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Kreis Dillingen

10.02.2015

Verkürztes Bein operiert: Der vierjährige Ben kann wieder laufen

Der vierjährige Ben hat ein "neues Bein". Damit kann er nun sogar mit anderen Kindern toben.
Bild: Kirschke

Wegen seines verkürzten Beins konnte der vierjährige Ben bisher nicht mit anderen Kindern toben. Nach einer schweren Operation ändert sich nun aber alles.

Mit den Buben und Mädchen im Kindergarten toben. Mit Papa um die Wette rennen. Oder einfach nur die Treppen zur Küche hinunterlaufen. Ben kann es wieder. Endlich. Nach wochenlangem Liegen und schmerzhaftem Krabbeln kann der Vierjährige wieder auf zwei Beinen stehen und sich frei bewegen. Was für andere in seinem Alter selbstverständlich ist, ist für ihn und seine Familie ein kleines Wunder. Mama Juliane Kirschke sagt: „Nun geht es bergauf. Wir sind alle sehr erleichtert.“

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Ben ist am 20. Oktober 2010 mit der Diagnose „Proximal femoral focal deficiency (PFFD) mit Fibulaaplasie“ auf die Welt gekommen. Von Geburt an haben seine Eltern alles versucht, um ihm so gut wie möglich ein normales Leben zu ermöglichen. Denn aufgrund der Krankheit hat Ben schlimme Hüft- und Knieprobleme, einige Fehlstellungen, und sein linkes Bein – er nennt es „Babybein“ – ist stark verkürzt. Hatte.

Denn heute hat Ben keine Schmerzen mehr und kann sich frei bewegen – so viel er sich eben mit seiner neuen Orthoprothese zutraut. Denn dank einer Operation im vergangenen Herbst mit einem amerikanischen Spezialisten, der extra für den Blindheimer Buben nach Augsburg eingeflogen ist, wurden einige wichtige Korrekturen vorgenommen.

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Spenden von Menschen aus der Region ermöglichten das kleine Wunder

Wie berichtet, wurde diese wichtige und schwierige Operation mit dem weltweit anerkannten Facharzt Dr. Dror Paley nur möglich, weil Menschen aus dem Landkreis Dillingen und darüber hinaus für den kleinen Ben gespendet haben. Denn die Operation war sehr teuer – rund 40000 Euro. Als wir aber über das Schicksal des Buben berichteten, brach eine einzigartige Spendenwelle aus. Mit Erfolg.

Die Operation fand statt, alles verlief nach Plan. Bei dem sechsstündigen Eingriff wurden 50 verschiedene einzelne Schritte auf einmal gemacht. Vor allem Knie und Hüfte haben sich stark verändert, und mittlerweile kann der Vierjährige sich schmerzfrei bewegen. Denn in den kommenden Wochen nach der Operation musste der tapfere Kämpfer viel liegen und durfte sich nur unter Beobachtung und mit Unterstützung bewegen.

Kurz vor Jahresende behalf er sich dann mit Krücken und wurde zum Krabbel-Weltmeister. Seit vergangenem Mittwoch kann er nun endlich auf zwei Beinen stehen, wie Mama Juliane Kirschke glücklich mitteilt. „Wir haben ganz schön lange gewartet, aber das hat sich gelohnt. Ben gibt sein neues Bein gar nicht wieder her“, sagt sie und lacht. Sein „neues Bein“ ist eine speziell für ihn angefertigte Orthoprothese, die die Krankenkasse für die Blindheimer Familie finanziert.

„Damit hat er jetzt richtig Halt und kommt gut voran. Am Anfang muss er jetzt natürlich das richtige Laufen üben, aber es geht immer besser“, erzählt die Mama weiter. Am allerschönsten sei, dass Ben sich ganz normal bewege – aus dem Becken heraus und mithilfe seiner Po-Muskulatur benutze er sein Babybein. „Genau so, wie es jeder macht. Das haben wir nur der Operation zu verdanken. Wir sind sehr zufrieden mit dem Heilungsverlauf.

Nun kann Ben wieder regelmäßig in den Kindergarten

Einzig die Streckung könnte noch ein wenig besser sein. Aber hexen können wir noch nicht“, so Juliane Kirschke. Vor dem komplizierten Eingriff hatte der Bub zwar auch eine Orthoprothese, diese konnte er aber nur kurze Zeit tragen. Weil eben unter anderem Hüfte und Knie nicht richtig in Form standen, wurde schnell alles wund und Ben hatte Schmerzen. Das gehört nun der Vergangenheit an. „Das ist für ihn jetzt natürlich eine große Umstellung, aber er ist total glücklich und ihm geht es gut. Er läuft zum ersten Mal in seinem Leben normal.“

Deswegen geht Ben auch wieder regelmäßig in den Kindergarten und tobt sich dort mit seinen Freunden aus. Natürlich, so erzählt es Mama Juliane, gehe sie mit ihm weiterhin zur Krankengymnastik, und regelmäßig stehen Untersuchungen an. Der nächste Kontrolltermin, bei dem Bens Babybein geröntgt wird, ist im März.

„Vielleicht kann man dann schon eine Verknöcherung sehen. Das wäre toll.“ Denn erst, wenn das Bein genügend verknöchert ist, kann die Familie überlegen. Überlegen und entscheiden, ob das Babybein gestreckt werden soll. Denn mit der ersten Operation mit dem amerikanischen Spezialisten wurden die Voraussetzungen dafür geschaffen, eine Streckung wurde noch nicht vorgenommen. „Ich denke, dass dieses Thema frühestens Endes des Jahres auf den Tisch kommt. Momentan sind wir einfach erleichtert, dass Ben so viel Freude an der Bewegung hat.“

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