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Marxheim-Schweinspoint

21.12.2020

Corona-Ausbruch in Schweinspoint zieht weitere Kreise

In der Stiftung Sankt Johannes in Schweinspoint hat sich das Coronavirus ausgebreitet.

Plus Bei St. Johannes in Schweinspoint haben jetzt Reihentestungen stattgefunden. Ein weiterer Bewohner ist gestorben. Wie es jetzt in der Einrichtung weitergeht.

Nach dem Corona-Ausbruch in einer Wohnanlage für geistig behinderte Menschen der Stiftung St. Johannes in Marxheim-Schweinspoint vergangene Woche haben jetzt Reihentestungen stattgefunden. Bislang sind insgesamt vier Bewohner an den Folgen der Infektion gestorben, wie der Geschäftsführer, Robert Freiberger, am Montag auf Nachfrage unserer Zeitung mitteilte.

Corona-Ausbruch in Wohnanlage der Stiftung St. Johannes in Marxheim-Schweinspoint

In der Wohnanlage „Westflügel“ gab es in der vergangenen Woche einen Corona-Ausbruch. Die drei Pflegegruppen seien, so Freiberger, zwischenzeitlich alle getestet und das Ergebnis liege vor: Von den 34 Bewohnern sind demnach 20 positiv getestet, davon sind vier gestorben – zuletzt ein weiterer älterer Mann.

Die verstorbenen Bewohner waren zwischen 75 und 90 Jahre alt. Weitere drei Personen befinden sich derzeit im Krankenhaus. Auch Teile der Belegschaft seien betroffen, so Freiberger – entweder sind sie auch positiv getestet oder befinden sich als Kontaktperson in Quarantäne.

Marxheim: Eine weiter Wohngruppe positiv auf Covid-19 getestet

„Da es Kontakte zwischen den Wohnbereichen gab, wurde in unserem Haus Hopfengarten eine weitere Wohngruppe positiv getestet“, berichtet der Geschäftsführer. Hier gebe es neun bestätigte Fälle. Aktuell weise in dieser Gruppe allerdings niemand Symptome auf. Alle betroffenen Gruppen befänden sich derzeit in Quarantäne. Am vergangenen Samstag wurde eine groß angelegte PCR-Reihentestung durchgeführt. Alle Bewohner und alle Mitarbeiter wurden laut Angaben der Stiftung dabei getestet.

Einige der Ergebnisse stünden derzeit noch aus. Diese Reihentestung werde in den kommenden Tagen wiederholt. „Wir bedanken uns an dieser Stelle bei unserem Personal, welches den Dienst aufrechterhält und sich um die pflegebedürftigen Menschen kümmert. Das sind für uns sehr schwere Zeiten und viele Kolleginnen und Kollegen haben Angst“, sagt Freiberger.

Und er fügt hinzu: „Aus gegebenem Anlass müssen wir Besuche und Heimfahrten für den gesamten Bereich Westflügel und Hopfengarten absagen. Das fällt uns schwer, besonders, weil das Weihnachtsfest bevorsteht.“ Da man die Quarantäne der betroffenen Einrichtungen sicherstellen könne, seien indessen die Lebensmittelgeschäfte von St. Johannes zu den gewohnten Öffnungszeiten für die Kunden geöffnet.

Geschäftsführer der Stiftung St. Johannes in Schweinspoint: „Wir sind kein Gefängnis.“

Robert Freiberger

Geschäftsführer Robert Freiberger ist hörbar betroffen. Wie es zu dem Ausbruchsgeschehen in der großen Einrichtung für behinderte Menschen gekommen ist, sei bislang nicht nachzuvollziehen. Die betroffene Wohnanlage sei strukturell vergleichbar mit einem Seniorenheim, ähnlich seien unter Pandemiebedingungen die getroffenen Sicherheitsvorkehrungen – aber dennoch: „Wir sind kein Gefängnis. Wir können die Menschen nicht einfach einsperren.“

Bis zum Ausbruch hätten sich die Menschen freilich auf dem weitläufigen Gelände der Stiftung bewegen können – „wir sind keine geschlossene, sondern eine offene Einrichtung“. Es sei speziell für viele Menschen mit geistiger Behinderung nicht nachzuvollziehen, warum sie Abstand zu anderen halten sollten – ähnlich wie bei demenziell Erkrankten. Trotzdem habe das Personal stets versucht, die Regeln klarzumachen und umzusetzen. Nach dem Ausbruch sei man schweren Herzens noch restriktiver, trotz aller Schwierigkeiten für die Bewohner und die Betreuer. Aber jetzt in der Quarantäne gebe es keine Alternative dazu.

Mitarbeiter fallen wegen positiven Corona-Tests aus

Umso betrüblicher sei das nun zur Weihnachtszeit. Trotzdem versuchten die Mitarbeiter, die Weihnachtstage so angenehm wie irgend möglich zu gestalten. Gestrichene Familienheimfahrten und Besuche seien hart zu akzeptieren, aber auch hier sei ein restriktives Vorgehen unter den gegebenen Umständen alternativlos, so Freiberger. „Ganz klar, einige verstehen das überhaupt nicht.“

Ein weiteres Problem belastet die Stiftung dieser Tage massiv: Wegen der zahlreichen positiven Testungen bei den Mitarbeitern versucht die Geschäftsleitung nun, mehr Personal an Bord zu holen: „Wir müssen schauen, wie wir schnell Mitarbeiter finden.“ Teils bitte man Angestellte, die Urlaub haben, diesen zu verschieben. Die Personalfrage sei eines der Hauptprobleme dieser Tage, sagt Freiberger.

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