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EU

15.07.2016

Wie betrifft Europa unsere Jugend?

Das Zeitzeugengespräch mit Prof. Dr. med. Jürgen Kleditzsch (Zweiter von rechts, stehend) und Dr. Madeleine Petschke (stehend rechts) brachte den Azubis von Firmen aus dem Landkreis das Thema „Friedliche Revolution und Deutsche Einheit“ näher. Das einwöchige „Europa-Seminar“, in dessen Rahmen die Veranstaltung stattfand, veranstaltet der Trägerverein des Schullandheims Bliensbach. Auf dem Foto (vorne von rechts) Geschäftsführer Hubert Götz und Seminarleiterin Gabriele Buberl.
Bild: Bunk

In einem Seminar beschäftigen sich Auszubildende gerade eine Woche intensiv mit diesem Thema. Was berührt sie?

Die Deutsche Einheit hat die Zeit des Kalten Krieges beendet. Dass die lange Zeit des Friedens durch Menschen aus Ost und West möglich wurde, durch die friedliche Revolution, das ist etwas Besonderes. „Sich daran zu erinnern ist wichtig, sonst verlieren wir etwas Wertvolles“, antwortet Professor Dr. med. Jürgen Kleditzsch auf die Frage von Dr. Madeleine Petschke von der Deutschen Gesellschaft in Berlin. Der 72-Jährige war Mitglied der ersten frei gewählten Volkskammer der DDR, unter anderem Minister für Gesundheitswesen in der Regierung de Maizière.

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Der Zeitzeuge erzählt den Jugendlichen vom Beitritt zur Bundesrepublik Deutschland. Er, der aus einem Land kommt, in dem es keine freien Wahlen gab, fordert sie auf, wählen zu gehen. Weil sie sonst den Gegnern ihre Stimme zuspielen. Die jungen Leute sind berührt, als er ganz offen davon spricht, dass jeder in seiner Familie wusste, dass sie im Haus vom Staatssicherheitsdienst abgehört wurden, weshalb wichtige Gespräche beim Spaziergang mit dem Hund geführt wurden. Dass sie nicht an Flucht dachten, weil sie wussten, welche Folgen das für die Zurückbleibenden gehabt hätte. Er spricht vom Verrat durch Bekannte an die SED, dann von der Euphorie im Jahr 1989 und später von der großen Welle der Enttäuschung. Und davon, dass die Politik ihre Aufgabe vernachlässigt, den Menschen ihr Vorgehen zu erklären, was von vielen politischen Gruppen für rechtsradikale Zwecke genutzt wird.

Knapp 20 Auszubildende der Firmen Grünbeck in Höchstädt, Erwin Müller und Romakowski (Buttenwiesen), der Molkerei Gropper (Bissingen), der Sparkasse und der Firma Röhm (Dillingen) und der VG Wertingen befassten sich von Montag bis zum Freitag intensiv mit dem Thema „Europa“. Im Rahmen des Jugendintegrationsprojekts „Zukunft gemeinsam gestalten“ veranstaltet der Trägerverein Schullandheim Bliensbach das Seminar, das mit der Verleihung des Europäischen St.-Ulrichs-Preises an Bundesfinanzminister Dr. Wolfgang Schäuble am heutigen Nachmittag endet.

Wie betrifft Europa unsere Jugend?

Was ist die europäische Idee, wie funktioniert die Europäische Union (EU) und vor welchen Herausforderungen steht sie? Wie stellt sich die europäische Flüchtlings- und Asylpolitik aus der Sicht des Landkreises Dillingen dar? Wie bildet das christliche Menschenbild die Grundlage des Handelns und warum ist die Religionsfreiheit nicht verhandelbar?

Anhand von Führungen durch das Schloss Höchstädt sowie die Umweltstation Mooseum Bächingen erhalten sie weitere bleibende Eindrücke. Die jungen Leute haben zwar im Sozialkundeunterricht schon vieles über die Themen gehört, doch jetzt können sie sich ein ganz anderes Bild über die Vorgänge machen, sind sich Laura Ricciardi aus Lauterbach (Sparkasse Dillingen) und Nathalie Gerneth aus Geratshofen (Erwin Müller) einig. Den „Brexit“ finden beide nicht gut. „Die haben wohl nicht richtig nachgedacht, was es für Folgen hat“, meint Laura. „Aber es ist deren Entscheidung“, ergänzt Nathalie. Als Vorteil der EU sieht Manuel Schuster aus Höchstädt, dass die Gemeinschaft gestärkt und die Wirtschaft angetrieben wird. Der Zusammenhalt der Länder, die sich auch gegenseitig helfen, bildet nach Meinung von Sara Eisen aus Donaumünster (Firma Gropper Bissingen) eine wichtige Grundlage für ein friedliches Miteinander in der Zukunft.

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