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Lesung

30.10.2019

An Träume glauben und sie festhalten

Der bekannte Schauspieler Günther Maria Halmer gastierte in Donauwörth – diesmal als Autor. Denn er stellte seine Autobiografie „Fliegen kann jeder“ vor.
Bild: F. Kapfer

Der Schauspieler Günther Maria Halmer hat seine Autobiografie verfasst. Sie beschreibt nicht nur ein spannendes Leben, sondern macht auch Mut, unkonventionelle Wege zu gehen

Eine halbe Stunde bevor Günther Maria Halmer die Bühne betritt, ist fast jeder Stuhl im Donauwörther Zeughaus besetzt. Die Veranstaltung ist ausverkauft. Im Rahmen der literarischen Woche der Donauwörther Kulturtage liest der bekannte Schauspieler vor 150 Menschen aus seiner Autobiografie „Fliegen kann jeder“. Halmer, der unter anderem durch die Rolle als „Tscharlie“ in den „Münchner Geschichten“ große Bekanntheit erlangte, ist zum ersten Mal in Donauwörth.

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Als er dann unter Applaus die Bühne betritt, erklärt er, warum er überhaupt eine Biografie verfasst hat: „Ich wollte mich selbst etwas besser kennenlernen und reflektieren. Und wenn man sich selbst etwas besser kennenlernen möchte, ist so eine Autobiografie eine feine Sache, denn man hinterfragt und erinnert sich an vieles.“ Rasch sorgt er dann schon für den ersten Lacher: „Als alter Mann kann man durchaus zurückblicken. Und ich bin einer. Das ist ärgerlich, aber es ist nun mal so.“

Als er aus seinem Buch liest, klingt es weniger wie eine vorgelesene Geschichte. Halmer erzählt, lebhaft, anschaulich und humorvoll. Und vor allem authentisch. Denn nicht alles was der Schauspieler in seinem Leben erlebt hatte, war angenehm. Bereits zur Schulzeit sei er eher „der Klassenclown“ gewesen, der mehr zur Unterhaltung der Mitschüler da gewesen sei, erinnert er sich. Weniger Freude machten derweil seine Schulnoten. „Immer wenn der Lehrer schrie: Halmer! – dann verhieß das in der Regel nichts Gutes. Da war eine Note drei schon fast eine positive Ausnahme“, verrät er.

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Seinen Drang, vor Publikum aufzutreten, habe er bereits als Ministrant verspürt. Halmer berichtet: „Wir haben uns immer um den Posten des Ministranten gestritten, der rechts stand. Der hatte mehr zu tun. Meine strengen Kritiker waren damals die alten Damen, die stets meinen frommen Gesichtsausdruck während der Messe oder meinen strengeren Ausdruck während der Beerdigungen lobten. Aber das war schon damals alles Theater“, schmunzelt der Schauspieler unter dem Gelächter des Publikums.

Nachdem er nach der sechsten Klasse Gymnasium von der Schule flog, versuchte sich Halmer in mehreren Berufen. Als Koch, als Empfangsherr im Hotel und bei der Bundeswehr. Gefallen hat es ihm jedoch nirgends richtig. „Ich wollte immer in die große, weite Welt. Mein Vater hat mich damals zur Bundeswehr geschickt, weil ich ein Träumer war. Ich bekam es nicht auf die Reihe, mich auf einen Beruf einzulassen.“ Er war in Landsberg bei der Luftwaffe stationiert, bekam nach 14 Tagen schon einen strengen Verweis, weil er seine Waffe einmal nicht mitführte, weil sie kaputt war. Nach Ablauf von 18 Monaten wurde er nicht zum Gefreiten erklärt. „Normalerweise schaffst du das nach sechs Monaten, wenn du was ausgefressen hast, in neun – ich habe es gar nicht geschafft“, so der Schauspieler, der das mit einer großen Portion Selbstironie berichtet und mit gemischten Gefühlen auf die Bundeswehrzeit zurückblickt.

Um dann einen Schnitt zu setzen und etwas Neues zu versuchen, wanderte er nach Kanada aus. Bei einer Parisreise merkte Halmer, dass es nicht so weitergehen könne. „Ich wollte alles hinter mir lassen und etwas Neues versuchen. Ich konnte nicht gut Englisch und wusste auch nicht, was ich dort genau machen wollte, aber ich wollte weg.“

Am Ende ist er in einem Asbest-Bergwerk gelandet. Eine Schichtarbeit, die ihn nicht störte. „Ich hatte mir vorgenommen, erst aufzuhören, dort zu arbeiten, wenn ich weiß, was ich einmal beruflich machen möchte. Und glauben Sie mir, ich hatte während dem Schaufeln sehr viel Zeit, um nachzudenken“, betont er lächelnd. Insgesamt habe er mit Menschen aus zahlreichen Nationen zusammengearbeitet, darunter ein unscheinbarer Mann aus Österreich. „Der kam an einem Tag her und sagte, er wird Schauspieler. Ich war völlig überrascht und fasziniert. Ich hatte nie geglaubt, dass man das so einfach sagen kann. Außerdem dachte ich, man muss in gewisser Weise so ausschauen wie John Wayne oder so“, lacht er.

Nach 18 Monaten im Bergwerk kündigte er und kehrte in seine Heimat Rosenheim zurück. Sein Vater habe jedoch nichts mit seinen Berufsplänen anfangen können und bremste die Euphorie des Rückkehrers. „In Kanada war die Mentalität anders. Dort konnte man seine Träume behalten. Hier wird immer alles realistisch gesehen und gleich gesagt: Was machst du denn für einen Schmarrn?“, kritisiert Halmer.

Am Ende hat er es aber geschafft. „Mir ist es wichtig, dass Menschen an ihre Träume glauben und auch daran festhalten, wenn es mal nicht so läuft. Manchmal dauert es, sich zu finden. Das wollte ich Ihnen mitgeben“, erklärt der Schauspieler, bevor er sich nach zweieinhalb Stunden Programm von seinen begeisterten Gästen verabschiedet.

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