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Dillingen

20.01.2020

Wie der Luftwaffenmusikkorps Erfurt im Stadtsaal begeistert

Mit 50 Mitgliedern gestaltete das Luftwaffenmusikkorps ein anspruchsvolles, aber auch mitreißendes Programm.
Foto: Erich Pawlu

Von Wien nach Dillingen – für den Dirigenten Tobias Wunderle ist der Auftritt im Stadtsaal eine Heimkehr. Wie die Musiker mit Holzschlagstöcken für Rhythmus sorgen.

Vor der Reise nach Dillingen hatte das Luftwaffenmusikkorps Erfurt in Wien gastiert. Beim Benefiz-Konzert im Stadtsaal war noch viel Wiener Luft zu spüren. Zugleich deklarierte der Dirigent, Major Tobias Wunderle, die Vortragsfolge auch als einen musikalischen Gruß an die schwäbische Heimat.

Die 50 Korpsmitglieder versetzten die Besucher mit jedem vorgetragenen Stück in Begeisterung. Zur Freude gab es, wie Oberbürgermeister Frank Kunz in seiner Begrüßung verdeutlichte, auch zusätzlichen Anlass: Der Dirigent stammt aus Fristingen, der Stadtsaal war restlos ausverkauft und der Konzerterlös fließt in die Dillingens musikalische Nachwuchsförderung, Schon der Auftakt mit der Ouvertüre zur Franz-von-Suppé-Oper „Leichte Kavallerie“ stimmte auf die hohe Qualität des Zweieinhalb-Stunden-Programms ein: Mit höchster Präzision und ständigem Koloritwechsel wurden das selbstbewusste militärische Pathos der ‘K.-u.-k.-Monarchie, die damals populäre ungarische Moll-Romantik und die Lebenslust im Reitertakt zu perfektem Ausdruck gebracht.

Wie Kampfabläufe in Ton gesetzt wurden

Ziehrers berühmter „Schönfeld-Marsch“ verband in dieser souveränen Interpretation schmissige Zuversicht mit österreichischem Charme. Zustimmenden Beifall fand auch das von Stefan Schwalgin besorgte Arrangement von Melodien aus „Im Weißen Rössl“: Die Inhalte der einzelnen Lieder unterstrichen die Operettenseligkeit vergangener Zeiten, in denen das Glück immer „vor der Tür“ stand, die ganze Welt „himmelblau“ war, nicht nur das Salzkammergut zum Lustigsein anregte und ein Sigismund seine Schönheit nicht zu verantworten hatte.

„Die Völkerschlacht bei Leipzig“ komponierte Richard Eilenberg im Jahre 1897, als die Verklärung von Schlachten noch üblich war. Aber das Luftwaffenmusikkorps Erfurt gestaltete die in Ton gesetzten Kampfabläufe des Jahres 1813 nicht als musikalisches Triumphgeschrei, sondern als akustische Schilderung einer phantastisch-phantasierenden Erinnerung an die Phasen der Schlacht und als Wiedergabe religiöser Empfindungen der Davongekommenen.

Auch Filmmusik und bekannte Hits verzaubern die Zuschauer

Einen besonderen Akzent erhielt dieser Abend durch die sachkundige Moderation des Dirigenten. Die Erläuterungen zu jedem Stück verhalfen der Zuhörerschaft zu vertieftem Verständnis. Das galt auch für die Vorträge im zweiten Teil, der dem Musikkorps Gelegenheit gab, seine Kunst auf dem Gebiet der Film- und Popmusik zu demonstrieren. Das Spiel mit ständigem Tempowechsel, mit Dissonanzen, vor allem aber mit dem Hit „Over the Rainbow“ charakterisierte die James-Barnes-Bearbeitung der Melodien aus „The Wizard of Oz“. Und südamerikanische Leidenschaft wurde mit Rafael Hernández Maríns „El Cumbancero“ herbeigezaubert. Zwischendurch präsentierte sich auch Major Wunderle als Magier: Ein mehrfach zerrissenes Notenblatt erwies sich in seiner Zauberhand plötzlich wieder als heil und unversehrt.

Für eine spektakuläre Einlage sorgten vier Korpsmitglieder mit ihrem getrommelten Feuerwerk.
Foto: Erich Pawlu

Für ein spektakuläres Zwischenspiel sorgten vier Korpsmitglieder. Mit je zwei Holzschlagstöcken nutzten sie Holzhocker als Resonanzkörper und gestalteten mit diesen einfachen Mitteln in rhythmischer Koordination ein brillantes getrommeltes Festival. Zum Mitsingen veranlasst sahen sich die Besucher beim Volksliedermedley „Deutschland ist schön“. Der stürmische Beifall erzwang am Ende mehrere Zugaben. Oberbürgermeister Kunz drückte im Schlusswort aus, was alle dachten: Dieses Luftwaffenmusikkorps ist in Dillingen immer herzlich willkommen.

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