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Höchstädt

14.11.2019

Wie Arthur Thanner aus einem kleinen Laden eine große Firma machte

Arthur Thanner hat aus einem kleinen Schuhgeschäft ein mittelständisches Unternehmen gemacht, das inzwischen etwa 250 Menschen in Höchstädt beschäftigt. Der Unternehmer feiert am Freitag seinen 90. Geburtstag.
Bild: Berthold Veh

Plus Der Höchstädter Unternehmer, der am Freitag seinen 90. Geburtstag feiert, spricht über die Gründe für seinen Erfolg. Und warum es ein Glück war, dass er auf seine Frau hörte.

Vermutlich ist dies ein Geheimnis für seinen Erfolg. Arthur Thanner lässt sich von Schwierigkeiten nicht unterkriegen, sondern sieht sie mit einem unerschütterlichen Optimismus als Herausforderungen. Auf diese Weise hat es Thanner, der am heutigen Freitag seinen 90. Geburtstag feiert, weit gebracht.

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Aus einem kleinen Sport- und Schuhgeschäft in der Bahnhofstraße hat der Höchstädter eine große mittelständische Firma gemacht. Etwa 250 Mitarbeiter produzieren heute auf dem Firmengelände am Fallenweg unter anderem Schäfte (Oberteile von Schuhen) für Orthopädie-Schuhmacher und Spezialschuhe für Diabetiker und Rheumatiker.

Sein Rat ist nach wie vor gefragt

Arthur Thanner ist auch heute noch jeden Tag im Betrieb. „Ich mache täglich eine Runde, um die Mädchen und Jungs zu begrüßen“, sagt der 90-Jährige. Ins operative Geschäft mischt sich der Seniorchef nicht mehr ein. „Aber sein Rat ist nach wie vor gefragt“, sagt Tochter Nicola, die mit ihrem Mann Dieter Kipfelsberger bereits seit 1995 das Unternehmen führt. Arthur Thanner ist anzumerken, dass er mit der Entwicklung sehr zufrieden ist. „Und ich darf in der Früh ja die Post in der Firma aufmachen“, sagt der Höchstädter mit einem Lächeln im Gesicht.

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Aus der Aushilfe wurde eine Leidenschaft

Im Rückblick wundere er sich selbst immer noch über die Firmengeschichte. Thanner, Jahrgang 1929, hatte das Gymnasium in Dillingen besucht. Am Ende des Kriegs war die Schule vorübergehend geschlossen. Und weil sein Vater August so viel Arbeit hatte, half der Sohn ihm im Geschäft aus. Daraus wurde eine Leidenschaft, denn der Junge kehrte nicht ins Gymnasium zurück. Sein Vater meldete ihn nachträglich als Schuhmacher-Lehrling an, Arthur Thanner machte schließlich den Meister und erhielt später die Goldene Ehrennadel des Landesverbands der Schuhmacher. „Das ist mein Traumberuf, ich würde wieder Schuhmacher werden wollen“, sagt Thanner. Sein Vater impfte ihm aber auch gleichzeitig folgende Arbeitsmoral ein: „Du bist in der Früh der Erste im Geschäft, und abends der Letzte, der geht.“ Darin sieht Arthur Thanner eine Voraussetzung für den Erfolg, den er und seine Frau Gerlinde mit ihrer Schäfte-Firma eingefahren haben. „Wir haben Tag und Nacht gearbeitet, auch samstags – und oft auch am Sonntag“, blickt der 90-Jährige zurück.

Zwölf Jahre lang führte er die Wirtschaftsvereinigung

Arthur Thanner hatte nicht nur das Sport- und Schuhgeschäft seines Vaters in der Bahnhofstraße übernommen. Er war auch gesellschaftlich aktiv, gründete die erste Skischule im Landkreis, zählt zu den Gründungsmitgliedern der Ski- und Tennisabteilung der SSV Höchstädt. Zwölf Jahre lang führte er die Höchstädter Wirtschaftsvereinigung. Seine beruflich wichtigste Entscheidung fiel 1974. Damals begannen Arthur und Gerlinde Thanner mit der Herstellung von Schäften, die für die Maßanfertigung von orthopädischen Schuhen gebraucht werden. Damals seien meist „schwarze, hässliche Stiefel“ im Umlauf gewesen. Die Firma Thanner setzte auf modischere Schnitte, die Nähte wurden feiner und eleganter. Das von der Konkurrenz anfangs belächelte Unternehmen entwickelte sich sprunghaft.

Arthur Thanner hatte schnell bemerkt, dass beides zusammen, der Laden und die Schäfte-Produktion, nicht mehr zu machen war. Und deshalb liegt ein weiteres Geheimnis seines Erfolgs darin, dass er auf seine Frau Gerlinde hörte, mit der er im August die Goldene Hochzeit gefeiert hat. Denn sie riet ihm, den Laden aufzugeben und sich ganz auf die Schäftefertigung zu konzentrieren. Mit 16 Mitarbeitern zog die Thanner GmbH 1980 in den Neubau am Fallenweg um. Der Betrieb wird seit dieser Zeit in regelmäßigen Abständen erweitert, die Mitarbeiterzahl steigt kontinuierlich. Schäfte und Spezialschuhe gehen mittlerweile von Höchstädt aus bis nach Dubai und Japan. Vor vier Jahren wurde Thanner für seine „herausragende unternehmerische Leistung“ und sein „vorbildliches gesellschaftliches und gemeinnütziges Engagement“ mit dem Ehrenpreis der Dillinger Sparkasse ausgezeichnet.

Mit der Donau-Zeitung "fängt der Tag gut an"

Arthur Thanner wird seinen Geburtstag am Freitag feiern, „natürlich mit den Mitarbeitern“. Und zuvor wird er, wie jeden Morgen, die Donau-Zeitung lesen. „So fängt der Tag gut an“, sagt Thanner. Wenn er auf sein Leben zurückblicke, sei er „unendlich dankbar“. Auch für die beiden Enkel Niklas (20) und Luca (16) – der Jüngere hat eine Ausbildung zum Orthopädie-Schuhmacher begonnen. Dass er nun zwei Mal in der Woche zur Dialyse ins Krankenhaus fahren muss, trägt Thanner mit Fassung. Er hat den Spruch, dass es ihm recht gut gehe, abgewandelt. Thanner sagt: „Mir geht’s schlecht gut.“

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