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Kabarett

23.02.2015

Begnadet in der Parodie

Dreimal Wolfgang Krebs: als die ehemaligen bayerischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber (links) und Günther Beckstein (rechts) sowie als Schlagersänger Meggie Montana.
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Dreimal Wolfgang Krebs: als die ehemaligen bayerischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber (links) und Günther Beckstein (rechts) sowie als Schlagersänger Meggie Montana.

Imitator Wolfgang Krebs begeistert mit seinen Parodien – und plötzlich waren drei Ministerpräsidenten auf der Bühne. Bajuwarischer Verwandlungsspaß

Wer gleich mehreren bayerischen Polit-Größen begegnen will, kann ins Maximilianeum nach München fahren und darauf hoffen, sie live zu erleben. Es geht aber auch einfacher: Wer einen Kabarettabend mit Wolfgang Krebs besucht, kann mindestens drei Ministerpräsidenten erleben: Seehofer, Stoiber und Beckstein. Und dazu gibt’s auch noch jede Menge Spaß. So war’s denn auch beim Krebs-Gastspiel im Tanzhaus in Donauwörth.

Der bajuwarische Nörgler vom Nockherberg schlüpfte in seinem neuen Programm „Können Sie Bayern“ in die unterschiedlichsten Politikerrollen und erteilte mal wieder kräftig Nachhilfeunterricht in Sachen Regierungswahnsinn.

Da ist Heimat- und Bayernkunde angesagt, um am Ende die bayerische Daseinsberechtigung und ein verlängertes Bleiberecht zu erwirken. 400 begeisterte „Kursteilnehmer“ waren gekommen, um sich dem Bayerntest zu stellen. Alle haben bestanden. Auch die in der ersten Reihe und der eine, der „woanders“ geboren ist.

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Mir nix, dir nix schlüpft der begnadete Stimmenimitator in die Rollen derer, die was zu sagen haben oder unbedingt etwas sagen wollen. Zynisch und so richtig bös’ kann er sein, unter die Gürtellinie geht es aber nie. Da inszeniert Meggie Montana („der niveaulose Schlagerterrorist, das musikalische Luftloch“) seinen Auftritt: Vorsorglich bringt er die Rosen selber mit und verteilt sie an die Frauen, die sie ihm nachher auf die Bühne bringen sollen.

Wolfgang Krebs’ Paraderolle ist natürlich die von Edmund Stoiber, „Ministerpräsident der Herzen“. Den stotternden Wortverdreher aus Wolfratshausen lässt er gleich mehrmals auftreten, dieses „lebendige Zeugnis der absoluten Mehrheit“. Den Besuchern trieb es Lachtränen in die Augen, als der Kaufbeurer Krebs in der Rolle des amtierenden Ministerpräsidenten Horst Seehofer hinter einem riesigen Tuch mit Bayern-Wappen hervortritt. Tiefkehlig-röchelnd lacht er, zeigt nur die untere Zahnreihe und grüßt mit „I bin da Horst – und da bin i dahoam“.

Doch nicht nur die vermeintlich großen Rollen sind ihm auf den Leib geschneidert. Wenn er zum Beispiel vom neurotischen Gemeinderat Schorsch Scheberl, Vorsitzender in 30 Ortsvereinen, berichtet, der mit einem Ganzjahresbierzelt erfolgreiche Jugendarbeit betreibt, dann merkt man, wie Krebs der Schalk im Nacken sitzt. Und wenn das Statistische Bundesamt schnell zum buddhistischen Standesamt wird, dann amüsiert sich das Publikum nur kurz, denn der Wortverhaspler lässt auf solche Momente gleich ein Bombardement von verdrehten Wörtern folgen – natürlich als Stoiber. Sogar über die „Kandesbunzlerin“ schwadroniert Krebs. Der wandelbare Parodist redet sein Publikum schwindlig und setzt blitzschnell einen politisch unkorrekten linken Haken, um gleich darauf zurück in die Hülle des „Edi“ zu schlüpfen, die „Lady Gaga der bayerischen Politik“. Es gelingt ihm, die Stimmen der Polit-Größen – auch Angela Merkel und Markus Söder sind dabei – zu imitieren, sie aber auch in Gestik und Ausdruck nachzuahmen. Treffsicher seine Spitzen und vor allem die Tagesaktualität.

Der Kabarettist will gar nicht tiefgründig sein. Er will einen Gute-Laune-Abend gestalten, wechselt dazu die Rollen im Turbotempo – und das Publikum ist begeistert.

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