 50 Mbit/s. Nur 36 Gebiete erhalten bis oder über 100 Mbit/s. Kurz zuvor haben die Bürgermeister aber gehört, dass mindestens 200 Mbit/s nötig sind, wenn die Digitalisierung in den Grund- und Mittelschulen funktionieren soll. Zwar haben die Versorger in 87 Gebieten schon Glasfaser bis zum Kabelverzweiger gelegt, doch die Leistung geht mehr und mehr verloren, je weiter der Weg durch die Kupferkabel bis zum Endgerät des Nutzers ist. Insgesamt 19 der 27 Landkreis-Kommunen hätten noch weiße Flecken im Gemeindegebiet.

Der Frust bei den Bürgermeisterin ist groß

Der Frust bei den Rathauschefs wird deutlich, als es um dieses Thema geht. Die Gemeinde Glött zum Beispiel bekommt auf eine Ausschreibung kein Angebot. Der Ort wird durch die Telekom versorgt, die gebe aber bei weniger als 30 Anschlüssen kein Angebot ab, heißt es. Andere Versorger investieren nicht in ein Gebiet, wo sie keine weiteren Kunden haben, ärgert sich Bürgermeister Friedrich Käßmeyer: „Was hilft uns die Förderzusage, wenn keiner da ist, der ausbaut?“ Davon, die Leerrohre auf Gemeindekosten zu legen, hält er wenig. „Wir brauchen später auch einen Anbieter, der uns das versorgt.“

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„Die Förderprogramme sind von vorgestern“

Für Tobias Steinwinter ist klar: „Die Förderprogramme sind von vorgestern.“ Der Zöschinger Bürgermeister bemängelt, dass die Telekom die Glasfaser nicht bis ins Gebäude bringe. Das zweite bayerische Breitbandförderprogramm plus Höfebonus greife nur, wenn die Versorgung unter 30 Mbit/s liegt. „Die Gebiete mit 30 Mbit/s sind die weißen Flecken von morgen“, befürchtet Steinwinter. Als „Flickerlteppich, der uns nicht weiterbringt“, bezeichnet Johann Gebele die Ausbausituation in Laugna. „Die Telekom blockiert uns in alle Richtungen“, steht für den Bürgermeister fest, „auch in Neubaugebieten verlegt die Firma keine Glasfaser.“ In Ballungsgebieten würde ausgebaut, „wir werden schrittweise abgekoppelt, die hängen uns alle ab“, schimpft Gebele. In Bachhagel habe die Gemeinde selbst Leerrohre gelegt. Das brachte Ingrid Krämmel in Zugzwang: „Wir mussten darum kämpfen, dass die Telekom die überhaupt nutzt.“

Landrat Schrell hofft auf das neue Förderprogramm

Dillingens Oberbürgermeister Frank Kunz bestätigt: „Wir brauchen andere, zeitgemäße Förderprogramme.“ Er hat die Stadtwerke im Rücken, die in Baugebieten, welche die Telekom nicht versorgen möchte, Leerrohre gelegt haben, Mnet habe als Provider die Versorgung übernommen. Die Zusammenarbeit funktioniere in Dillingen und Lauingen. Landrat Schrell hofft, dass mit dem neuen Förderprogramm, das Mitte des Jahres vorgestellt werden soll, die Glasfaser bis in die Gebäude komme. Als Schrell abschließend bei der Frage nach der Zufriedenheit mit der Telekom in einer Skala bis zehn die zwei nennt, kommt Protest auf. Der Landrat korrigiert den Wert schließlich auf null Zufriedenheit nach unten.

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