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04.05.2020

Serie „Mein Sportverein“ (1): Glücklich im Grenzland

Erst 19 Jahre alt und schon Vorsitzender seines Schützenvereins: Franz Baumann aus Reistingen.
Bild: fb

Den Schützenverein Alte Burg in Reistingen führt ein junger Mann als Vorsitzender. Franz Baumann erzählt, was übers Jahr so alles abgeht und warum er sich in seinem Verein so wohlfühlt

Es ist ein reger Verein in einer beschaulichen Ortschaft. Der SV „Alte Burg“ in Reistingen zählt aktuell 77 Mitglieder – bei nur 216 Einwohnern des kleinen Ortes am äußersten Rande des Landkreises und auch Bayerns: Nur wenige hundert Meter westlich, östlich und nördlich von Reistingen liegt die Grenze zu Württemberg. Die ist für die lokalen Schützen aber gar keine: Schließlich gehören dem Donau-Brenz-Egau-Sportschützengau auch Vereine aus dem Nachbar-Bundesland an. Dafür, dass aus der „Alten Burg“ keine Ruine wird, sorgt ein junger Mann: Der 19-jährige Vorsitzende Franz Baumann ist seit April 2019 im Amt.

Er ist seit 2012 aktiver Schütze, auch dank frühkindlicher Prägung: Als Knirps durfte der kleine Franz bereits das Vereinsschild bei Umzügen tragen. Schnell war er in das Vereinsleben integriert – und ist es bis heute. Sein Vater, heute noch als Kassenwart aktiv, war Jugendsportleiter bei den Alte-Burg-Schützen, der Junior führt diese Tradition des ehrenamtlichen Engagements weiter. „Ich möchte mit meinen erst 19 Jahren zeigen, dass auch junge Menschen Verantwortung tragen können, und will die Menschen jeder Altersgruppe motivieren, mehr im Vereinswesen aktiv zu werden.“

In Reistingen sind neben dem Schützenverein noch der Musikverein, die Jagdgenossenschaft, die Freiwillige Feuerwehr, die Vereinsgemeinschaft Dorfhaus e.V. und ein Ortsverein des Bayerischen Bauernverbands ansässig. Die „Alte Burg“ ist ein gutes Beispiel dafür, dass gerade in den kleinsten Gemeinden das Vereinsleben nach wie vor die Generationen zusammenhält.

Franz Baumann zählt auf, warum es sich für Ortsansässige wie auch Zweitvereinsmitglieder aus Nachbarorten auf jeden Fall lohnt, an diesem Vereinsleben teilzunehmen: „Der Schützenverein Reistingen legt großen Wert auf ein Zusammenkommen von Jung und Alt, denn von alten Hasen lernt man am besten. Die Geselligkeit steht bei uns ganz oben. Anstrengende Schießabende lassen wir traditionsweise stets im Bierstüble ausklingen. Das stärkt die Zusammengehörigkeit und ist heutzutage leider ein viel zu seltenes Ritual geworden.“

Ein Ritual, das wegen Corona aber aktuell flachfällt. Erst nach der Krise können sich die Vereinsmitglieder wieder auf ihre Schießveranstaltungen freuen. Dazu zählen vor Ostern normalerweise ein Ostereierschießen, dabei werden je nach Schießerfolg gefärbte Eier gewonnen. „Das ist dieses Jahr ja leider ausgefallen, war aber in den letzten Jahren immer eine große Attraktion bei uns“, sagt Baumann: „Jedes Jahr nehmen wir am Rundenwettkampf teil, dazu kommen einige Übungsschießtage. Ende Juni, Anfang Juli beginnt dann normalerweise unser Sommerpreisschießen, bei dem die besten fünf Schützen einen Biergartengutschein gewinnen. Da sich unter unseren Mitgliedern ortsansässige Jäger befinden, sind wir in der glücklichen Lage, ein Wildbretschießen anbieten zu können. Saisonabschließend führt der Verein zudem noch ein Königsschießen durch.“

Was heuer ob und wann stattfinden kann, hängt von den weiteren Beschränkungen in Sachen Corona ab. Auf DBE-Ebene sei der Gaupokal „auf Eis gelegt und wird diese Saison wohl kaum noch stattfinden“, glaubt der Alte-Burg-Chef: „Das Gauschießen ist ja leider komplett abgesagt. Ich hoffe natürlich, dass die nächste Rundenwettkampf-Saison im Herbst, auch unter Auflagen, begonnen werden kann.“ Schmunzelnd fügt Baumann hinzu: „Masken würden mich beim Schießen nicht stören. Ich bin ja selbst bei der Feuerwehr und deshalb Atemschutzgerät gewohnt.“

Zum Schutz der Mitglieder ist der Schießbetrieb in Reistingen zwar zurzeit eingestellt, doch der Vorsitzende Franz Baumann blickt schon voraus: „Umso mehr freuen wir uns auf die Zeit nach Corona und auf das Ende der Ausgangsbeschränkung, damit wir im Verein wieder gemeinsam an unseren Schießkünsten arbeiten und die Abende ausklingen lassen können.“

Zur Serie: Das Corona-Virus legt aktuell auch das Vereinsleben weitestgehend lahm. Gerade in solch außergewöhnlichen Zeiten gilt: Manche „gewöhnlichen“, scheinbar so selbstverständlichen Dinge schätzt man erst richtig, wenn man sie plötzlich nicht mehr hat. Etwa den Sportverein vor Ort. Der hatte es in den vergangenen Jahren nicht immer einfach. Das veränderte Freizeitverhalten unserer Gesellschaft, vor allem bei Jugendlichen, sorgte nicht selten für Geringschätzung und Mitgliederschwund. In unserer Serie „Klein, aber fein – mein Verein“ erzählen uns Menschen, was ihnen an ihrem Sport- oder Schützenverein so sehr gefällt.

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